Der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes wird radikal umgebaut. Das sieht das Sanierungskonzept vor, das die Geschäftsleitung gestern vorgestellt hat. "Wir haben alle Krankenhäuser auf die Waagschale gelegt", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Wolfgang Schäfer. "Keines ist gegenwärtig verzichtbar." Doch der Erhalt der neun ehemals städtischen Häuser ist nur um den Preis harter Einschnitte möglich - von denen sowohl hunderttausende Patienten als auch die Beschäftigten betroffen sein werden. Einzelne Standorte will der Konzern aufgeben; so soll das Krankenhaus Prenzlauer Berg auf die Fröbelstraße konzentriert und das Klinikgelände an der Danziger Straße verkauft werden. Zudem ist bis zum Jahr 2010 ein drastischer Bettenabbau geplant: von gegenwärtig 5 800 auf 4 200 Betten. Dennoch soll die Zahl der derzeit 184 000 behandelten Fälle pro Jahr von 2007 an um drei Prozent jährlich steigen. Das ist nur zu schaffen, wenn die Patienten sehr viel früher als bisher entlassen werden. Zurzeit dauert die stationäre Behandlung durchschnittlich 8,2 Tage, im Jahr 2010 sollen es 5,1 Tage sein. Im OP wird dann im Schichtbetrieb gearbeitet. Mehr Patienten heißt bei Vivantes aber nicht mehr Personal. Im Gegenteil: Von 11 600 Vollkräften will das Unternehmen in den kommenden acht Jahren 1 700 einsparen. Zudem stehen 500 Ausbildungsplätze zur Disposition. Und die Ärzte müssen sich auf Einkommenseinbußen einstellen. Schäfer will ihnen keine Überstunden mehr bezahlen. "Die können als freie Tage ausgeglichen werden", sagte der Krankenhausmanager. Durch flexible Arbeitszeiten soll außerdem die Zahl der Bereitschaftsdienste gesenkt werden, mit denen sich vor allem junge Ärzte ihr Gehalt aufbessern. Bis 2006 sind die Beschäftigten vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Was danach kommt, kann Schäfer nicht sagen, ebenso wenig will er über diesen Zeitraum hinaus allen Häusern eine Bestandsgarantie geben. Vor allem die Krankenhäuser in Prenzlauer Berg und Hellersdorf zählen zu den Wackelkandidaten. So wird in Kaulsdorf dringend ein Neubau benötigt, für den das Land die bereits zugesagten Investitionsmittel in Höhe von 45 Millionen Euro jedoch nicht hergibt. Schäfer hält den Standort aber offenbar für unverzichtbar: Er will das Gebäude von einem privaten Investor errichten lassen und dann Miete zahlen. Dass der größte deutsche Krankenhauskonzern nur ein Jahr nach seiner Gründung bereits ein Sanierungskonzept braucht, war vorhersehbar. Denn Vivantes übernahm ein schwieriges Erbe. 190 Millionen Euro Altschulden brachten die neun städtischen Krankenhäuser 2001 in die GmbH mit ein, der Investitionsbedarf für die zum Teil dringend sanierungsbedürftigen Häuser beträgt 271 Millionen Euro. Und von den Grundstücken, die das Land der GmbH zum Ausgleich für die Schuldenlast übertrug, konnte Vivantes noch kein einziges verkaufen. Zudem zahlen die Krankenkassen Vivantes bis 2006 jährlich 20 Millionen Euro weniger für die Behandlung der Patienten. Derzeit beträgt das Budget 700 Milllionen Euro. "Trotzdem können wir uns aus eigener Kraft von den Schulden befreien", sagte Schäfer. Dies dauert allerdings noch bis zum Jahr 2016. So lang will die Opposition im Abgeordnetenhaus nicht warten und statt dessen einzelne Häuser verkaufen. Dies fordert nicht nur die FDP, sondern auch die CDU, die als Regierungspartei Vivantes mitgegründet hatte. Auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wollte erst nach Vorlage des Sanierungskonzept entscheiden, ob der Senat für die landeseigene GmbH bürgt. Das wird er jetzt wohl. Sarrazin gehört dem Aufsichtsrat von Vivantes an, der das Konzept gebilligt hat.
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