Wenn Deutschland veraltet, dann muss das Fernsehen mitziehen. Vor allem die prominenten Alten brauchen mehr Sendezeit. Es reicht nicht, wenn Helmut Schmidt gelegentlich bei Sandra Maischberger dampft. Selbstverständlich war es in dieser Woche wieder ein Gala-Auftritt des großen Gehässigen - diesmal gemeinsam mit Richard v. Weizsäcker. Schmidt müsste nichts sagen, ihm nur beim Rauchen im Fernsehen zuzusehen ist schon ein Hochgenuss. Es ist nur eine Fantasie, aber ich glaube sie zu hören: die Stimmen der hysterischen Anti-Raucher, wie sie beim Fernsehen belfern und darüber beinahe vergessen, an ihrem Kleinkarierten weiterzunähen.Helmut Schmidt war der politische Star meiner Oma. Nicht etwa, weil sie von Atomkraft so begeistert war, wie er es noch heute ist. Oder weil sie seine staubtrockenen weltwirtschaftlichen Einlassungen so erhitzt hätten. Auch wenn die "elder statesmen" heute gerne so zu tun, als seien sie gewählt worden, weil sie so irre viel Ahnung hatten: Meine Oma fand Schmidt gutaussehend. Sie mochte seine Stimme und sie hat ihm wahrscheinlich unterstellt, dass er ein guter Tänzer ist.Aber auch die anderen Polit-Ruheständler müssen mehr ins Programm. Wo ist Kohl? Der sich in den legendären ARD-Interviews immer aufführte wie ein ausgehungerter Problembär im Hühnerstall und die Federn der Interviewer Gottlieb und von Haaren fliegen ließ. Zumal er jetzt für den Friedensnobelpreis im Gespräch ist. Es müssen doch einige Höflinge aus der schwarz-gelben Ära übrig sein, die die einzig erlaubte Frage stellen. Nämlich warum Kohl den Preis noch mehr verdient hat als alle Preisträger vor ihm.Und wo ist die Sphinx mit Ohren, der Nasal-Gigant: hoffentlich bekommt Hans-Dietrich Genscher am Wochenende beim FDP-Bundeskongress Motz-Minuten im Fernsehen geschenkt. Schließlich durfte kürzlich erst Liberal-Methusalem Lambsdorff, wieder bei Maischberger, schön schlecht drauf sein.Im Prinzip sagen die Alten: "Die Jüngeren können es nicht so gut, wie wir es konnten". Bei ihnen lässt vielleicht die Sehkraft nach, aber nicht der Durchblick, den sie sich unterstellen. Vor allem gönnen sie sich schlechte Laune, während das junge Ding Angela Merkel sogar die Kartoffelkopfbrüder aus Warschau anlächeln muss. Das Granteln und Miesepetern halten manche für ein Zeichen von Charakter. Ich finde, es ist nur gute Unterhaltung.Jörg Thadeusz moderiert dienstags die Gesprächssendung "Thadeusz" im RBB- Fernsehen und sonnabends die Wissensshow "Die Profis" auf Radio Eins.
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