Solidarität gehörte zu den großen Wörtern der DDR. Besonders innig wurde sie beschworen, wenn es um Vietnam ging. „Für Vietnam“ sammelten Schulkinder Altpapier, Erwachsene spendeten Geld, Brigaden erfüllten Sonderschichten.
Der Kampf des kommunistischen Nordens gegen die USA war fern – und im Alltag der DDR doch erstaunlich präsent. Auf Plakaten, in Grafiken und Gemälden bekam die Solidarität ihre Bilder.
Was bedeutet Solidarität, wenn man sie nur verkündet?
Dort setzt die Ausstellung „Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity“ an, die am 9. September zur Berlin Art Week eröffnet. Sie zeigt Arbeiten von DDR-Künstlern, die sich vor allem mit dem Vietnamkrieg beschäftigten, darunter etliche aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank. Interessant werden sie heute gerade durch ihre Uneindeutigkeit: Wo endet künstlerische Anteilnahme, wo beginnt antiimperialistische Propaganda?
Ausstellungsansicht „Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity”, Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank © Minh Duc Pham
© Steven Lüdtke
Die Ausstellung belässt es klugerweise nicht bei der Kunstgeschichte. Denn zur viel beschworenen deutsch-vietnamesischen Solidarität gehört auch eine andere Geschichte. In den achtziger Jahren kamen Tausende Vietnamesen als Vertragsarbeiter in die DDR. Die verordnete Freundschaft erwies sich im wirklichen Leben als erheblich komplizierter als auf gut gemalten Plakaten. Die Neuankömmlinge waren rechtlich stark eingeschränkt, lebten häufig abgeschottet und erfuhren Ausgrenzung.
Auch vietnamesische Künstler, die in der DDR studierten, nimmt die Schau in den Blick – in Fotografien, Installationen und multimedialen Arbeiten. Sie stellt die unbequeme Frage: Was bedeutet Solidarität, wenn man sie nicht nur verkündet, sondern leben muss?
„Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity“, 9. September bis 6. Dezember 2026, Neue Ausstellung in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, Kunstsammlung der Berliner Volksbank, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, bis 18 Jahre frei. Tel.: 030 30 63-17 44
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