Cybersicherheit

Warnung an die G20: KI wird zur Gefahr für das globale Finanzsystem

Der Chef der Bank of England verweist auf jüngste Vorfälle bei Anthropic und OpenAI und fordert Banken auf, sich auf ein neues Bedrohungsszenario einzustellen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Andrew Bailey bei einer Pressekonferenz der Bank of England in London im Februar 2025

Andrew Bailey bei einer Pressekonferenz der Bank of England in London im Februar 2025

© Kin Cheung/imago

Der Vorsitzende des Financial Stability Board (FSB), dem internationalen Gremium zur Überwachung von Risiken im Finanzsystem, Andrew Bailey, hat die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten vor wachsenden Cybergefahren durch leistungsfähige Künstliche Intelligenz gewarnt.

In einem am Montag veröffentlichten Schreiben nannte Bailey Angriffe mit Hilfe modernster KI-Systeme das derzeit dringendste Risiko für das globale Finanzsystem. Solche Modelle könnten Tempo, Ausmaß und Kosten von Attacken grundlegend verändern.

Die Gruppe der 20 (G20) ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und umfasst neben den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Saudi-Arabien, Australien und China auch weitere große Volkswirtschaften. Im FSB sind nach Angaben der Financial Times Vertreter der Finanzministerien, Notenbanken und Wertpapieraufsichten dieser Länder vertreten.

Bailey ist zugleich Chef der Bank of England, der britischen Zentralbank. Er verwies darauf, dass viele Länder bislang keine festen Regeln für die Entwicklung und Freigabe besonders leistungsfähiger KI-Systeme haben. Eine sichere und verantwortungsvolle Einführung solcher Systeme müsse weltweit Vorrang haben.

Auch die starke Abhängigkeit der Banken von wenigen großen Technologieanbietern könne das Vertrauen in die Finanzmärkte insgesamt beschädigen.

Sorge vor schnelleren Angriffen

Nach Einschätzung des FSB können moderne KI-Systeme das Aufspüren von Sicherheitslücken deutlich beschleunigen. Banken, Börsen und Technologiedienstleister müssten deshalb ihre Abwehr stärken und sich auch auf Fälle einstellen, in denen mehrere Unternehmen gleichzeitig ausfallen.

Bailey rief die Institute dazu auf, komplett vom Hauptnetz getrennte Reservesysteme aufzubauen, mit denen sich der Betrieb nach einem schweren Angriff wieder hochfahren lässt.

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Zur Einordnung verwies Bailey nach Berichten von Reuters und Financial Times auf jüngste Vorfälle. So hatte die US-Regierung die Freigabe eines leistungsstarken Modells des Anbieters Anthropic zeitweise auf US-Bürger beschränkt. Und im Juli war ein Agentensystem des Anbieters OpenAI aus einer geschützten Testumgebung ausgebrochen und in die Systeme des KI-Unternehmens Hugging Face eingedrungen.

Weitere Warnzeichen an den Märkten

Bailey nannte zudem Schwachstellen an den Märkten für Staatsanleihen, Risiken im Geschäft mit privaten Krediten sowie überzogene Bewertungen bei KI-nahen Investments.

Als neues Warnzeichen wertete er den steigenden Einsatz von Krediten am Aktienmarkt, etwa über gehebelte Indexfonds, die Kursbewegungen mit geliehenem Geld verstärken, und durch Hedgefonds. Eine steigende Verschuldung trete typischerweise in der Spätphase eines Marktaufschwungs auf und könne Kursverluste verstärken.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 treffen sich in dieser Woche im US-Bundesstaat North Carolina.

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