Am Anfang war der Sieg über die Konkurrenz. Denn gleich zwei Großarenen konkurrierten im Jahr 2001 in Berlin um die Gunst der Behörden: Auf dem Gelände des ehemaligen Ostgüterbahnhofs in Friedrichshain plante der US-Multimilliardär Phil Anschutz ein ganzes Entertainment-Viertel mit einer Multifunktionshalle für bis zu 17 000 Besucher im Zentrum. Eine Großarena wollte auch der finnische Unternehmer Harry Harkimo bauen - in Spandau. Selbstbewusst kaufte die Anschutz Entertainment Group (AEG) die rund 18 Hektar nahe dem Ostbahnhof von der Bahn - noch bevor Harkimo wegen Finanzschwierigkeiten aufgab.Es dauerte aber drei weitere Jahre, bis am Ostbahnhof die Bagger anrollten. Immer wieder wurde der Baubeginn verschoben. Auch, weil die AEG den Großteil der Baukosten in Höhe von 165 Millionen Euro refinanzieren wollte. Vor allem mit dem Verkauf der Namensrechte an das Telefonunternehmen O2 im April 2006 machte man dies perfekt. Im September 2006 wurde Grundsteinlegung gefeiert. Bis dahin erzielte der Investor noch weitere Siege - auch über die Berliner Politik. Die erlaubte, dass die denkmalgeschützte East Side Gallery einen Durchbruch für Schiffsanleger erhielt. Sie erlaubte auch, dass der Investor in etwa 50 Fällen von der deutschen Versammlungsstättenverordnung abweichen durfte. Zum Beispiel bei den Zuschauerzugängen. Diese müssen laut deutscher Verordnung nach oben breiter werden; bei Feuer sollen die Menschen so schnell flüchten können. Die AEG wollte aber gerade verlaufende Zugänge. Erst ein Besuch von Experten unter Leitung des damaligen Bausenators Peter Strieder in Los Angeles, wo Anschutz das Staples Center betreibt, gab den Ausschlag: Die modernen US-Methoden für den Brandschutz überzeugten, die Zugänge durften gerade gebaut werden.Tatsächlich soll die Arena, die in 24 Monaten entstand, eine der modernsten in Europa sein. Veranstaltungen, die bisher an Berlin vorbeigegangen sind, sollen dort stattfinden. Sogar privat feiern kann man dort, dafür gibt es vier Party-Suiten. O2-Kunden können ihre Tickets übers Handy bestellen und haben eine eigene Lounge. Überhaupt wird Wert auf Komfort gelegt: Die Plätze bieten ungewöhnlich viel Beinfreiheit, Essen und Trinken gibt es an 140 Kiosken. Auf einem zwölf Meter hohen Videowürfel werden Sportszenen und Werbung gezeigt. Versprochen wird freie Sicht von allen Plätzen, was der Dachkonstruktion zu danken ist: Das 1 770 Tonnen schwere Dach ruht auf vier Pfeilern. Keine Stütze versperrt den Blick auf Spielfeld oder Bühne. Die Dachmontage war nicht ganz problemfrei: Um einen 148 Tonnen schweren Stahlträger auf seinen Pfeiler zu positionieren, musste die zu dick geratene Betonmauer einen halben Tag lang abgefräst werden.Die Halle ist eröffnet. Noch ähnelt sie ein wenig einem gestrandeten Ufo inmitten planierter Freiflächen. In den nächsten Jahren sollen dort Kinos, Bars, Restaurants, Geschäfte und Büros entstehen. Es gibt Interessenten für einzelne Projekte, heißt es. Es wäre ein weiterer Sieg des Investors. Überhaupt musste die Anschutz Entertainment Group bislang nur eine Niederlage einstecken: Das 180 Meter hohe Riesenrad, das auf ihrem Gelände weitere Touristen anlocken sollte, entsteht jetzt am Zoo. (sk.)------------------------------Foto: November 2004: Ein altes Bürogebäude wird gesprengt, es macht Platz für die Arena.Foto: Februar 2005: Die Grundfläche der Großhalle - 160 mal 130 Meter - ist planiert.Foto: Februar 2007: Die erste Etage wächst aus der Erde, die Hallen-Umrisse sind zu erkennen.Foto: August 2007: Der erste Teil des 257 Tonnen schweren Süd-Dachträgers wird montiert.------------------------------Foto: Nett begrüßen: Auf der Fassade am Haupteingang flimmern Botschaften an die Besucher.Foto: Doppelt genießen: Auch vom World Dinner Restaurant aus kann man Events verfolgen.Foto: Exklusiv plaudern: Im Premium Club sind die Besitzer spezieller Karten unter sich.Foto: Schöner sitzen: Im Foyer des Premiumbereichs warten edle Sessel auf die VIP-Gäste.Foto: Besser sehen: Auf dem achteckigen Videowürfel werden Sport- und Konzertszenen gezeigt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]