Mehrere deutsche Autowerke kämpfen 2026 mit schwacher Auslastung und drohenden Schließungen. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller auf den europäischen Markt. VW-Konzernchef Oliver Blume hat zuletzt neue Zweifel an der Zukunft mehrerer Standorte gesät.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter setzt dagegen auf einen Vorschlag, der die übliche Logik umdreht: Chinesische Autobauer sollen nicht durch hohe Zölle ferngehalten, sondern durch genau diese Zölle zur Zusammenarbeit mit deutschen Herstellern wie VW gedrängt werden.
Die Drohkulisse um Zwickau
Wie ernst die Lage ist, zeigen Blumes eigene Zahlen. Nach Informationen von Reuters könnten weltweit bis zu 50.000 Stellen wegfallen, sollte sich nichts ändern. 35.000 davon entfielen auf die Kernmarke VW.
Für die Standorte Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm gibt es für die 2030er-Jahre bislang keine gesicherte Belegung. Ausgerechnet Zwickau: In der Stadt lief zu DDR-Zeiten der Trabant vom Band, bevor VW dort nach der Wende sein Elektro-Werk aufbaute.
Blume betont, Werksschließungen wolle man eigentlich vermeiden, wenn sich klügere Lösungen finden. Als eine solche brachte er ins Spiel, in China entwickelte VW-Modelle künftig in Europa zu fertigen – samt neuer Partnerschaften mit Herstellern aus der Volksrepublik.
Panter will Zölle als Hebel nutzen
Genau hier setzt der SPD-Politiker an. Panter will höhere EU-Zölle auf in China produzierte Autos erheben lassen und sie als Verhandlungshebel einsetzen.
Die Rechnung dahinter: Je teurer der Import, desto attraktiver wird es für chinesische Konzerne, mit europäischen Herstellern gemeinsame Sache zu machen. Ein Gemeinschaftsunternehmen in Sachsen etwa könnte chinesischen Marken helfen, die Zölle zu umgehen und trotzdem in Europa zu verkaufen.
Chinesische Hersteller komplett vom Markt fernzuhalten, hält Panter für unrealistisch. Wer Zugang nach Europa wolle, müsse deshalb auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier mittragen.
Plug-in-Hybride verschärfen die Zollfrage
Auf reine E-Autos aus China erhebt die EU bereits seit Oktober 2024 Sonderzölle, die je nach Hersteller über 45 Prozent erreichen. Plug-in-Hybride blieben davon bisher ausgenommen und zahlten nur den regulären Importzoll von zehn Prozent.
Diese Lücke nutzen die chinesischen Anbieter. BYD wurde im Mai 2026 mit 4290 Neuzulassungen erstmals meistverkaufte PHEV-Marke in Deutschland. Rund 70 Prozent aller BYD-Zulassungen entfielen zuletzt auf Plug-in-Hybride.
Damit dürfte bald Schluss sein. Laut Handelsblatt bereitet die EU-Kommission zusätzliche Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride vor, die je nach Hersteller bis zu 38 Prozent betragen könnten.
Panters Vorstoß trifft damit einen ohnehin heißen Moment. Ob deutsche Werke tatsächlich bald in China entwickelte Modelle bauen, hängt vor allem davon ab, wie die EU ihre Zollpolitik in den kommenden Monaten ausrichtet.
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