Der Westdeutsche Rundfunk baut sein Programmangebot massiv um. Bis Ende 2027 will der Sender zunächst 76 Angebote einstellen. Bis 2030 soll das gesamte Portfolio von derzeit rund 600 auf 300 Angebote schrumpfen. Zugleich plant der WDR einen Stellenabbau und Einschnitte bei freien Mitarbeitern.
Betroffen sind Fernsehsendungen, Radioreihen, Podcasts, Newsletter, Websites und Auftritte in sozialen Netzwerken. Nach Angaben des WDR sollen Angebote verschwinden, „die ihre Zielgruppe nicht gut genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR gehören“, wie der Evangelische Pressedienst berichtet.
Unter den ersten 76 Streichungen befinden sich bekannte Formate. Im Fernsehen sollen unter anderem „Frau tv“, „Menschen hautnah“ und „WDR Story“ in ihrer bisherigen Form eingestellt werden. Im Hörfunk verschwinden etwa „Satire am Sonntag“ bei WDR 4 und „Ex & Pop“ bei WDR 3.
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WDR will Angebot von 600 auf 300 halbieren
Die jetzt angekündigten Kürzungen sind nur der erste Schritt eines wesentlich größeren Umbaus. WDR-Intendantin Katrin Vernau hatte bereits im Frühjahr angekündigt, das Portfolio des Senders bis 2030 von rund 600 auf 300 Angebote zu reduzieren. Die Mediengewerkschaft VRFF bestätigte im Juni, dass diese Halbierung bereits begonnen habe.
Allerdings bedeutet das nicht, dass exakt 300 bestehende Angebote gestrichen werden. Der WDR will zugleich 80 bis 100 neue Formate und Angebote entwickeln. Deshalb müssen nach Angaben des Senders insgesamt rund 400 Angebote aus dem derzeitigen Bestand entfallen, damit am Ende etwa 300 übrig bleiben.
Als „Angebot“ zählt der WDR dabei nicht nur klassische Fernsehsendungen oder Radioreihen. Auch Podcasts, Newsletter, Webseiten sowie eigenständige Social-Media-Kanäle werden einzeln gezählt.
Vernau begründete den Umbau mit veränderter Mediennutzung und finanziellen Belastungen. „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen“, sagte sie nach Angaben des Senders. Gleichzeitig benötige der WDR mehr Mittel für digitale Angebote, während noch gut drei Viertel seiner Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden seien.
„Frau tv“ und „Menschen hautnah“ betroffen
Besonders sichtbar wird der Umbau im WDR Fernsehen. Die linearen Sendeplätze von „Menschen hautnah“ und „WDR Story“ sollen in ihrer bisherigen Form wegfallen. „Frau tv“ gehört ebenfalls zu den Sendungen, die eingestellt werden sollen. „Menschen hautnah“ wurde noch am 24. September regulär im WDR ausgestrahlt.
Andere Formate werden nicht komplett aufgegeben, sondern ins Digitale verlagert, heißt es. „Erlebnis Erde“ soll künftig vorrangig für digitale Plattformen produziert werden. Dokumentationen will der WDR nach eigenen Angaben grundsätzlich stärker für die ARD-Mediathek herstellen und anschließend gegebenenfalls im Fernsehen wiederholen.
Das lineare Fernsehen soll sich mit eigenen Ressourcen stärker auf die Zeit zwischen 17 Uhr und 22.15 Uhr konzentrieren. In anderen Tageszeiten sollen vermehrt Wiederholungen und bereits digital veröffentlichte Dokumentationen laufen. Das Nachmittagsmagazin „Hier und Heute“ soll deshalb künftig erst um 17 Uhr beginnen und damit um eine Stunde verkürzt werden.
133 Stellen sollen beim WDR wegfallen
Neben dem Programm trifft der Umbau auch das Personal. Ab 2027 soll jede dritte Stelle, die durch Verrentung frei wird, nicht wiederbesetzt werden. Bis 2030 sollen dadurch insgesamt 133 Stellen entfallen.
Allein in den beiden Programmdirektionen werden nach WDR-Angaben in den kommenden Jahren rund 150 Beschäftigte in den Ruhestand gehen. 50 dieser Stellen sollen anschließend nicht erneut besetzt werden.
Darüber hinaus sollen die Aufträge an freie Mitarbeiter zurückgehen. Wie viele Freie davon betroffen sein werden, könne derzeit noch nicht beziffert werden, erklärte Vernau nach Angaben der dpa. Beim WDR arbeiten rund 4000 fest angestellte und etwa 2500 arbeitnehmerähnlich freie Beschäftigte.
Auch die Produktionsstrukturen sollen verändert werden. Bis 2030 will der Sender einen Teil der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen in technologieorientierte Aufgaben verlagern. Studioflächen und Regien sollen reduziert, Produktionen stärker gebündelt und Dokumentationen sowie Unterhaltung teilweise häufiger an externe Produktionsfirmen vergeben werden.
Verdi kritisiert WDR und Bundesländer
Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit deutlicher Kritik. Christoph Schmitz-Dethlefsen aus dem Verdi-Bundesvorstand warnte laut epd vor einem Verlust an Programmvielfalt und machte auch die Politik der Bundesländer für den finanziellen Druck verantwortlich.
„Eine Rundfunkpolitik, die von den Bundesländern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und führt damit auch zu weniger Sendungen für die Breite der Gesellschaft“, sagte Schmitz-Dethlefsen laut epd.
Verdi kritisierte zudem das Vorgehen der WDR-Führung. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Pläne nach Darstellung der Gewerkschaft bislang nicht offen im Rundfunkrat und gegenüber den Beschäftigten behandelt worden seien, während bereits konkrete Zahlen zum Stellenabbau vorlägen.
Der WDR will Anfang 2027 über weitere Kürzungen informieren. Fest steht bereits das langfristige Ziel: Bis Ende 2030 soll nur noch etwa die Hälfte des heutigen Portfolios bestehen. Gleichzeitig will der Sender neue digitale Angebote entwickeln und Ressourcen aus dem klassischen Fernsehen und Radio dorthin verschieben.
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