Freundschaftsspiel der Labertaschen: Gregor Gysi trifft Jürgen Kuttner
Zwei ostdeutsch sozialisierte linke Labertaschen der eloquenten Extraklasse gibt es am Sonntagvormittag im Dialog zu erleben: „Gregor Gysi trifft Jürgen Kuttner“ heißt es da im Deutschen Theater, und man darf bei dieser Begegnung auf ein paar erhellende Funken hoffen. Gysis Gesprächsformat ist nach wie vor überaus erfolgreich, auch wenn es dem Politiker nicht immer leicht fällt, anhaltendes Interesse für sein Gegenüber zu simulieren, also ein Interesse, das stärker ist als das an Gregor Gysi höchstselbst. Achten Sie mal auf seinen Blick in die Karteikarten!
Jürgen Kuttner, eingeladen zum Talk mit Gregor Gysi
© Fabian Schreyer
Und so ähnlich funktioniert auch der Kulturwissenschaftler, Moderator und Theatermacher Kuttner, der mit dem eigenen Formulierungsfuror nicht nur sein Publikum, sondern sehr gern auch sich selbst beeindruckt und erfreut. Aber warum sollte man den beiden ihre Eitelkeit vorwerfen, wenn sie mit ihren Gedankenblitzen die Debatten bereichern. Die westliche Wirklichkeit macht es den beiden dialektisch-materialistisch geschulten Wortarbeitern leicht, ihre Pointen und ihren kulturellen Profit aus den Widersprüchen der kapitalistisch organisierten Gesellschaft zu schlagen. Zu meckern gibt es jedenfalls genug, auch wenn man sich dafür heute als „Speaker“ buchen lassen muss. Ulrich Seidler
Gregor Gysi trifft Jürgen Kuttner So, 11 Uhr, Deutsches Theater, Karten und Informationen unter 28441225 oder www.deutschestheater.de
Literaturfestival: Lesen hören
An diesem Wochenende ist es es ganz einfach, Literaturbegeisterten eine Empfehlung zu geben: Auf zum Haus der Berliner Festspiele, denn vor allem dort findet das Internationale Literaturfestival Berlin statt. Mehr zu sagen ist nicht nötig, denn wie bei der Berlinale muss man nicht unbedingt die Autoren hören oder sehen, die man immer schon liebt, sondern kann durch so ein Festival auch große, wichtige Entdeckungen machen. Zum Beispiel Michel Jean aus Kanada: Gerade ist sein drittes Buch in deutscher Übersetzung erschienen: „Maikan. Der Wind spricht noch davon“. Es erzählt von den Verbrechen der kanadischen Behörden und der Kirchen an der indigenen Bevölkerung. Lesung und Gespräch mit ihm sind am Sonnabend um 18 Uhr an der Reihe.
Der berühmte Saša Stanišić liest am Sonnabend, aber auch hierzulande noch unberühmte Autoren sind beim ilb zu entdecken.
© www.imago-images.de
Eine Stunde später ist Saša Stanišić dran, den man niemandem mehr vorstellen muss (falls doch – denken Sie an den Roman „Herkunft“). Und wenn dann wieder eine Stunde vergangen ist, beginnt die Poetry Night mit Semjon Hanin aus Lettland, mit der aus Belarus geflohenen Volha Hapeyeva und dem Litauer Eugenijus Ališanka. Um arabische Literatur der Gegenwart geht es ab 21 Uhr. Das hört sich alles kurz und knapp getaktet an, doch die Veranstaltungen finden versetzt auf den verschiedenen Bühnen des Hauses statt. Das Programm liegt gedruckt vielerorts aus oder lässt sich online leicht durchsuchen. Es ist ja noch viel mehr los. Am Sonntag zum Beispiel sind die Autoren an der Reihe, die sich viele Worte sparen und vor allem Bilder sprechen lassen, beim Graphic Novel Day, der allerdings breitet sich in der Kuppelhalle des Silent Green im Wedding aus. Cornelia Geißler
Literaturfestival.com noch bis 17.9. 2022
Fantasy Filmfest
In sieben deutschen Städten gibt es beim Fantasy Filmfest in den kommenden Wochen wieder Genre-Highlights zu sehen, Berlin macht vom 7. -14. September den Anfang. Anders als der Titel vermuten lässt, sind die meisten Filme dem Horror und Thriller zuzuordnen, „Fantasy steht hier nicht für Drachen, Feen und verwunschene Wälder, sondern für Fantasie, Innovation und Skurrilität“ schreiben die Verantwortlichen. Am Wochenende laufen in der Kulturbrauerei unter anderem der koreanische Actionblockbuster „The Roundup“, der norwegische Body-Horrorfilm „Sick of myself”, in dem ein Paar einen toxischen Wettstreit um Online-Aufmerksamkeit führt, die französische Haifilm-Parodie „Year of the Shark” und der koreanische Sci-Fi-Thriller „After Yang“, in dem Colin Farell einen Familienvater spielt, der ein Roboterkind kauft, um seiner chinesischen Adoptivtochter in die Integration in Amerika zu erleichtern. Claudia Reinhard
Fantasy Filmfest, 7.-14. September, Kino in der Kulturbrauerei
Premiere von Harald Jähners „Höhenrausch. Das kurze Leben zwischen den Kriegen“
„Ich glaube, dass politische Einstellungen natürlich auf rationalen Überlegungen fußen, aber vor allem auf Gefühlen, Stimmungen, Ängsten, Sorgen, Träumen, auch dem Verhältnis zum eigenen Körper“, sagte der Autor Harald Jähner kürzlich im Interview mit der Berliner Zeitung. Der große Erfolg seines Buches „Wolfszeit“ zeigt, dass Jähners Perspektive auf die Vergangenheit bei vielen Menschen einen Nerv trifft. Nun hat sein neues Buch „Höhenrausch. Das kurze Leben zwischen den Kriegen“ (Rowohlt Berlin, 480 S., 28 Euro) Premiere, es widmet sich der Weimarer Republik. Und ähnlich wie in „Wolfszeit“ interessiert den ehemaligen Feuilleton-Chef der Berliner Zeitung das Gefühlsleben als der Ort, an dem politische Überzeugungen formatiert werden. Die Buchpremiere findet im rbb Sendesaal, es moderiert die radioeins-Literaturagentin Gesa Ufer. Fritzi Haberlandt liest, und radioeins überträgt die Lesung live von 18 – 19.30 Uhr im Radio. Susanne Lenz
Harald Jähner
© Benjamin Pritzkuleit
Buchpremiere von „Höhenrausch“ 11. September, 18 Uhr, RBB, Kleiner Sendesaal, Masurenallee 8-14, Karten unter rbb-online-shop.de
Vor der Berlin Art Week: Frauenpower im Haus Kunst Mitte: Rettet die Natur!
Der Verein Berliner Künstlerinnen – der 1867 gegründete erste und älteste Berufsverband bildender Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum - trägt zu der bevorstehenden allherbstlichen Art Week besondere Kunst bei. 26 Künstlerinnen der Gemeinschaft befassen sich bildintensiv mit dem konfliktgeladenen, fatal gestörten Verhältnis von Natur und Mensch. Der Verein setzt sich seit seiner Gründung (damals hatten Frauen noch keinen Zugang zu staatlichen Kunsthochschulen, das änderte sich erst nach 1919) bis heute für mehr Sichtbarkeit weiblicher Kunst ein. Im Kunst Haus Mitte bekamen die Künstlerinnen einen eigenen Projektraum.
Susanne Schirdewahn: „Bruthah“, 2021
© Susanne Schirdewahn/ Verein Berliner Künstlerinnen
Der Kunstort in einem Gründerzeithaus inmitten der Investorenarchitektur der Europacity nahe Hauptbahnhof wurde nach umfänglicher Renovierung wiedereröffnet. Zu verdanken ist das Domizil dem verstorbenen Stifter Manfred Bartling, Gründer der Kunst Stiftung Asyl, und der von ihm eingesetzten Kunsthistorikerin und Kuratorin Anna Havemann, eine Enkelin des DDR-Oppositionellen Robert Havemann. Sie hat all ihre Energie in das renditefreie Projekt für weibliche Kunst gesteckt, das Haus sozusagen fast im Alleingang, aber nun auch unterstützt von der Hermann-Reemtsma-Stiftung wiedereröffnet. Organisiert hat Havemann noch eine weitere Schau mit weiblichem Aspekt: „Bodies in Trouble“. Berliner und Londoner Künstlerinnen setzen sich mit den Auswirkungen der Corona Pandemie und des Krieges in der Ukraine sowie mit Fragen der Repräsentation des weiblichen Körpers auseinander. Großartig der Kontrast all der starken Bildwerke zum allgegenwärtigen herabwürdigenden „Body Shaming“ – wider die von der Werbeindustrie vorgegebene Norm. Ingeborg Ruthe
Haus Kunst Mitte, Heidestr. 54 (hinter dem Museum Hamburger Bahnhof) Mi-So 12-18/Do bis 20 Uhr, bis 18 Jahre Eintritt frei.
Konzert: junge queere Acts in der Berghain-Kantine
Am Freitagabend lässt es sich in der Berghain'schen Panorama Bar ab 22 Uhr bei der Party „Love On The Rocks“ prächtig ins Wochenende starten. Es lohnt sich aber, schon etwas früher am Berghain aufzukreuzen: Ab 21 Uhr spielen nebenan in der Berghain-Kantine zwei der vielversprechendsten queeren Berliner Newcomer-Acts ein Doppelkonzert: Godmother sowie Robin and the Goblins.
Robins barocker Art-Pop hat was von Kate Bush und dem Nullerjahre-Superqueero Patrick Wolf. In beiden Fällen sehr britisch. Die Lyrics im Song „Future Angel“ handeln auch davon, seinem eigenen jüngeren queeren Selbst Mut zuzusprechen, zu sich selbst zu stehen. Das Video dazu glänzt mit märchenhafter Emo-Goth-Ästhetik.
Godmother wiederum huldigt am Klavier dem soulig-jazzigen Blues und erinnert dabei auch an Carole King und die neue tolle Platte von Ezra Furman namens „All Of Us Flames“. Grund fürs gemeinsame Konzert ist, dass beide heute jeweils neue Singles rausbringen: Godmother den Song „I'll Never Learn“ und Robin „Blood from Stone“. Gratulation! Außerdem matchen die beiden musikalisch einfach wunderbar.
Wer noch mehr Bock auf junge queere Acts hat, dem sei auch die Konzertreihe „Queers in Concert“ im SchwuZ empfohlen, mit den nächsten Ausgaben am 19. und 20. Oktober, wo dann unter anderem auch Myss Keta aus Mailand spielt. Jetzt aber erstmal: Heimspiel am Berghain für unsere jungen Berliner Acts! Stefan Hochgesand
Berghain-Kantine Am Wriezener Bahnhof, Fr 9.9., 21 Uhr, VVK 15 €
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FIBA EuroBasket 2022 in Berlin in der Mercedes-Benz Arena. Tickets hier!
„CABARET: Das Berlin-Musical“ ab 30.07.25 wieder in Berlin im TIPI! Tickets!
Veranstaltungen im September 2022 in Berlin: Lollapalooza, Shows u.v.m. Tickets!
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