Von Januar an kosten die Mittagsgerichte bis zu zehn Prozent mehr. Bezirke wollen Kosten teilweise übernehmen

Höhere Steuer macht das Schulessen teurer

Martin Klesmann
3 Min

Weil der Staat mehr Steuern einnehmen will, werden im neuen Jahr die Kosten für die Schulspeisung steigen. Mehrere Catering-Firmen in Berlin haben gestern angekündigt, ihre Essenspreise deutlich anzuheben.Grund für die Preissteigerung ist eine Verfügung des Bundesfinanzministeriums von Mitte Oktober. Demnach werden ab Jahresbeginn 2009 auch Produktion und Lieferung der Schulspeisung mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert - bisher waren nur sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. "Dadurch wird unser Essen um 15 bis 20 Cent pro Tag teurer werden", sagte gestern Wolfgang Bischoff, Geschäftsführer der Sunshine Catering GmbH, die rund 150 Schulen und Kitas in Berlin und Brandenburg mit täglich 20 000 Essen beliefert. "Diese zusätzlichen Kosten werden wir ab Januar weitergeben", sagte Bischoff. "Auch wir rechnen mit einer Kostensteigerung von täglich 17 Cent und geben diese weiter", kündigte Marco Ewert, Geschäftsführer der Gastronomischen Versorgungsleistung Gesellschaft (GVL), an. Sein Betrieb versorgt 180 Schulen und Kitas in Berlin und Brandenburg. In den Verträgen mit den Bezirken sei geregelt, dass Anbieter bei Steuererhöhungen ihre Preise anheben könnten. Ein Schulessen kostet in Berlin um die zwei Euro - das Land gibt zudem einen Zuschuss. Rechnet man den heraus, ergibt sich eine Kostensteigerung von nahezu zehn Prozent.Geschäftsführer Bischoff räumte ein, dass eine Preiserhöhung vor allem Geringverdiener und Hartz-IV-Eltern treffen würde. "Das sind gut vier Euro pro Monat", so Bischoff. Bei mehreren Kindern summiere sich das.Zunächst werden wohl die Bezirke die entstehenden Mehrkosten übernehmen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat sich nach Informationen der Berliner Zeitung bereits dazu bereit erklärt - auf die Bezirke insgesamt kommen jährliche Zusatzkosten von mehr als zwei Millionen Euro zu. Doch bei neuen Verträgen, so schätzen Experten, würden diese Kosten an die Eltern weitergereicht. Die Essensanbieter weisen darauf hin, dass Oberschüler die Schulspeisung ja teilweise selbst bezahlen. An einem Berliner Gymnasium sind die Essenkosten bereits erhöht worden. Dort kostet das Essen, wie Eltern berichten, nun 2,72 Euro statt 2,49 Euro. Eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern hat sich über den Preisanstieg beklagt. Viele Bezirke wollen die Mehrwertsteuererhöhung für die Schulspeisung dennoch offenbar klaglos hinnehmen.Marzahn-Hellersdorf jedoch versucht es mit einem rechtlichen Kniff: Dort will man nun zwei separate Verträge mit dem jeweiligen Essensanbieter machen - einen für Produktion und Lieferung sowie einen für den Service vor Ort. Auf diese Weise würden für die Herstellung weiter nur sieben Prozent Mehrwertsteuer anfallen.Kleinere Essensanbieter fürchten, dass ansonsten nur die großen Anbieter überleben werden.

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