Zeitgleich mit den EU-Politikern in Brüssel trafen sich am Donnerstag in Peking 200 Politiker, Wissenschaftler und Experten aus über 100 Ländern und Regionen. Auf Einladung der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften und Denkfabriken aus Kambodscha, Chile, Nigeria, Spanien und Tonga diskutierten die Teilnehmer in China die Frage, wie Länder ihren eigenen Weg zur Demokratie finden könnten. Laut der staatlichen chinesischen Global Times war der Zeitpunkt gewusst gewählt – in der kommenden Woche lädt Präsident Joe Biden zu seinem „Demokratie-Gipfel“ ein. In der chinesischen Lesart wandten sich die Teilnehmer gegen die Praxis bestimmter Staaten, ihre eigene Form der Demokratie „hegemonial“ exportieren zu wollen. Die Global Times schreibt, „die offene und integrative Atmosphäre der Veranstaltung in Peking stehe in krassem Gegensatz zu der in den USA“, wo das Narrativ „Demokratie versus Autoritarismus propagiert“ werde.
Die staatlichen Medien Chinas beriefen sich in ihrem Urteil unter anderem auf den ehemaligen japanischen Premierminister Yukio Hatoyama. Dieser erklärte auf der Konferenz, dass die westlichen Werte an sich nicht das Problem seien. Wenn aber „demokratische und menschenrechtliche Werte in der Diplomatie übermäßig betont würden, werde dies unweigerlich zu Diskriminierung und Ausgrenzung von Ländern mit anderen Werten führen“. Dies könne irrationale Folgen haben und auch der Wirtschaft und dem Wohlstand schaden.
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Ähnliche Sorgen dürften auch die EU-Spitzen in Brüssel umgetrieben haben. Denn während die amerikanische Regierung den Druck auf die EU unvermindert hochhält und eine Isolierung Chinas verlangt, machen einige Länder derart Gegendruck, dass sich selbst Ursula von der Leyen, die ein traditionell gutes Verhältnis zum Weißen Haus pflegt, neu orientiert. Sie schloss sich etwas hektisch der Delegation von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, der demnächst nach China pilgert. Zuvor wird schon Spaniens Premierminister Pedro Sánchez dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Peking seine Aufwartung machen.
Die fieberhafte Reisediplomatie wird von Balten, Polen und Skandinaviern kritisch gesehen: Sie alle verwiesen auf den ausgedehnten Besuch Xis bei Russlands Präsident Wladimir Putin hin, bei welchem Xi klargemacht hatte, nicht von Russland abrücken zu wollen. Zwar ist es wegen der wirtschaftlichen Bedeutung Chinas für die Europäer nicht möglich, wie gegen Russland eine totale Kontaktsperre zu verhängen. Doch warnten Litauer und Esten vor Chinas wachsender Rolle in der geopolitischen Auseinandersetzung. Doch für viele Staats- und Regierungschefs geht es jetzt um mehr: „China ist nicht perfekt, aber wir könnten es eines Tages brauchen. Diese Einschätzung teilen mehrere Mitgliedsstaaten“, sagte ein EU-Beamter laut dem Magazin Politico. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron beschwor seine Kolleginnen und Kollegen, China von einer militärischen Unterstützung Russlands abzuhalten - wohl wissend, dass die USA in diesem Fall weitreichende Sanktionen beschließen und auch von der EU einfordern könnten. Dies wäre für die europäische Wirtschaft vermutlich deutlich schwerer zu verkraften als die Russland-Sanktionen.
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China seinerseits umwirbt vor allem Deutschland: Mit ihren sich gegenseitig ergänzenden wirtschaftlichen Vorteilen gebe es zwischen China und Deutschland keine sogenannte Abhängigkeit der einen Seite von der anderen, sagte Shu Jueting, eine Sprecherin des Handelsministeriums, am Donnerstag laut der staatlichen Website China Daily: „Die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Deutschland resultieren aus der Entwicklung der Globalisierung und dem Wirken der Marktkräfte“, sagte sie auf einer Pressekonferenz. Doch die Chinesen verlangen von Europa eine eigenständige Linie. So warb der oberste chinesische Außenpolitiker Wang Yi in einem Gespräch mit einem Macron-Berater um Unterstützung für den chinesischen Ukraine-Friedensplan. Die Europäer müssten sich auf politischer Ebene an der Lösung des Konflikts beteiligen.
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