BERLIN. Es war ja auf einmal fast ein bisschen sehr ruhig geworden in Bayern. Edmund Stoiber strahlte weiter vor sich hin, ganz so, als sei ihm nicht gerade der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Stoibers Generalsekretär Markus Söder war immer noch Generalsekretär. Und wenn die Stoiber-Gegnerin Gabriele Pauli nicht mit Fotos für ein Hochglanz-Magazin ein wohliges Wutschnauben in ihrer Partei ausgelöst hätte, man hätte Bayern, Stoiber und Söder fast für eine Weile vergessen können.Erwin Huber hat die Seinen jetzt wieder ins Gespräch gebracht. Er hat sich öffentlich über Stoibers Zukunft Gedanken gemacht. Was einigermaßen kurios ist, weil Hubers eigene Zukunft mitnichten feststeht. Der bayerische Wirtschaftsminister will im Herbst neuer CSU-Vorsitzender werden, aber das will Bundesagrarminister Horst Seehofer auch. Und auch wenn viele in der CSU sagen, dass Huber die besseren Chancen habe, bis zum entscheidenden Parteitag im September sind es eben noch ein paar Monate. Huber hat nun also Stoiber für den Vorsitz der Hanns-Seidel-Stiftung empfohlen, Stiftungen sind die Versorgungsposten der Parteien, wenn nichts Originelleres bei der Hand ist. Stoiber bedankte sich prompt mit der Bemerkung, Huber habe sich mit seiner frühen Postenverteilerei nicht gerade in die Champions League der Politik katapultiert.Nie ein offenes WortStoibers Worte werden auch Markus Söder gefallen haben. Denn dessen Verbleib in der Parteizentrale hatte Huber mal eben nebenbei mit in Frage gestellt. Er hat das so gemacht, dass es nett klang, schließlich hat sich Söder ja im Streit um den CSU-Vorsitz auch auf seine Seite geschlagen. Huber ließ also erst einmal eine Art Lob vernehmen. Es sei "keine Abwertung für die Arbeit von Markus Söder", wenn über einen neuen Generalsekretär diskutiert werde. Dann fügte Huber an, dass es wahrscheinlich mehrere Veränderung geben werde nach dem Parteitag im Herbst und dass er sich auch eine Frau als neue Generalsekretärin vorstellen könne. Das klingt nach Selbstverständlichkeiten. In der Politik sind es aber keine. Da gilt die Regel: Über Personalfragen wird zwar ständig gesprochen, aber nicht offen.Söder selbst hatte für das Frühjahr eigentlich ganz andere Pläne: Stoiber hatte eine Kabinettsumbildung angekündigt. Und es galt als ausgemacht, dass Söder ins bayerische Umweltministerium aufrückt. Schon seit Monaten hatte er sich auf diese Rolle vorbereitet und sich über grüne Gentechnik, Solarautos und Biosprit verbreitet.Dann kam Gabriele Pauli, und Söder unterschätzte sie genauso wie Stoiber und dessen andere Berater. Als es dann drunter und drüber ging bei der CSU im Januar, als die Stoiber-Story jeden Tag eine neue Wendung nahm und alles plötzlich immer schneller wurde, blieb Söder zum ersten Mal seit längerem zurückhaltend. Allenfalls kritisierte er Kungeleien und Durchstechereien, was ein wenig komisch klang bei einem, der sicherlich mit zu den Ober-Kunglern gehört in der CSU. Sicherlich hat auch er um seinen Job gefürchtet und um seine politische Zukunft. Viele CSU-Spitzenleute haben sich in diesen Tagen schwer getan mit der Entscheidung, sich in ein Lager zu schlagen.Für Söder war es wahrscheinlich noch etwas schwieriger: Wie kein anderer CSU-Politiker ist er mit Stoiber verbunden. Der förderte den ehemaligen Vorsitzenden der bayerischen Jungen Union früh, mit 36 Jahren war Söder der jüngste Generalsekretär in der Geschichte der CSU. Er hatte nie Scheu vor Öffentlichkeit, Polemik und Plattitüden. Dafür ist ein Generalsekretär zwar auch zuständig, aber selbst in der CSU rollte man öfters mit den Augen, wenn Söder sich mal wieder allzu sehr und zu laut über etwas echauffierte. Bundeskanzler Gerhard Schröder machte er etwa im letzten Wahlkampf mitverantwortlich für Sexualmorde an Kindern. Orientierung an Stammtisch-Themen wurde dem Juristen da nicht zum ersten Mal vorgeworfen. Den Tiefpunkt im parteiinternen Ansehen erreichte er nach der Bundestagswahl 2005, bei der die Union trotz glänzender Umfragewerte so jämmerlich abschnitt. Einen zu glatten Wahlkampf habe Söder organisiert, sich zu sehr von US-Methoden begeistern lassen, die nicht passen in die bayerische Provinz.Gut möglich, dass da etwas dran ist. Sicherlich ist es auch so, dass Söder sich vor allem an Wahlumfragen orientiert und so eine inhaltliche Wendigkeit entwickelt hat, die man auch Opportunismus nennen kann. Gleichzeitig ist er ein guter Analytiker und Stratege, und damit eines der jüngeren Talente in der CSU - und auch bei den Christsozialen sind die nicht bereit gesät.Das mit dem Ministerposten dürfte nun dennoch ein wenig schwieriger werden. Zwar wird Stoiber seinen Zögling auch aus der zweiten Reihe weiter protegieren und der künftige Ministerpräsident Günther Beckstein kommt sogar aus dem selben Bezirksverband. In der Parteilogik ist er somit ein natürlicher Förderer. Die Parteilogik der CSU bedeutet aber auch, dass ein zweiter Franke im Kabinett gegen die mächtigen anderen Bezirksverbände nur schwer durchzubekommen ist. Allenfalls Staatssekretär könne Söder nun noch werden, sagen manche ein der CSU. Selbst hat er längst einen Titel für sich gefunden: Er nennt sich den "letzten Stoiberianer".------------------------------Foto : CSU-Generalsekretär Markus Söder hat längst einen Titel für sich gefunden: Er nennt sich den "letzten Stoiberianer".
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