Rollenbilder

Herbert Grönemeyer oder Andrew Tate: Wann ist kein Mann ein Mann?

Weil diese Frage kaum noch gestellt wird, geben längst andere die Antworten: Algorithmen, Ideologen und Influencer. Junge Männer zahlen den Preis. Ein Gastbeitrag.

Carl-Victor Wachs
Carl-Victor Wachs
8 Min
Welche Konturen zeichnen den Mann von heute aus. Braucht es diese?

Welche Konturen zeichnen den Mann von heute aus. Braucht es diese?

© Berliner Zeitung am Wochenende

Herbert Grönemeyer fragte 1984: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Die Antwort seines Liedes war eine nüchterne Beschreibung: Männer „weinen heimlich“, ertragen Schmerz, stehen ihren Mann. Der Song war ironisch gemeint. Aber Ironie hat in Deutschland eine seltsame Halbwertszeit. Irgendwann nimmt man sie für bare Münze, und dann ist sie plötzlich keine mehr. Grönemeyers Ironie klingt heute wie eine Anklage – an das Männerbild, an die Gesellschaft, an die Erwartungen, die wir an Männer stellen. Und weil die Anklage immer lauter wurde, hören wir auf, die Frage nach dem guten Mann überhaupt zu stellen.

Werden Sie Teil des Ostablishments.

Sie haben bereits ein O+ Abo?

*