Die britische Netflix-Miniserie „Adolescence“ ist ein Kunstwerk, das die Grenze zum Zuschauer immer wieder einreißt, ihn einfängt, für das Gesehene zur Verantwortung zieht, ihn auf die Reflexionsebene zurückschiebt, das eigene Sein vergessen lässt, um ihn umso tiefer hineinzustoßen.
Die naturalistische Erzählweise arbeitet mit der Dramaturgie der Wirklichkeit, der Strom der Katastrophe reißt die Wahrnehmung in aller Lakonie und Schutzlosigkeit eins zu eins mit, Ereignisse finden statt, ohne dass die Aufmerksamkeit merkbar gelenkt wird, Mechanismen greifen, Wunden reißen, die Wahrheit sickert ein – es gibt keine Erlösung per Schnitt, keine Heilung per Montage. Man wird vor dem Fernseher ein anderer Mensch. Es klingt traumatisch, aber es steckt ein Trost in diesem Erleben.
Streaming-Kritik
Es gibt kein Entrinnen: Was die Netflix-Serie „Adolescence“ mit dem Zuschauer macht
Der 13-jährige Jamie hat eine Mitschülerin erstochen. Eine herausragende Miniserie in vier Single-Shot-Episoden schiebt sich in die Wirklichkeit vor dem Fernseher. Die Kritik.
5 Min
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Die Kinderpsychologin (Erin Doherty) und Jamie (Owen Cooper)
© Netflix
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