Ozeane

Vorbereitung auf Unterwasser-Krieg? China kartiert offenbar systematisch Meeresböden weltweit

Chinesische Forschungsschiffe sammeln Berichten zufolge Daten über strategisch wichtige Unterwasserlandschaften. Militärexperten sehen darin eine Vorbereitung auf einen möglichen U-Boot-Krieg.

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Das chinesische Forschungsschiff Dong Fang Hong 3 im Jahr 2024

Das chinesische Forschungsschiff Dong Fang Hong 3 im Jahr 2024

© Liang Xu/imago

Dutzende chinesische Forschungsschiffe vermessen nach Recherchen von Reuters und CNN systematisch den Meeresboden in strategisch relevanten Regionen des Pazifiks, des Indischen Ozeans und der Arktis. Die gesammelten Daten dienen nach Einschätzung von neun Marineexperten nicht nur zivilen Zwecken, sondern liefern Peking ein detailliertes Bild der Unterwasserbedingungen, die für U-Boot-Operationen und deren Abwehr entscheidend wären.

Reuters wertete demnach über fünf Jahre hinweg die Bewegungsdaten von 42 Forschungsschiffen aus, die mithilfe der neuseeländischen Tracking-Plattform Starboard Maritime Intelligence erfasst wurden. Mindestens acht dieser Schiffe haben den Ergebnissen zufolge nachweislich Meeresbodenkartierungen durchgeführt, zehn weitere führten entsprechende Ausrüstung mit.

Das Forschungsschiff „Dong Fang Hong 3“ der Ocean University of China etwa befuhr in den Jahren 2024 und 2025 wiederholt Gewässer nahe Taiwan, dem US-Stützpunkt Guam sowie strategische Abschnitte des Indischen Ozeans. Die Universität erklärte, es handele sich um Sedimentuntersuchungen und Klimaforschung. Wissenschaftliche Publikationen der Universität belegen jedoch dem Bericht zufolge auch umfangreiche Tiefseekartierungen.

US-Kommandeur sieht „strategisches Problem“

Konteradmiral Mike Brookes, Kommandeur des US-Marinegeheimdienstes, erklärte vor einer Kongresskommission, China habe seine Vermessungsaktivitäten drastisch ausgeweitet. Die gewonnenen Daten ermöglichten „U-Boot-Navigation, Tarnung und die Positionierung von Unterwassersensoren oder -waffen“. Die mögliche militärische Nachrichtengewinnung durch chinesische Forschungsschiffe stelle „ein strategisches Problem“ dar.

Jennifer Parker, Professorin an der University of Western Australia und ehemalige australische U-Boot-Abwehroffizerin, sagte: „Wenn man das schiere Ausmaß betrachtet, ist klar, dass China eine expeditionsfähige Hochsee-Marine aufbauen will, die auch auf U-Boot-Operationen ausgerichtet ist.“

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Parallel zur Kartierung hat China ein umfangreiches Sensornetzwerk aufgebaut. Das Projekt „Transparenter Ozean“, das der Wissenschaftler Wu Lixin von der Ocean University um 2014 vorschlug, erhielt mindestens 85 Millionen US-Dollar von der Provinzregierung Shandong. Hunderte Sensoren, Bojen und Unterwasser-Messanlagen wurden im Pazifik und Indischen Ozean installiert, um Wassertemperatur, Salzgehalt und Strömungen in Echtzeit zu erfassen – Daten, die laut Experten die Sonarleistung optimieren und die Erkennung von U-Booten ermöglichen.

Warum die Daten militärisch relevant sind

Marineexperten erläutern den Berichten zufolge detailliert, warum die gesammelten Informationen für die U-Boot-Kriegsführung von zentraler Bedeutung sind. U-Boote werden in der Regel über die Geräusche aufgespürt, die sie aussenden, oder über Echos von Sonarsignalen. Wie sich diese Schallwellen unter Wasser ausbreiten, hängt jedoch stark von der Beschaffenheit des Meeresbodens ab, erklärte Tom Shugart, ehemaliger US-U-Boot-Kommandant und Experte am Center for a New American Security laut Reuters.

Peter Scott, ehemaliger Chef der australischen U-Boot-Streitkräfte, sagte gegenüber Reuters, die Vermessungsdaten wären „potenziell von unschätzbarem Wert für die Vorbereitung des Gefechtsraums“ chinesischer U-Boote. „Jeder Militär-U-Bootfahrer, der etwas auf sich hält, wird großen Aufwand betreiben, um die Umgebung zu verstehen, in der er operiert.“

Detaillierte Karten des Meeresbodens ermöglichen es U-Booten zudem, ihre Position ohne GPS zu bestimmen – ein entscheidender Vorteil, da GPS-Signale unter Wasser nicht empfangen werden können. Wer die Unterwasserlandschaft kennt, kann sogenannte Sonar-Blindstellen identifizieren – Bereiche, in denen U-Boote schwerer zu entdecken sind.

Schiffe sollen hundertfach Identifikationssystem abgeschaltet haben

Eine separate Recherche von CNN und der Umweltplattform Mongabay ergab zudem, dass acht chinesische Forschungsschiffe, die offiziell für die Erkundung von Tiefsee-Bergbaugebieten eingesetzt werden, nur etwa sechs Prozent ihrer Zeit auf offener See tatsächlich in den ihnen zugewiesenen Explorationsgebieten verbrachten. Mehrere dieser Schiffe schalteten hundertfach ihr vorgeschriebenes Identifikationssystem (AIS) ab.

Chinas Außenministerium ging auf die konkreten Vorwürfe nicht ein, erklärte aber, das Land führe seine Tiefsee-Aktivitäten im Einklang mit dem UN-Seerechtsübereinkommen durch.

Ryan Martinson vom China Maritime Studies Institute der US Naval War College nannte das Ausmaß der chinesischen Meeresforschung „offen gestanden erstaunlich“ und warnte, der bisherige Wissensvorsprung der US-Marine im Unterwasserbereich drohe zu schwinden.

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