Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verlangt von der Ukraine mehr Bestellungen bei deutschen Rüstungsunternehmen. Im Podcast „Ronzheimer.“ von Bild-Vize Paul Ronzheimer sagte Wadephul, Deutschland sei mittlerweile der stärkste finanzielle wie auch militärischer Unterstützer der Ukraine. Davon müsse nun auch die deutsche Verteidigungsindustrie profitieren. Er habe das Thema bereits bei seinem jüngsten Besuch in Kiew direkt mit Präsident Wolodymyr Selenskyj besprochen, so Wadephul weiter.
Konkrete Zahlen oder Namen einzelner Firmen nannte der CDU-Minister nicht. Aus Kiew lag zu den Aussagen zunächst ebenfalls keine Reaktion vor. Zugleich ist der Vorstoß politisch bemerkenswert. Zwischen Berlin und Kiew zeichnet sich damit ein kleiner Zwist über die Frage ab, was die Ukraine mit der umfangreichen deutschen Unterstützung macht. Wadephul verbindet die weitere Hilfe zunehmend mit der Erwartung, dass davon auch die deutsche Rüstungsindustrie profitiert. Das dürfte in Kiew nicht ohne Weiteres auf Begeisterung stoßen – zumal die Ukraine ihre eigene Waffenproduktion massiv ausbaut und versucht, internationale Investoren und Partner für ihre Rüstungsindustrie zu gewinnen.
Ukraine-Politik: CDU steht unter Druck
Wadephul selbst hatte bei früheren Kiew-Reisen einen ukrainefreundlicheren Ton angeschlagen. Bei seinem Antrittsbesuch im Juni 2025 sprach er von einer Partnerschaft auf Augenhöhe. „Unsere Rüstungszusammenarbeit ist ein echter Trumpf“, sagte er damals neben seinem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha. Man könne „beiderseits davon profitieren“, so Wadephul, „mit eurem Ideenreichtum und euren Erfahrungen werden auch wir besser.“
Bei seinem vierten Kiew-Besuch im August versicherte er, man werde „felsenfest an der Seite der Ukraine stehen“, die Unterstützung Kiews sei „die wichtigste Aufgabe unserer Außen- und Sicherheitspolitik“. Auch bei diesem Besuch betonte Wadephul die deutsche Unterstützung für die Ukraine.
Hinzu kommt der innenpolitische Druck auf Wadephul und die Bundesregierung. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag stürzte die CDU auf 17 Prozent ab. Die AfD wurde mit 43 Prozent mit großem Abstand stärkste Kraft. Die CDU verlor zudem sämtliche 41 Direktmandate; die AfD gewann 38 davon.
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Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt erhöht auch den Druck, die Kosten und den konkreten Nutzen der Ukraine-Hilfe gegenüber den eigenen Wählern zu erklären. Wadephul argumentiert nun, dass Deutschland als größter Unterstützer der Ukraine nicht nur militärisch und finanziell helfen, sondern auch stärker von den daraus entstehenden Rüstungsaufträgen profitieren sollte.
Dass der Ton nun rauer wird, dürfte deshalb auch mit der Debatte über den Bundeshaushalt und die Kosten der Ukraine-Hilfe in Deutschland zusammenhängen, wo Wadephul erklärtermaßen auch gegenüber den eigenen Steuerzahlern nun begründen will, wofür das Geld in die Ukraine eigentlich fließt.
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