Washington verlangt deutliche Produktionsausweitung

USA auf Konfrontationskurs mit den Opec-Staaten

Peter De Thier
2 Min

WASHINGTON, 24. März. Im Vorfeld der Sitzung der Vereinigung Erdöl produzierender Staaten (Opec) am kommenden Montag hat die amerikanische Regierung gegenüber dem Ölkartell Kampfbereitschaft signalisiert. Der Kongress forderte Präsident Bill Clinton auf, Waffenexporte an Kartellmitglieder einzustellen und Wirtschaftshilfe in die Region zu drosseln. Die Energy Information Agency, eine Unterabteilung des Energieministeriums, hat bereits klare Zielvorgaben formuliert: Die Opec-Minister müssten demnach eine Produktionserhöhung um mindestens drei Millionen Barrel Rohöl pro Tag beschließen, ansonsten wird das Weiße Haus zum Angriff blasen. Analysten glauben hingegen, dass der tägliche Output um maximal die Hälfte der von Washington geforderten Menge steigen wird. Damit erscheint eine Eskalation zwischen den USA und den Opec-Staaten programmiert. Präsidentenwahl steht bevorDie Aufregung in den USA ist vorwiegend politisch motiviert. Im November werden über einhundert Millionen US-Wähler den Nachfolger Clintons bestimmen. Der Präsident will seinem Stellvertreter Al Gore das Zepter übergeben. Größtes Risiko für Gores Wahlchancen sind steigende Preise, die damit verbundenen Zinserhöhungen und das Riskio einer Konjunkturabschwächung. Trotz des Ölpreisrückgangs der vergangenen Wochen und den im internationalen Vergleich immer noch niedrigen Öl- und Benzinpreisen wächst der Unmut in der amerikanischen Öffentlichkeit. Um dieser zu begegnen lässt Clinton nun die Muskeln spielen. Sein Energieminister Bill Richardson, der zudem auf den Posten des Vizepräsidenten unter Gore spekuliert, macht sich bei den Opec-Ministern für die amerikanische Sache stark. Zudem erwägt das Weiße Haus, die so genannte "strategische Petroleum Reserve" (SPR) anzuzapfen, die 1977 anlässlich des arabischen Ölembargos gebildet wurde. Die SPR enthält 967 Millionen Barrel Rohöl und soll nur in nationalen Sicherheitskrisen mobilisiert werden. Vor der Preisstabilisierung der vergangenen Wochen wollte der Präsident bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag aus der SPR in Anspruch nehmen. Sollte die Opec nach Ansicht des Weißen Hauses die Produktion nicht ausreichend erhöhen, behält sich die Regierung diesen Schritt weiter vor. Dabei haben die Amerikaner am wenigsten Grund, sich über den Ölpreis zu beschweren, schließlich kostet der Sprit weniger als halb so viel wie in der EU. "Wir sind eben Billigpreise gewöhnt", so David Heck, Marketing-Chef beim Ölkonzern Chevron.Die Opec im Internet:www.opec.org

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