Was Immobilienkäufer angesichts steigender Hypothekenkosten beachten sollten

Die Zinsen gehen nach oben

Ruprecht Hammerschmidt
4 Min

BERLIN. Die Zeit der sehr niedrigen Zinsen für die Finanzierung von Eigenheimen geht zu Ende. Die erneute Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser Woche um weitere 0,25 Prozentpunkte verteuert auch Verbraucherkredite. Die EZB hatte zuvor im Dezember und März den Schlüsselzins um je 25 Basispunkte erhöht. Viele Volkswirte erwarten, dass die Zentralbank noch mindestens zwei Mal bis Ende diesen Jahres den Zins auf dann 3,25 Prozent anheben wird."Bei den Hypothekenzinsen haben wir möglicherweise die Talsohle durchschritten", sagte Felix Schellenbacher vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP), zu dem auch die Immobilienfinanzierer gehören. Derzeit liege der effektive Jahreszins für ein zehnjähriges Darlehen durchschnittlich bei 4,6 Prozent, teilte der Verband mit. Dies sei historisch niedrig. Im Zeitraum der vergangenen 20 Jahre habe der durchschnittliche Zins bei sieben Prozent gelegen."Investition gut planen"Bereits in den vergangenen Monaten waren die Zinsen für Eigenheimfinanzierungen wieder etwas gestiegen. Die Bank ING-DiBa errechnete, dass sie seit Jahresbeginn im Schnitt um 0,6 Prozentpunkte angezogen haben. Für Kunden, die beispielsweise einen Kredit über 100 000 Euro aufnehmen, bedeutet dies gegenüber dem Januar eine Mehrbelastung von 50 Euro im Monat.Dennoch ist dies aus Sicht des VDP immer noch sehr niedrig. "Die Zeit zu investieren ist weiterhin günstig", betonte Schnellbacher. Wer vorhabe, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sollte damit nicht mehr zu lange warten, rät er. Denn neben weiteren Zinsschritten der EZB droht auch die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer die Anschaffung zu verteuern. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale (VZ) Bremen, Arno Gottschalk, mahnt dagegen, nicht in Panik zu verfallen. Die Investition müsse trotz möglicherweise steigender Zinsen vernünftig vorbereitet werden. Denn wenn das Geschäft nicht zu Stande komme - etwa, weil keine Baugenehmigung erteilt wird - drohten dem verhinderten Käufer hohe Kosten. "In solchen Fällen verlangen die Banken bei einem voreilig abgeschlossen Kreditvertrag eine Nichtabnahmeentschädigung", warnt der Verbraucherschützer. "Das wird eine teure Sache."Schnellbacher rechnet damit, dass höhere Leitzinsen auch von den Banken an die Kunden weitergegeben werden. "Die Margen der Institute sind sehr knapp", betonte der Zinsexperte. Weil gerade die Kreditnehmer in Deutschland sehr genau die Angebote vergleichen, rechneten die Banken sehr knapp. "Da ist wenig Luft", betonte Schnellbacher. Aus diesem Grund sei die Weitergabe an Kunden "sehr wahrscheinlich". Auch Gottschalk rechnet mit einer Abwälzung der Erhöhung auf die Verbraucher. Die Erfahrung habe jedoch auch gezeigt, dass die Steigerungen nicht eins zu eins von den Banken auf die Hypothekendarlehen aufgeschlagen werden.In Phasen mit niedrigen Zinsen sind die in Deutschland üblichen langen Bindungsfristen für die Kunden vorteilhaft. Schnellbacher empfiehlt Verbrauchern, möglichst lange Zinsbindungen zu wählen. "Mindestens zehn Jahre sollte die Laufzeit betragen", betonte der Zins-Spezialist. Diese Konditionen können den Kunden auch bei steigenden Zinsen nicht genommen werden.Wer sein Eigenheim mit einem niedrigen Zinssatz finanziert, kann unter Umständen die Laufzeit erheblich verringern. Denn durch die geringen Zinsen ist auch die monatliche Rate bei der üblichen Tilgung von einem Prozent sehr gering. Der VDP rät deshalb dazu, eine höhere Tilgung zu wählen. Wer beispielsweise ein Darlehen zu 4,4 Prozent über zehn Jahre abschließt und für die Anschlussfinanzierung ein Zinssatz von sieben Prozent unterstellt wird, halbiert sich die Laufzeit bei vier Prozent Tilgung gegenüber einer Tilgungsrate von nur einem Prozent.------------------------------ECKWERTEZinssprünge: Hypothekenzinsen haben sich in den vergangenen Jahren zum Teil in kurzer Zeit stark verändert. Experten rechnen jedoch in Zukunft nicht mehr mit kurzfristigen Ausschlägen, weil die Europäische Zentralbank nur vorsichtige Anpassungen vornimmt.Tilgung: Neben den Zinsen muss der Kreditnehmer auch das Darlehen selbst zurückzahlen. Die Tilgungshöhe muss er mit der Bank aushandeln. Zinsen und Tilgung ergeben dann die monatliche Belastung des Käufers.Zeit: Die absolute Zeitersparnis ist in dem obigen Beispiel bei einer Steigerung von ein auf nur zwei Prozent Tilgung am größten. Bei jedem weiteren Prozent fällt die Ersparnis geringer aus.------------------------------Grafik (2): Hypothekensatz (1996-2006); Laufzeit der Hypothekendarlehen------------------------------"Ein übereilter Kreditabschluss kann eine teure Sache werden, weil dann Entschädigungen anfallen." Arno Gottschalk, Finanzexperte

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