Der iPhone-Hersteller Apple geht juristisch gegen den KI-Konzern OpenAI vor. Apple hat OpenAI und zwei ehemalige Mitarbeiter demnach wegen des mutmaßlichen Diebstahls von Betriebsgeheimnissen verklagt.
Die am Freitag beim Bundesgericht im Northern District of California eingereichte Klage wirft dem KI-Unternehmen aus San Francisco vor, systematisch vertrauliche Informationen über unveröffentlichte Apple-Produkte abgegriffen zu haben, um den Einstieg in das Geschäft mit Verbraucher-Hardware zu beschleunigen.
Namentlich benannt sind laut US-Medienberichten OpenAIs Hardware-Chef Tang Tan, zuvor 24 Jahre bei Apple und dort zuletzt Vizepräsident für Produktdesign, sowie der ehemalige Elektroingenieur Chang Liu.
Nach Darstellung Apples in der Klageschrift habe Tan Apple-Mitarbeiter dazu ermuntert, bei Bewerbungsgesprächen bei OpenAI Bauteile aus dem Apple-Konzern zu sogenannten Show-and-Tell-Sitzungen mitzubringen. Liu soll laut Klageschrift kurz vor seinem Wechsel zu OpenAI im Januar Dutzende vertrauliche Dateien zu Apple-Hardware heruntergeladen haben.
OpenAI: „Haben kein Interesse an Betriebsgeheimnissen“
Ein OpenAI-Sprecher erklärte laut den Berichten, man habe kein Interesse an Betriebsgeheimnissen anderer Unternehmen und konzentriere sich weiterhin darauf, innovative Technik zu entwickeln. Tan und Liu waren laut Reuters zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Nach Angaben Apples in der Klageschrift arbeiten inzwischen mehr als 400 frühere Apple-Beschäftigte bei OpenAI. Apple verlangt laut Bloomberg, dass OpenAI die Praktiken einstellt, sämtliche vertraulichen Materialien vernichtet und geplante Produkte so umgestaltet, dass sie keine Apple-Technik enthalten. Zudem wird ein Geschworenenverfahren beantragt.
Apple erklärte in der Klageschrift weiter, das Unternehmen habe bereits im Februar schriftlich Kontakt zu OpenAI aufgenommen, um die Vorwürfe zu klären, jedoch keine Antwort erhalten.
Apple und ChatGPT kooperierten bei Siri
Beide Unternehmen hatten 2024 eine Partnerschaft geschlossen, durch die ChatGPT in den Sprachassistenten Siri eingebunden wurde. Das Verhältnis hat sich nach Angaben des Wall Street Journal seither deutlich verschlechtert. Die neue Version von Siri, die Apple im Juni vorstellte, nutzt laut dem Bericht die Gemini-Technik von Google.
OpenAI hatte im vergangenen Jahr das Hardware-Start-up io Products des früheren Apple-Designers Jony Ive für 6,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Ive wird in der Klage nicht genannt.
Der Stanford-Juraprofessor Mark Lemley sagte Reuters, das Anwerben hunderter Apple-Mitarbeiter sei in Kalifornien nicht illegal. Sollten die Vorwürfe zutreffen, dass Beschäftigte vertrauliche Unterlagen mitgenommen hätten und OpenAI diese nutze, sei dies jedoch ein Problem für OpenAI.
Warum der Fall über den Einzelfall hinaus Bedeutung haben könnte
Der aktuelle Fall berührt das Ringen um die nächste Gerätegeneration im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Nach Einschätzung des Analysten Paolo Pescatore vom Marktforschungshaus PP Foresight, den Reuters zitiert, sehe Apple in OpenAI zunehmend einen Wettbewerber statt einen Partner. OpenAI versuche derweil, seine Abhängigkeit vom iPhone zu verringern und einen direkten Draht zu den Verbrauchern aufzubauen. Selbst wenn sich die Vorwürfe nicht erhärten ließen, könne die Klage die Hardware-Pläne von OpenAI verzögern, sagte Pescatore.
Laut Bloomberg arbeiten Apple, OpenAI und der Facebook-Konzern Meta parallel an neuartigen Geräten wie Datenbrillen, Anhängern oder mit Kameras ausgestatteten Kopfhörern, die KI in den Mittelpunkt stellen und langfristig das Smartphone ablösen könnten. Wer bei dieser Geräteklasse die Nase vorn hat, könnte laut Reuters die Aufmerksamkeit der Nutzer vom bisher dominierenden iPhone weglenken.
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