BERLIN, 11. Februar. Die Rosenthaler Vorstadt liegt zwischen Prenzlauer Berg, Wedding und Mitte also eigentlich richtig zentral, aber das hektische Leben in den drei Stadtbezirken scheint an dem Gebiet zwischen Ackerstraße und Arkonaplatz vorbeizurauschen. Während wenige hundert Meter entfernt sich die Spandauer Vorstadt zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelte, blieb in der Rosenthaler Vorstadt lange Zeit alles beim Alten. "Die Touristen und die Aufbruchstimmung sind bis hierher noch nicht gekommen", beklagt sich eine Buchhändlerin an der Anklamer Straße. Das Geschäft laufe zäh und man denke über einen Standortwechsel nach.Der etwas abgeschiedene Charakter kommt dafür der Wohnqualität zugute. Abgesehen von der Brunnenstraße gibt es kaum Verkehr. Viele kleine Cafés und Kneipen haben in den vergangenen zwei Jahren neu eröffnet, und wem das nicht reicht, der kann zu Fuß leicht die angesagten Gegenden in Mitte und Prenzlauer Berg erreichen.Rosengarten geplantSeit 1994 ist der Stadtteil zwischen Rosenthaler Platz und Bernauerstraße westlich und ab Veteranenstraße Richtung Wedding auch östlich der Brunnenstraße Sanierungsgebiet. Etwa ein Drittel des Bestandes ist saniert. Die größten Fortschritte sieht man in der Ackerstraße südlich der Torstraße. Hier entwickelte sich in den letzten Jahren ein neuer Standort für Antiquariate. In unmittelbarer Nähe sorgt der Supermarkt in der historischen Ackerhalle für eine zusätzliche Einkaufsmöglichkeit. Gegenüber wartet die denkmalgeschützte Ruine der St. Elisabethkirche dagegen immer noch auf eine neue Nutzung. Konkreter sind die Pläne für den kleinen Park, der die Kirche umgibt. Er gehört zu den wenigen Grünflächen des Stadtteils und soll mit Landesmitteln zum öffentlich zugänglichen "Rosengarten" hergerichtet werden. Ansonsten bietet der Volksgarten am Weinberg vor allem im Sommer eine beliebte grüne Liegefläche mit etwas Ausblick.Insgesamt kommt die Entwicklung der Infrastruktur aber langsamer voran als die Sanierungsarbeiten an den Gründer- und Vorgründerzeithäusern. "Die öffentlichen Einrichtungen sind in einem jämmerlichen Zustand", sagt Detlef Wagner von der Sanierungsverwaltungsstelle.Die angespannte Haushaltslage hemmt die Fortschritte. Ein Antrag für die Bewilligung von EU-Mitteln für regionale Strukturförderung wird in Brüssel bearbeitet. Bis die Genehmigung vorliegt, wird sich wohl wenig am Ladenleerstand auf der Brunnenstraße ändern.Ganz anders stellt sich dagegen der Kiez Sonntagmorgens auf dem Arkonaplatz dar: Viele Besucher des kleinen Flohmarktes kennen sich untereinander. Während die Erwachsenen beim dampfenden Kaffee aus dem Plastikbecher schwatzen, spielen nebenan die Kinder. Die Veranstaltung ist mehr ein vertrauter Kiez-Treff als ein Marktplatz. Viele kamen erst mit dem Bevölkerungsaustausch nach der Wende: Familien zogen an den grünen Stadtrand, während vorwiegend junges Publikum in den freiwerdenden preiswerten Wohnungen eine zentrumsnahe Wohnlage fand.Gerade der Arkonaplatz gehört zu den begehrten Gegenden, obgleich hier einige der privat finanzierten Sanierungen hinsichtlich der Sozialverträglichkeit Missfallen erregen. "Außerhalb des Sanierungsgebietes wurden die Modernisierungen meist aggressiver durchgeführt", sagt Rainer Temme vom Koordinationsbüro zur Unterstützung der Stadterneuerung. Im Bezirksamt wird deshalb gerade geprüft, ob neben dem Sanierungsgebiet Rosenthaler Vorstadt das Gebiet zwischen Arkonaplatz und Bezirksgrenze in die Verordnung zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart einbezogen werden soll.INFRASTRUKTUR Komfortable Lage // Nachtleben: Wer in der Rosenthaler Vorstadt ausgehen will, muss die Lokale zunächst suchen großflächige Gastronomie gibt es nicht. Allerdings ist das rege Nachtleben rund um die Kastanienallee und in der Spandauer Vorstadt leicht zu erreichen.Lebensmittel: Einige Bäcker und kleine Gemüseläden gibt es in den Seitenstraßen. Für den Großeinkauf eignet sich der Supermarkt im historischen Ambiente der Ackerhallen an der Invalidenstraße. Der Wochenmarkt an der Veteranen-/Ecke Brunnenstraße pausiert wegen Bauarbeiten noch bis etwa April.Verkehr: Die Anbindung des zentral gelegenen Viertels ist ausgezeichnet: Die U 8 hat Haltestellen an der Rosenthaler und der Brunnenstraße, drei Tram-Linien führen am nahen Nordbahnhof vorbei, von dort geht es mit der S-Bahn weiter. Entlang der Bernauer Straße verkehren auch Buslinien.Park: Der Volkspark am Weinberg ist abgesehen von Friedhöfen die einzige Grünanlage weit und breit. Die leicht abschüssige Wiese bietet aber genügend Platz und ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt.
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