Reisehinweise

Waldbrände in Frankreich und Spanien: Was Urlauber jetzt wissen müssen

Die französischen Behörden bitten Reisende, ihre Pläne für den Südwesten zu ändern. Das Auswärtige Amt meldet gesperrte Straßen und Bahnstrecken, in Spanien gilt der Notstand in Madrid und Ávila.

7 Min
Flammen zerstören Autos und Grundstücke in Lège-Cap-Ferret. Die Gemeinde in der Gironde wurde evakuiert.

Flammen zerstören Autos und Grundstücke in Lège-Cap-Ferret. Die Gemeinde in der Gironde wurde evakuiert.

© Photo Fabien Cottereau/imago

Die französischen Behörden raten Urlaubern angesichts der gewaltigen Waldbrände davon ab, in die Gironde zu reisen. Wer bereits in dem Département im Südwesten Frankreichs Urlaub macht, soll nach Möglichkeit über ein anderes Reiseziel nachdenken. Die Empfehlung gilt, solange das Feuer nicht eingegrenzt ist.

„Angesichts der Lage fordere ich Touristen mit Blick auf die bevorstehenden Augustferien nachdrücklich auf, nicht in die Gironde zu kommen“, sagte Präfektin Sophie Brocas am Sonntag. Auch bereits angereiste Urlauber sollten eine andere Destination erwägen. Die Gironde mit Bordeaux, dem Bassin d’Arcachon und der Halbinsel Cap Ferret gehört im Sommer zu den beliebtesten Ferienregionen an der französischen Atlantikküste.

Die Warnung trifft die Region unmittelbar vor Beginn der Hauptreisezeit im August. Campingplätze und Ferienunterkünfte wurden geräumt, Kinderferienlager und Reisen für Menschen mit Behinderungen vorerst ausgesetzt. Evakuierte dürfen nach Angaben der Präfektur nicht zurückkehren, solange der Brand nicht als eingegrenzt gilt.

Waldbrand steht nur noch 15 Kilometer vor Bordeaux

Der Großbrand in der Gironde hat seit Mittwoch rund 42.000 Hektar erfasst. Etwa 220.000 Menschen mussten ihre Häuser, Ferienwohnungen oder Campingplätze verlassen. Die Flammen stehen inzwischen rund 15 Kilometer vor den Zufahrten zum Ballungsraum Bordeaux. Die Stadt selbst wird bislang nicht evakuiert.

In der Nacht zum Montag breitete sich das Feuer nach Angaben der Präfektur nicht wesentlich weiter aus. Entwarnung bedeutet das nicht. Ab Dienstag sollen die Temperaturen wieder deutlich steigen. Für den Raum Bordeaux werden im Laufe der Woche bis zu 37 Grad erwartet, örtlich könnten die Werte nahe 40 Grad liegen. Die Feuerwehr versucht deshalb, die Brandlinien vor der nächsten Hitzewelle zu sichern.

Das Feuer hat mehr als 240 Häuser beschädigt. 84 Feuerwehrleute wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Unter der Bevölkerung wurden in der Gironde bislang keine Todesopfer gemeldet.

Auswärtiges Amt meldet höchste Warnstufe

Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für Frankreich aktualisiert. In der Gironde gilt demnach die höchste französische Waldbrandwarnstufe „Vigilance noire“, Stufe fünf von fünf. Betroffen sind vor allem die Départements Gironde und Landes an der Atlantikküste. Das Amt verweist auf erhebliche Rauchentwicklung, Evakuierungen sowie gesperrte Straßen und unterbrochene Bahnverbindungen südlich von Bordeaux.

Eine formelle Reisewarnung für ganz Frankreich besteht nicht. Die örtliche Aufforderung, vorerst nicht in die Gironde zu reisen, geht jedoch deutlich über eine allgemeine Vorsichtsempfehlung hinaus. Betroffen sind insbesondere Reisen nach Cap Ferret, an das Bassin d’Arcachon sowie in Teile der Landes rund um Biscarrosse.

Das Auswärtige Amt rät Reisenden, ihre Mobiltelefone eingeschaltet und vollständig geladen mitzuführen. Evakuierungsaufforderungen werden in Frankreich über das System FR-Alert direkt an Handys im betroffenen Gebiet gesendet. Wer sich dort aufhält, sollte sich zudem in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts eintragen und die Anweisungen der örtlichen Behörden befolgen. Die europäische Notrufnummer lautet 112.

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Freiwillige löschen Glutnester in Le Porge westlich von Bordeaux, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern.

Freiwillige löschen Glutnester in Le Porge westlich von Bordeaux, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern.

© Albert Llop/imago

A63 gesperrt, Bahnstrecke nach Arcachon unterbrochen

Auch die Anreise ist erheblich beeinträchtigt. Die Autobahn A63 zwischen Bordeaux und dem französischen Baskenland war am Montagmorgen abschnittsweise gesperrt. Betroffen waren Strecken rund um Cestas, Marcheprime und Liposthey. Autofahrer zwischen Bordeaux und Spanien wurden über die A64, die A65 und die A62 umgeleitet. Da sich Sperrungen kurzfristig ändern können, sollten Reisende unmittelbar vor der Abfahrt die Verkehrslage beim französischen Verkehrsdienst Bison Futé prüfen.

Die Bahnstrecke zwischen Bordeaux und Arcachon wurde wegen des Feuers unterbrochen. Auch auf weiteren Verbindungen südlich von Bordeaux kann es zu Ausfällen kommen. Fahrgäste sollten vor der Abreise die Verbindung bei der französischen Bahn SNCF kontrollieren und nicht darauf vertrauen, dass ein bereits gebuchter Zug fährt.

Der Flughafen Bordeaux-Mérignac bleibt nach Angaben des Betreibers in Betrieb. Reisende sollten dennoch den Status ihres Fluges prüfen. Der Flughafen wird auch für die Unterstützung der Löscheinsätze genutzt, während sich Feuer und Rauch bis in die Umgebung von Mérignac ausgebreitet haben.

Ein zerstörtes Grundstück in Le Porge westlich von Bordeaux. Der Waldbrand vernichtete Häuser, Fahrzeuge und große Waldflächen.

Ein zerstörtes Grundstück in Le Porge westlich von Bordeaux. Der Waldbrand vernichtete Häuser, Fahrzeuge und große Waldflächen.

© Albert Llop/imago

Spanien: Notstand bei Madrid und Ávila

Auch Spanien kämpft weiterhin gegen mehrere Großbrände. Rund 76.000 Menschen wurden nach Angaben der Regierung evakuiert, weitere 30.000 sollten wegen des Feuers und der Rauchentwicklung in Gebäuden bleiben. Die Behörden haben für Madrid und Ávila den Notstand ausgerufen. Eine pauschale Reisewarnung für Spanien besteht jedoch ebenfalls nicht.

Besonders betroffen sind Gebiete westlich von Madrid sowie Teile der Provinzen Ávila und Toledo. Hinzu kommt ein Großbrand in der Provinz Castellón nördlich von Valencia. Die Feuer liegen damit nicht in den Stadtzentren von Madrid oder Valencia, können aber Ausflüge, Rundreisen und Fahrten in das jeweilige Umland verhindern.

Die spanische Verkehrsbehörde DGT führte am Montagmorgen Dutzende wegen der Brände gesperrte Straßen auf. Dazu gehören die N-403 zwischen Madrid, Toledo und Ávila sowie mehrere Straßen westlich von Madrid, darunter Abschnitte der M-501 und M-507. In Castellón sind unter anderem Straßen rund um La Vall d’Uixó, Eslida, Onda und den Naturpark Sierra de Espadán betroffen.

Das Auswärtige Amt fordert Reisende auf, die Warnungen des spanischen Katastrophenschutzes zu verfolgen. Das System ES-Alert verschickt Notfallmeldungen an Mobiltelefone in der jeweiligen Gefahrenzone. Waldgebiete können abhängig von der Alarmstufe vollständig gesperrt sein. Verboten sein können zudem Lagerfeuer, Feuerwerk und bestimmte elektrische Geräte in ländlichen Gebieten.

Sollten gebuchte Reisen jetzt abgesagt werden?

Urlauber mit einer bevorstehenden Reise in die Gironde sollten zunächst ihren Veranstalter, ihre Unterkunft oder den Campingplatz kontaktieren. Angesichts der ausdrücklichen Aufforderung der Präfektin ist eine Anreise nach Cap Ferret, Arcachon oder in unmittelbar betroffene Gemeinden derzeit kaum sinnvoll. Eine Reise nach Paris, in die Bretagne, ins Elsass oder in andere nicht betroffene Teile Frankreichs wird durch die Brände dagegen nicht automatisch unzumutbar.

Ähnliches gilt für Spanien. Ein Stadturlaub in Madrid oder Valencia ist rechtlich anders zu bewerten als ein Aufenthalt in einem evakuierten Ort westlich von Madrid oder in der Sierra de Espadán. Entscheidend ist immer die konkrete Lage am gebuchten Reiseziel und auf der vorgesehenen Anreiseroute.

Flammen schlagen bei La Adrada in der spanischen Provinz Ávila durch den Wald. Einsatzkräfte kämpften die ganze Nacht gegen den Brand.

Flammen schlagen bei La Adrada in der spanischen Provinz Ávila durch den Wald. Einsatzkräfte kämpften die ganze Nacht gegen den Brand.

© Diego Radames/imago

Bei einer Pauschalreise kann ein kostenloser Rücktritt möglich sein, wenn Waldbrände am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe die Reise erheblich beeinträchtigen. Dazu zählen etwa eine Evakuierung, ein gesperrtes Reisegebiet oder eine nicht erreichbare Unterkunft. Eine formelle Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist nach Angaben der Verbraucherzentrale ein wichtiges Indiz, aber keine zwingende Voraussetzung. Angst vor einem Brand in einem weit entfernten Landesteil reicht dagegen nicht aus.

Wer Flug, Ferienwohnung oder Hotel einzeln gebucht hat, besitzt nicht automatisch ein kostenloses Rücktrittsrecht. Ist eine Unterkunft geöffnet, erreichbar und ohne Gesundheitsgefahr nutzbar, hängt eine Erstattung häufig von der Kulanz des Anbieters ab. Wurde das Hotel dagegen evakuiert oder das Gebiet behördlich gesperrt, kann die vereinbarte Leistung nicht erbracht werden. Bei Direktbuchungen im Ausland kann allerdings französisches oder spanisches Recht gelten.

Wird ein Flug gestrichen, können Passagiere grundsätzlich zwischen einer Erstattung des Ticketpreises und einer Ersatzbeförderung wählen. Eine zusätzliche Ausgleichszahlung ist bei außergewöhnlichen Umständen wie einem Waldbrand in der Regel nicht fällig. Reisende sollten nicht vorschnell selbst stornieren, sondern zunächst eine schriftliche Auskunft des Veranstalters, der Airline oder der Unterkunft einholen und behördliche Warnungen dokumentieren.

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