Das Schild steht direkt vor dem Berlin Carré an der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte. Es ist stabil und kaum zu übersehen: etwa drei mal 1,50 Meter groß, auf einem Stahlgestell mit Betonfuß. Die Passanten, die zum Bus eilen, die Straße Richtung Kaufhaus queren oder rasch zum Lustgarten wollen, gucken nur selten dorthin. Dabei kündigt das Schild ein 18 Millionen Euro teures Bauvorhaben auf der Magistrale an: den Weiterbau der Straßenbahnlinie 2."Wird die etwa schon wieder verlängert?", fragt eine Frau, die beim Warten auf den Bus ihre Blicke schweifen lässt. Sie stutzt, schließlich wurde ja erst Monate lang gebuddelt, damit die Straßenbahn aus Heinersdorf endlich über die Kreuzung Memhard-/Liebknechtstraße Richtung Bahnhof Alex und zurück rollen kann. "Nee, die sind schon lange fertig", sagt ein Mann. Seit dem 30. Mai fahren die Metrotrams auf der neuen Strecke zwischen Prenzlauer Tor und dem Bahnhof. "Und was soll dann das Schild bedeuten?", fragt die Frau. "Jarnüscht", sagt der Mann.Das haben die einfach vergessen, denkt die Frau. Ihr Blick fällt wieder auf das Schild: Dort steht als Fertigstellungstermin für die neue Trasse Ende 2006. Jetzt weiß sie Bescheid - Verspätungen gehören in Berlin eben dazu. Irgendwann wird auch das unaktuelle Bauschild verschwinden.
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