WAL-KONFERENZ - Ab diesem Montag berät die Internationale Walfangkommission in Berlin. Es geht um den stärkeren Schutz der Meeressäuger. Jedes Jahr sterben 300 000 Tiere.

Das Verbot ist gut. Kontrollen wären besser

Kerstin Krupp
4 Min

BERLIN, 15. Juni. Joji Morishita hat wenig Grund, sich auf die kommenden vier Tage zu freuen. Ab diesem Montag tagt in Berlin die Internationale Walfangkommission (IWC). Dann wird sich Japan einmal mehr des Images als Heimat rücksichtsloser Harpuniere erwehren müssen. Neben Norwegen ist der asiatische Inselstaat die einzige Nation, die Walfangflotten betreibt.Morishita, der in der japanischen Regierung für Hochseefischerei zuständig ist, wirbt um Verständnis für die Walfänger. In der japanischen Botschaft erzählt Morishita von kulturellen Unterschieden und der Tradition des Walfangs in seiner Heimat. Als Geschenk erhält jeder Zuhörer das Buch "Die Wale und die Japaner". Farbfotos aufgeschnittener Walmägen zeigen, was so ein Riese unter anderem verschlingt: Fisch. Aus japanischer Sicht macht das den Wal zum Konkurrenten um die maritime Nahrungsquelle. Ein Argument mehr für die Jagd. Bemühungen von IWC-Mitgliedsländern wie den USA, Deutschland oder Australien, den Schutz der Meeressäuger zu verstärken, stoßen auf Morishitas Unverständnis.Die Fronten sind verhärtet. Befürworter und Gegner des Walfangs stehen sich unversöhnlich gegenüber. "Seit Jahren hat sich in der IWC nichts mehr bewegt", sagt der Leiter der deutschen Verhandlungsgruppe, Peter Bradhering. Japan, das für angebliche Forschungszwecke hunderte Wale im Jahr fängt, möchte, dass das seit 1986 geltende Moratorium für den kommerziellen Walfang aufgehoben wird. Doch so zerstritten die Parteien sein mögen, eines haben sie gemein: Sie sind mit der aktuellen Lösung unzufrieden. Das Moratorium, das zum Schutz der nahezu ausgerotteten Großwale verhängt wurde, erfüllt seinen Zweck nicht. Zum einen lässt das Schlupfloch des wissenschaftlichen Walfangs eine unbegrenzte Jagd zu. Zum anderen verenden unabhängig vom Fangverbot jedes Jahr bis zu 300 000 Wale und Delfine als Beifang in Fischernetzen, stellte Andrew Read, Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der IWC, fest. "Mehrere Arten werden aussterben, wenn nichts getan wird", schätzt der Meeresbiologe. Allein vor der deutschen Nordseeküste verenden jedes Jahr 7 500 Schweinswale in den Stellnetzen der Fischer. "Die IWC muss sich diesen Problemen stellen und eine schlagkräftigere Organisation werden", fordert Peter Prokosch vom World Wide Fund for Nature (WWF). Wenn die Regierungen den Walfang unter internationale Kontrolle gebracht und ein auf dem Schutz der Tiere basierendes Bewirtschaftungssystem aufgebaut haben, wäre eine Aufhebung des Verbots aus Sicht des WWF denkbar. An Vorschlägen mangelt es nicht. Die IWC-Länder haben sich 1994 auf ein Jagdkonzept geeinigt, das die Bestände nicht gefährden würde. Dabei handelt es sich im Grund um ein mathematisches Modell (Revised Management Procedure), mit dem Fangquoten errechnet werden können. Dieses Modell ist aber nur ein Baustein des Bewirtschaftungsplanes (Revised Management Schemes), um den die Mitgliedsländer seit Jahren zanken.Die Idee scheint einfach: Das Moratorium wird aufgehoben und es werden Fangquoten ausgegeben, die sich nach der Gefährdung einzelne Arten richten. Auf jedem Fangschiff sollen internationale Kontrolleure mitfahren und mit DNA-Tests soll geprüft werden, ob nur erlaubte Wale getötet werden. Schon hier stellt sich Japan quer. Uneinig sind sich beide Blöcke vor allem aber über die Berechnung der Quoten. Walschützer bestehen darauf, dass bei der Berechnung alle getöteten Tiere einbezogen werden. "Nicht nur die gejagten, auch die wissenschaftlich getöteten Tiere und der Beifang müssten berücksichtigt werden", sagt Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger. Die Fangquoten lägen dann auf Jahre bei null. Die Fangnationen lehnen daher ab. Ein Vorstoß von 19 Mitgliedsländern, darunter Deutschland, soll die Situation entspannen. Ihre "Berliner Initiative" schlägt die Schaffung eines Ausschusses vor, der sich mit der Bedrohung der Wale durch Umweltverschmutzung, Lärm und Beifang beschäftigt. Joji Morishita hat bereits klar gemacht, was Japan von dieser Initiative hält: "Hinter den Schutzbemühungen versteckt sich nur der Versuch, die Nutzung von Walfleisch zu beenden."Vernichtung im Ozean // Bis zum Walfangverbot im Jahr 1986 wurden jährlich Zehntausende Wale geschossen. Inzwischen dürften sich die Populationen ein wenig erholt haben. Dennoch sind die Zahlen über den Bestand nur Schätzungen. 80 Walarten sind durch Jagd und Meeresvergiftung in Gefahr. Besonders bedroht ist der Nordkaper.Japan und Norwegen unterlaufen das Moratorium. Norwegen fühlt sich rechtlich nicht an das Verbot gebunden und hat selbst Quoten für den Fang von Zwergwalen festgelegt (700 Stück in diesem Jahr). Auch Tokios Flotten jagen zurzeit unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Forschung etwa 700 Tiere jährlich - nach Angaben von Greenpeace sollen es fast tausend sein. Dabei handelt es sich vor allem um Minkwale, aber auch Pottwale und Seiwale werden gefangen. Das Fleisch landet auf Japans Fischmärkten. Island hat angekündigt, demnächst ebenfalls Wale zu Forschungszwecken zu jagen.BLZ/ANJA KÜHL Bedrohte Wale.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Greenpeaceprotest mit Zwergwal am Fernsehturm.GREENPEACE/RALF KIEFNER Buckelwalkuh mit Kalb. Die Art ist streng geschützt - gefangen wurde sie, weil sie ein edles Öl liefert. Dieser Wal kann 15 Meter lang und 30 Tonnen schwer werden.

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