Viele Leser der "Berliner Zeitung" beteiligten sich an der Namenssuche für das neue Kanzleramt

Bundesbowlingbahn am Spreebogen

Iris Brennberger
3 Min

Helmuts Rache", "Onkel Gerhards Hütte", "Pallazzo Prozzo", "Gerhards Dilemma" oder "Bundesbowlingbahn" - viele Spitznamen gibt es inzwischen schon für das neue Kanzleramt am Spreebogen. "Kohlosseum" und "Waschmaschine" dürften auf Dauer die größten Chancen haben, sich im Volksmund durchzusetzen. Vielen Lesern der "Berliner Zeitung", die sich an der zweiten Runde der Namenssuche für das neue Amt beteiligten, gefielen die beiden Ideen am besten. Auch beim Taxiverband und bei Fremdenführern hieß es, dass viele Fahrer und Stadtführer den Prachtbau am Spreeufer, mit den auffälligen Säulen und runden Öffnungen, mittlerweile schon "Waschmaschine" oder "Kohlosseum" nennen.Nach dem Umzug des Kanzlers ins neue Amt am 2. Mai hatte die russische Zeitung "Istwestija" beklagt, dass dem Haus am Spreebogen ein passender Name fehle. Dabei schwebte den russischen Journalisten vor allem eine seriöse Bezeichnung wie das "Weiße Haus" für den Amtssitz des amerikanischen Präsidenten oder "Kreml" für die Regierungszentrale Russlands vor. Die "Berliner Zeitung" rief daraufhin ihre Leser auf, sich an der Suche zu beteiligen. Innerhalb weniger Tage gingen zahlreiche Vorschläge per Telefon, E-Mail und Post ein. Wie berichtet waren Namen wie "Kanzlerpalast", "Sonnenpalais" und "Würfel" darunter. Auch "WBS1" war eine Idee, die Kurzform für die Adresse des Kanzleramtes Willy-Brandt-Straße 1. Schließlich wird als Alternative für den englischen Premierminister auch dessen Adresse, Downing Street 10, genannt. WBS 1 lässt sich aber auch mit Wohnungsberechtigungsschein 1 übersetzen. Der Kanzler wohnt im Amt. Mittlerweile gibt es zahlreiche neue Vorschläge, wieder meist Spottnamen. Bei vielen spielt es eine Rolle, dass der neue Regierungssitz im Auftrag von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl entstand. Ein Leser schlägt "Kohlroulade" und "Kohlkopf" vor. Ein anderer Spottname ist "Kohls Bahnhof", weil das neue Amt die Dimensionen eines Hauptbahnhofs erreicht habe. Angesichts der Schwarzgeldaffäre der CDU spricht ein Leser vom "Bimbesbau". Weil Kanzler Gerhard Schröder doch eher ein "Kumpel-Typ" sei, nennt ein Leser das Haus "Onkel Gerhards Hütte".Nach wie vor beliebt sind Namen in Verbindung mit "Palast". Das Gebäude ist acht Mal so groß wie das Weiße Haus in Washington und kostete 465 Millionen Mark. Eine Leserin nennt es deshalb "Palazzo Prozzo". Andere sprechen vom "Ballast der Republik". Beide Spitznamen mussten auch schon zu DDR-Zeiten als Bezeichnung für den Palast der Republik auf dem Schlossplatz herhalten. Ein Leser schlug als Namen "Palazzo Spreezoo" vor, wahrscheinlich weil dort künftig immer "große Tiere" ein- und ausgehen. Einige Leser spotten über die Loch-Fassade oder die Farbe des Gebäudes: "Käsetheke", "Weißwurst" und "Bundesbowlingbahn" lauten die Vorschläge. Ein Leser fühlt sich durch die Form sogar ans alte Ägypten erinnert. Er spricht von der "Berliner Sphinx". Staatstragendere Namen waren "Neues Haus" und "Kanzlerbau". Die Leserbriefaktion der "Berliner Zeitung" ist damit beendet. Mit weiteren Ideen ist jedoch zu rechnen: Am 1. September ist im Kanzleramt Tag der offenen Tür und beim Rundgang durchs Haus werden die Besucher nicht mit Kommentaren sparen.

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