Vorkommnisse in der Berliner Kreisliga vor Sportgericht

Hallenser Schmährufe bestraft

Boris Herrmann
3 Min

BERLIN. Wenn man den Aussagen der Spieler von TuS Makkabi II glaubt, dann hätte dieses Spiel gar nicht angepfiffen werden dürfen. Laut Kapitän Vernen Liebermann bekamen er und seine Kollegen vor der Kreisligapartie bei der VSG Altglienicke am 26. September bereits Sätze wie "Dies ist kein Judenstaat" zu hören. Schiedsrichter Klaus Brüning pfiff das Spiel aber an, das antisemitische Gebrüll ging weiter. Beim TuS Makkabi sind sie es gewöhnt, auf Berliner Sportplätzen verunglimpft zu werden, aber was an diesem Tag bei Altglienicke passierte, überstieg alles bisher Gewesene. Laut Aussagen von Makkabi-Spielern waren Sprechchöre wie "Synagogen müssen brennen" und "Ausschwitz ist wieder da" zu hören. Zwölf Minuten vor dem Ende hatten Liebermann und seine Kollegen die Pöbeleien satt und verließen den Platz.Dann passierte erst einmal gar nichts. Erst auf Druck von Makkabis Präsident Tuvia Schlesinger informierte der Berliner Fußball-Verband (BFV) am 2. Oktober die Öffentlichkeit und kündigte ein Sportgerichtsverfahren an. Am Dienstagabend wurde die Partie vor dem Sportgericht des Berliner Fußballverbandes verhandelt. Dabei hatte man den Eindruck, dass beide Parteien verschiedenen Spielen beigewohnt hätten. Das Gericht trifft sich am Freitag erneut. Anfang kommender Woche wird beiden Vereinen das Urteil zugestellt.Laut Liebermann waren die rassistischen Sprüche von 10 bis 15 Personen gekommen, die sich "in, vor und neben der Auswechselbank des VSG Altglienicke aufhielten." Diese Aussagen von Makkabi bestätigt auch ein anonymer Augenzeugenbericht eines Kreisligatrainers, den das Fachblatt Fußballwoche am Montag druckte. Darin heißt es: "Zwei sogenannte Fans kamen von der gegenüberliegenden Seitenlinie zur Tribüne, begrüßten dort die anderen Zuschauer und zündeten eine Rauchbombe (...). Dann stellten sie sich unten zum Platz und riefen Heil H. und Juden raus. Von dem Gruß wurden Bilder von einem jungen Mädchen gemacht, das zwischen den Mitgliedern von Altglienicke saß." Laut dieses Augenzeugen waren die Sprüche über den ganzen Platz zu hören, dennoch habe von den Mitgliedern der VSG Altglienicke niemand auf die Sprüche reagiert. In einer Stellungnahme von Altglienickes Trainerin Kerstin Forchert heißt es zu den Vorwürfen nur: "Es soll eine Äußerung eines uns unbekannten Zuschauers gegeben haben, die weder ich noch der Schiedsrichter hörten."Spiel ohne ZuschauerIn einem anderen Fall hat der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) am Dienstag gehandelt. Nach rassistischen Schmährufen gegen den Abwehrspieler vom FC Sachsen Leipzig, den Nigerianer Adebowale Ogungbure, ist der Oberligist Hallescher FC hart bestraft worden. Der Amateurklub muss sein nächstes Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena II unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Außerdem muss Halle eine Geldstrafe von 2 000 Euro zahlen.Zudem wurde Halle aufgefordert, jegliche Bekundungen seiner Anhänger, die geeignet sind, fremdenfeindliche und rassistische Assoziationen zu schüren, zu unterbinden. In der Begegnung beim FC Sachsen hatten Anhänger von Halle den Nigerianer mit Schmährufen bedacht und ein Urwaldgebrüll angestimmt, immer wenn Ogungbure am Ball war. Rassistisch war es erst recht, wie Anhänger des Halleschen FC im März über den Nigerianer herfielen und beschimpften. Damals war Halle mit 600 Euro Strafe für das Abfackeln von Feuerwerkskörpern davongekommen.

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