Die deutschen Stromkonzerne, die seit Monaten energisch für einen Wiedereinstieg in die Atomkraft werben, kommen dieser Tage ordentlich ins Schwitzen. Denn ausgerechnet jetzt ist Ökostrom zum ersten Mal billiger als Atomstrom. Und das kam so: Das Flusswasser, das viele Atomkraftwerke zum Kühlen benutzen, ist zu warm geworden. Deswegen muss ein Atomkraftwerk nach dem anderen seine Leistung herunterfahren. Der Meiler Brunsbüttel an der Elbe etwa läuft nur noch mit gebremster Kraft. Damit wollen die Betreiber verhindern, dass das zur Kühlung benutzte Wasser wärmer als 30 Grad wird, wenn es den Kühlkreislauf wieder verlässt. Dieser Grenzwert schützt Fische und Pflanzen, die bei zu hohen Flusstemperaturen eingehen.Auch am Rhein ist das so. Das südhessische Atomkraftwerk Biblis kann deswegen nicht mehr durchlaufen. Den Meilern an Isar, Neckar oder Weser geht es nicht besser. Zwar ist die hiesige Versorgung mit Strom wegen der Produktionsausfälle bei den deutschen Atomkraftwerken noch lange nicht gefährdet. Drastische Folgen haben sie dennoch: An der Leipziger Börse sind die Preise für Strom im Vergleich zum Vormonat um sage und schreibe 500 bis 600 Prozent gestiegen. Die Verbraucher merken von diesem Preissprung zunächst nichts. Denn die Börsenpreise geben nur Auskunft über das kurzfristige Tagesgeschäft. Die großen Versorger wie der Berliner Platzhirsch Vattenfall aber arbeiten mit langfristigen Verträgen, in denen die Preise zum Teil über viele Monate festgeschrieben sind. Sollten allerdings die Börsenkurse wegen der Hitze oder anderer Faktoren über Monate hoch bleiben, wären auch Preisanpassungen möglich.Doch die Hitze macht nicht nur Probleme. Sie produziert auch Gewinner. Die Erzeuger von Ökostrom etwa, die ihre Energie aus Solarzellen gewinnen, profitieren von den vielen Stunden Sonnenschein. Die 200 000 Photovoltaik-Anlagen im Land liefen auf Anschlag, heißt beim Branchenverband Solarwirtschaft. Diese Menge an Strom aus Sonnenkraft entspricht der Leistung zweier Kernkraftwerke. Sollte das Wetter anhalten, könnten aufs Jahr gerechnet sogar zehn bis fünfzehn Prozent mehr Solarstrom ins Netz eingespeist werden als sonst üblich.An der Börse hat man diese Entwicklung genau registriert. Der Spitzenpreis für Strom aus Kern- und Kohlekraft lag teilweise bei 54 Cent je Kilowattstunde. Die staatlich fixierte Vergütung für Ökostrom beträgt dagegen nur zwischen 40 und 52 Cent. Der Wunsch von Carsten Körnig, dem Chef des Bundesverbandes Solarwirtschaft, kann da nicht überraschen. Er spricht aus, was dieser Tage viele Urlauber denken: "Wir wünschen uns weiter viel Sonnenschein."
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