Wanka: "Wir müssen in der Hochschulpolitik umsteuern"

Wissenschaftsministerin hält Studiengebühren für akzeptabel

Andrea Beyerlein Martin Klesmann
3 Min

POTSDAM. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka möchte die brandenburgische Hochschulpolitik reformieren. "Wir müssen umsteuern", sagte Johanna Wanka der "Berliner Zeitung". "Wenn ich sehe, wo mein Ministerium bei den Haushaltsansätzen steht, dann muss ich sagen, es steht an der falschen Stelle." Es müsse dringend eine Diskussion über die Bedeutung der Wissenschaftspolitik im Land geführt werden, forderte Wanka, die bis zu ihrer Ministerernennung im Oktober Rektorin der Fachhochschule Merseburg (Sachsen-Anhalt) war. Brandenburg ist derzeit das Bundesland, das pro Kopf am wenigsten Geld für seine Hochschulen ausgibt. Jüngstes Beispiel für die angespannte Lage: Der frisch gewählte Präsident der Fachhochschule Brandenburg/Havel, der Schweizer Professor Daniel Escher, will seinen Posten gar nicht erst antreten. Es sei zu wenig Geld da."Die wichtige Rolle der Hochschulen muss sich im Landeshaushalt 2002 endlich angemessen widerspiegeln", sagte Wanka. Ihr Ministerium arbeite zurzeit an einer Kabinettsvorlage, um die Hochschulen des Landes insgesamt überlebensfähig zu machen. "Wir prüfen, Doppelangebote abzubauen oder über Jahre schwach nachgefragte Studiengänge zu schließen - aber nicht ganze Einrichtungen", sagte die 49-Jährige. In Brandenburg gibt es derzeit drei Hochschulen, fünf Fachhochschulen sowie die Potsdamer Filmhochschule "Konrad Wolf". Dem Vernehmen nach wird daran gedacht, die Juristenausbildung von Potsdam an eine andere Universität zu verlagern. Auch eine engere Verbindung der Cottbuser Fachhochschule mit der dortigen Universität wird geprüft. Wanka hält auch das erst vor anderthalb Jahren verabschiedete Landeshochschulgesetz für novellierungsbedürftig. "Dort werden finanzielle und akademische Verantwortung getrennt. Das ist völlig unmöglich", sagte Wanka. "In Brandenburg trägt derzeit der Rektor oder Präsident für die finanzrelevanten Fragen die Verantwortung, akademische Belange aber regelt der Senat."Um den Hochschulen mehr Geld zu sichern, denkt Ministerin Wanka mittelfristig auch über die Einführung von Studiengebühren nach. Noch verbietet das Hochschulgesetz dies aber. "Ich finde es diskutabel, über eine Beteiligung des Einzelnen zu sprechen. Jetzt kann jeder jahrelang auf Kosten des Steuerzahlers studieren", sagte Wanka. Aber es gebe dafür keinen sozialen Ausgleich. "Gebühren sollten aber wirklich den einzelnen Hochschulen zugute kommen, nicht dem Landeshaushalt insgesamt", sagte sie. Kritik übte die Ministerin an der 2001 erstmals fälligen Rückmeldegebühr von 100 Mark pro Student, da diese Summe nicht direkt an die Hochschulen gehe: "Ich bin wirklich kein großer Freund von Studiengebühren."Reformbedarf sieht Ministerin Wanka aber auch in dem anderen Bereich ihres Ressorts, der Kulturpolitik. "Der Theaterverbund von Potsdam, Brandenburg und Frankfurt (Oder) muss sich erst noch bewähren", sagte sie. "Eindeutig sind bereits die Signale von Theatern, die außen vor sind, wie Schwedt und Cottbus: Die sehen große Nachteile für sich." Und diese Einwände seien nicht von der Hand zu weisen.ARIS Ministerin Johanna Wanka

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