Wasserbetriebe schweißten unter Polizeischutz die Hauptrohre zu

Besetztes Haus trockengelegt

Michael Helberg Lutz Schnedelbach
2 Min

Zoff in der Rigaer Straße 80. Dem besetzten Haus in Friedrichshain wurde gestern das Wasser abgedreht. Der Hausbesitzer hatte die Kündigung der Wasserversorgung erwirkt. Erstmals seit zehn Jahren wurde damit ein bewohntes Haus komplett von den Wasserwerken abgeklemmt.Gegen sieben Uhr rückten Reparaturtrupps der Wasserbetriebe an. Sie gruben ein Loch in die Straße, trennten das Hauptrohr zum Haus durch und schweißten die Enden zu. Bevor die Monteure wieder abfuhren, füllten sie das Loch mit Sand und Teer. Vorsorglich schützten 80 Polizisten den Trupp der Wasserwerke. Der Grund: Bereits Ende April dieses Jahres hatten Monteure versucht, die Wasserversorgung des Hauses an der Rigaer Straße zu kappen. Stefan Natz, Sprecher des Unternehmens: "Unsere Mitarbeiter sind damals von den Hausbesetzern bedroht worden." Das seit 1990 besetzte Haus und dessen Besitzer Sven R. sorgten bereits 1994 für Schlagzeilen. Am 29. Mai waren 15 vermummte Männer mit Tränengasbomben, Gummiknüppeln und Baseballschlägern in das Gebäude eingedrungen. Doch der Versuch, die Bewohner rauszuprügeln, scheiterte. Bei dem Überfall wurden ein Besetzer und ein Mann des Schlägertrupps schwer verletzt. Die Kripo ermittelte später die Namen der Schläger. Daraufhin wurden die Räume des Hausbesitzers sowie die Büros einer Wachschutzfirma durchsucht. Dort fanden die Ermittler Baseballschläger, die vermutlich bei dem Überfall benutzt worden waren. Einen offiziellen Auftrag an das Unternehmen fanden die Ermittler jedoch nicht. Das Haus war 1993 bereits von Schlägertrupps überfallen worden.Für die Hausbesetzer ist die gestrige Aktion ein erneuter Versuch von Sven R., die Bewohner rauszuekeln. Einer der 30 Hausbewohner sagte, daß gegenwärtig mit dem Bezirksamt Friedrichshain Mietverträge verhandelt werden und kein Grund bestehe, das Wasser abdrehen zu lassen. Unbestritten jedoch: offene Wasserrechnungen in Höhe von 12 000 Mark. Die wurden bisher weder vom Hausbesitzer noch von den Bewohnern bezahlt. Stefan Natz wies Behauptungen zurück, nach denen das Wasser wegen dieser Schulden abgedreht worden ist. "Wir sind gesetzlich verpflichtet, die Versorgung zu unterbrechen, wenn der Hauseigentümer die Kündigung der Wasserversorgung erwirkt." Zu den Gründen für seinen Antrag konnte Sven R. gestern nicht befragt werden, er war nicht erreichbar. Doch die Besetzer hoffen, daß es noch zu einer gütlichen Einigung kommt.Ilja, Tom und Marco, drei der Bewohner, sind sich einig: "Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis die Hygiene kommt und das Haus sperrt. Solange holen wir unser Wasser im Rathaus Friedrichshain." +++

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