Die Ölpreise sind am Montag vor der erwarteten Ankündigung neuer US-Sanktionen gegen den Iran deutlich gesunken. Die Nordseesorte Brent verlor im frühen Handel 1,3 Prozent und kostete 93,16 US-Dollar je Barrel, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die US-Sorte WTI fiel um 1,6 Prozent auf 85,70 US-Dollar je Barrel.
Beide Sorten hatten in der Vorwoche jeweils um mehr als fünf Prozent zugelegt, nachdem die Gespräche zwischen den USA und dem Iran ins Stocken geraten waren. Die Straße von Hormus, durch die zuvor rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen lief, bleibt weiterhin nur eingeschränkt passierbar.
Verkehr durch Hormus auf Tiefstand
Am Wochenende kam der Güterverkehr durch die Meerenge nahezu zum Erliegen. Nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler passierten am Sonntag nur vier Handelsschiffe die Passage zwischen Iran und Oman, am Samstag waren es 13, am Freitag 16. Das berichtete Reuters am Montag unter Berufung auf vorläufige Kpler-Zahlen. Die Werte könnten sich noch ändern, da einige Schiffe ihre Transponder während der Durchfahrt abgeschaltet hätten.
Nach einem Bericht der britischen Marinebehörde UKMTO verließen in der Woche bis zum 21. August 89 Schiffe die Meerenge, 103 liefen ein. Der über das automatische Identifikationssystem AIS erfasste Verkehr liege damit rund 90 Prozent unter dem Niveau vor Kriegsbeginn.
Zahlreiche Schiffe hätten geplante Passagen abgebrochen oder auf Routen im nördlichen Teil der Meerenge ausweichen müssen, nachdem es zu Angriffen gekommen sei. Seit dem 6. Juli registrierte die UKMTO 23 Zwischenfälle mit Einschlägen von Geschossen, die zu Schäden an Schiffen führten.
Tanker machten laut UKMTO 45 Prozent des Verkehrs aus. Davon entfielen 56 Prozent auf Schiffe mit Rohöl, Ölprodukten oder Chemikalien, weitere 24 Prozent auf Gastanker für Flüssiggas.
Bessent kündigt harte Sanktionen an
US-Finanzminister Scott Bessent will laut Reuters an diesem Montag auf einer Pressekonferenz weitere Strafmaßnahmen gegen Teheran vorstellen. Er hatte zuvor angekündigt, die „härtesten Sanktionen der Geschichte“ zu verhängen. US-Präsident Donald Trump drohte zudem mit Sanktionen gegen Handelspartner des Iran.
Vivek Dhar, Rohstoffanalyst der australischen Großbank Commonwealth Bank of Australia, sagte laut Reuters, es sei unklar, ob die US-Politik zur wirtschaftlichen Isolierung des Iran wirken werde. Sollten die Maßnahmen greifen, wachse jedoch das Risiko einer gewaltsamen Reaktion Teherans.
Zwischen Diplomatie und Konfrontation
Der Iran verurteilte die geplanten Sanktionen als Wirtschaftskrieg. Präsident Massud Peseschkian warb nach Angaben von Reuters zugleich für eine diplomatische Lösung. Tony Sycamore, Analyst des Brokerhauses IG Markets, sagte, pragmatischere Teile der iranischen Führung wollten die Lage entschärfen, während andere „bis zum bitteren Ende“ kämpfen wollten.
Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA erlaubte Teheran am Samstag mehreren irakischen Öltankern die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley verwiesen laut Reuters auf einen der stärksten Rückgänge der auf Tankern gelagerten Ölmengen seit Wochen. Auch die Bestände an Land gingen zurück, unter anderem in China.
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