Für das Weiße Haus sollten sich, geht es nach den amerikanischen Wählern, nur Heilige und Langeweiler bewerben. Die Kandidaten müssen - wie der laufende Wahlkampf um die Nachfolge Bill Clintons belegt - bibelgläubig, allzeit gesetzestreu und auch sonst von untadeligem Charakter sein. Um ernsthafte Siegchancen zu haben, sollten sie alkoholfreies Bier trinken, Hasch äußerstenfalls paffen ohne zu inhalieren, auf außerehelichen Beischlaf verzichten und einen Hund in der Familie haben. Ein gewählter US-Präsident dagegen muss, geht es nach den amerikanischen Wählern, gleichermaßen verwegen wie verschlagen sein. Er soll amerikanische Wirtschaftsinteressen global durchsetzen und für einen guten Deal keinen Diktator meiden. Eine Fabrik im Sudan zu bombardieren, obwohl diese nichts mit Terrorismus zu tun hatte, sollte ihm keine schlaflosen Nächte bereiten. Ein echter US-Präsident muss, wenn es amerikanischen Interessen dient, seine GIs ohne Skrupel in den Krieg schicken können und einen Hund in der Familie haben. Ein merkwürdiges Volk. Rainer Pörtner
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