Die Proteste gegen das Regime im Iran gehen weiter und nehmen kreativere Formen an, die fast wie Social-Media-Trends anmuten.
Seit einigen Tagen filmen sich junge Iraner dabei, wie sie Geistlichen die Turbane vom Kopf stoßen. Auf sozialen Medien werden derzeit mehrere Videos verbreitet, in denen iranische Schülerinnen und Schüler zu sehen sind, die vorbeigehenden Geistlichen auf der Straße hinterherlaufen, ihnen mit einem schnellen Klaps den Turban vom Kopf stoßen und weglaufen. Die Clips gingen sofort viral.
Iranische Journalistin nach Interview mit Vater von Mahsa Amini festgenommen
„Das Entfernen der Turbane von Geistlichen ist zu einem Akt des Protests geworden, nachdem das Regime Hunderte von unschuldigen Demonstranten getötet hat“, heißt es in der Bildunterschrift eines Videos. Und weiter: „Das Abnehmen der Turbane von Geistlichen ist für iranische Teenager zur täglichen Routine geworden“.
Die Bilder zeigten, wie sich seit Beginn der Proteste Mitte September eine alltägliche Protestkultur im Iran entwickelt habe, meint dazu die aus dem Iran stammende US-amerikanische Journalistin Masih Alinejad, die auch solche Videos auf Twitter postete: „Wenn Sie wirklich wissen wollen, warum das Abschlagen der Turbane von Klerikern im Iran zum Sport geworden ist, sehen Sie sich dieses Video an, dann werden Sie die Wut der Teenager verstehen. Seit Jahren belästigen Kleriker Frauen auf der Straße wegen des Hijabs.“
Alinejad ist die Gründerin der Seite „My Stealthy Freedom“, auf der unverschleierte iranische Frauen Fotos von sich teilen.
Seit mehr als sechs Wochen dauert die landesweite Protestwelle im Iran bereits an – es ist die größte seit Jahren. Die Proteste waren im September durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die sogenannte Sittenpolizei ausgelöst worden.
Die Sicherheitskräfte gehen mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. Dutzende wurden dabei nach Angaben von Aktivisten getötet. 1000 Menschen wurden angeklagt – ihnen droht demnach die Todesstrafe.
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