Vier Sanierungskonzepte präsentiert / Private Finanzierung nur bei einer Variante möglich

Neue Pläne für das Olympiastadion: Gutachter Seebauer konnte Staatssekretäre nicht überzeugen

Meike Bruhns und Hartmut Augustin
3 Min

Sportstaatssekretär Klaus Löhe war am Freitag enttäuscht. "Ich hatte mehr erwartet", sagte Löhe zu den vier Konzepten, die der Münchner Unternehmensberater Rolf Seebauer für die Zukunft des maroden Olympiastadions entwikkelt hat. Seebauer habe seinen Auftrag, Investoren für eine privatwirtschaftliche Sanierung des Stadions zu finden, nicht erfüllt. Vier Stunden hatten zuvor Staatssekretäre oder deren Vertreter aus zuständigen Senatsverwaltungen (Bau, Finanzen, Sport, Stadtentwicklung) und Vertreter des Bundesfinanzministeriums hinter verschlossenen Türen über die Konzepte diskutiert. Seebauer konnte nur eine Sanierungsvariante präsentieren, die sich ausschließlich privat finanzieren läßt.Nach dieser sogenannten "Innovationslösung" soll lediglich die Hülle des Olympiastadions stehen bleiben und im Inneren eine Fußballarena mit mindestens 64 000 Plätzen gebaut werden. Kosten: rund 300 Millionen Mark. Neben dem Stadion ist ein "Sport- und Entertainment-Center" mit mehreren Etagen geplant. Auch der Bau von Wohnungen ist vorgesehen. Aus dem Verkauf der Flächen und Sponsorenleistungen von Banken, einer Brauerei, Bewag, Gasag und einer Bauaktiengesellschaft könnte der Hauptteil der Sanierungskosten gedeckt werden, so Seebauer. Würde ein Drittel aller Stadionplätze für 4 000 Mark pro Sitz an Stammgäste verkauft, kämen weitere 20 Millionen Mark hinzu. Der Gutachter machte aber auch klar, daß ein neues Stadiondach oder Leichtathletik-Anlagen privat nicht zu finanzieren seien.Seebauer stellte auch eine "Colosseum-Variante" vor. Das alte Stadion wird als Denkmal erhalten und auf dem Maifeld ein neues gebaut. Die notdürftige Sanierung der Arena würde nach Informationen der "Berliner Zeitung" rund 200 Millionen und der Neubau rund 400 Millionen Mark kosten. Dieser Vorschlag wird vom Präsidenten des Deutschen und des Landessportbundes, Manfred von Richthofen, favorisiert.Die dritte Variante von Seebauer sieht vor, das alte Stadion abzureißen und an dieser Stelle ein neues zu bauen. Für seinen vierten Vorschlag griff der Münchner Unternehmensberater Seebauer einfach ins Archiv und offerierte Pläne der Berater-Firma Deyle/Bung. Diese Gutachter hatten bereits vor einigen Jahren empfohlen, das Stadion zu modernisieren und auch zu überdachen. Der Preis: 660 Millionen Mark.Seebauer stellte klar, daß die letzten drei Varianten nur mit öffentlichen Zuschüssen realisierbar seien: "Es gibt keinen Investor, der Millionen Mark auf den Tisch legt, nur damit ein altes Stadion saniert werden kann." Staatssekretär Löhe will das Stadion erhalten und unterstützt damit auch die Forderung des Landesdenkmalrates. Außerdem: "Ein Olympiastadion ohne Aschenbahn ist keins", so Löhe. Doch die einzige privat finanzierte Lösung sieht das genau nicht vor. Nach der Präsentation bekam der Unternehmensberater seine Konzepte zurück. "Die vorgelegten Zahlen reichen als Entscheidungsgrundlage nicht aus", sagte Löhe. Das Thema werde für die Senatssitzung am kommenden Dienstag von der Tagesordnung genommen. Seebauer muß nacharbeiten. Eine Frist wurde nicht gesetzt. "In vier Wochen sollten wir etwas haben", so Löhe. Ob Seebauer noch den Folgeauftrag bekommt, ist fraglich. "Mal sehen, was er jetzt liefert", so Löhe.Manfred von Richthofen hat mit Blick auf die deutsche Bewerbung um die Fußball-WM 2006 auf eine schnelle Sanierungsentscheidung gedrängt: "Wir werden bis Juni/Juli zu einer Entscheidung kommen müssen, sonst scheiden wir aus der Bewerbung aus", sagte er im InfoRadio.

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