Flüssigerdgas

Vor Importverbot: EU kauft Rekordmenge LNG aus russischer Arktis-Anlage

Die EU-Käufe von russischem Flüssigerdgas erreichten im ersten Halbjahr 2026 offenbar einen Höchststand. Bald soll ein vollständiges Importverbot greifen.

3 Min
Die <a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/eu-saugt-yamal-lng-auf-97-prozent-der-lieferungen-landen-jetzt-in-europa-10029631">Anlage Jamal</a> in der Arktis wird vom russischen Unternehmen Nowatek betrieben.

Die Anlage Jamal in der Arktis wird vom russischen Unternehmen Nowatek betrieben.

© Novatek

Die Europäische Union hat im ersten Halbjahr 2026 so viel Flüssigerdgas (LNG) aus Russlands wichtigster Exportanlage Jamal bezogen wie nie zuvor – wenige Monate vor Inkrafttreten des vollständigen EU-Importverbots für russisches Gas.

Die EU-Staaten importierten von Januar bis Juni rund 9,89 Millionen Tonnen LNG aus der sibirischen Anlage Jamal, wie aus Daten des Analyseunternehmens Kpler hervorgeht, über die die Financial Times berichtet. Das seien 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Urgewald zahlte die EU dafür schätzungsweise bis zu sechs Milliarden Euro.

Nach Daten des Fachdienstes Tradewinds, der sich ebenfalls auf Urgewald und Kpler stützt, gingen 136 von insgesamt 140 Ladungen aus Jamal in EU-Häfen. Damit habe die EU im Schnitt alle 1,3 Tage eine Lieferung erhalten. Die verbleibenden vier Ladungen wurden nach China verschifft. Lieferungen nach Asien seien im Vergleich zum Vorjahr um 74 bis 84 Prozent eingebrochen.

Frankreich, Belgien und Spanien größte Abnehmer

Hauptabnehmer waren laut Kpler Frankreich mit 3,74 Millionen Tonnen, Belgien mit 2,7 Millionen Tonnen und Spanien mit 2,5 Millionen Tonnen. Weitere Ladungen gingen in die Niederlande und nach Portugal. Wichtigste Anlandeterminals waren Zeebrügge, Dünkirchen und Montoir.

Die Anlage Jamal wird vom russischen Unternehmen Nowatek betrieben, an dem auch der französische Konzern TotalEnergies und die chinesische CNPC beteiligt sind. Betrieben wird die Anlage mit einer kleinen Flotte spezialisierter Eisklasse-Tanker vom Typ Arc7, die auf europäische Häfen und europäische Werften – etwa in Brest in Frankreich und bei Fayard in Dänemark – für Reparaturen angewiesen ist.

Importverbot für russisches Gas ab 2027

Im Januar 2026 hatte der Rat der EU eine Verordnung verabschiedet, die Einfuhren von russischem LNG und Pipelinegas ab dem 18. März 2026 grundsätzlich untersagt. Für bestehende Verträge gelten Übergangsfristen, ein vollständiges Verbot langfristiger LNG-Lieferverträge greift zum 1. Januar 2027, wie aus Angaben des Europäischen Rates hervorgeht. Pipelinegas soll später im Jahr 2027 komplett verboten werden.

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Sebastian Rötters, Sanktionsexperte bei Urgewald, nannte die Zahlen lautFinancial Times „stark“. Sie fielen in eine Zeit verstärkter russischer Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur. „Jamal LNG ist auf eine kleine, spezialisierte Flotte, europäische Häfen und europäische Dienstleistungen angewiesen, um die Ausfuhren am Laufen zu halten. Europa stellt weiterhin alle drei zur Verfügung“, sagte Rötters.

TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné hatte im Februar erklärt, der Konzern könnte gezwungen sein, Gaslieferungen aus dem Projekt insgesamt einzustellen. Er verwies auf „Ambiguitäten“ im EU-Verbot.

Der russische Anteil an den gesamten EU-Gasimporten lag im Jahr 2025 nach Angaben des Europäischen Rates bei rund zwölf Prozent, bei Pipelinegas allein bei etwa sechs Prozent – nach rund 40 Prozent im Jahr 2021.

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