Für Autofahrer wird es in den nächsten Tagen schwierig, durch die Innenstadt zu gelangen. Auf Grund der für heute angekündigten Großdemonstration "Lichter aus im Krankenhaus?", zu der 60 000 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet werden, können Hauptverkehrsachsen zwischen Ernst-Reuter- und Strausberger Platz nicht befahren werden. Die Polizei richtete bereits gestern Straßensperren ein. "Wegen des Marathons am Wochenende erhalten wir einige Sperrungen bis Sonntagabend aufrecht", sagte ein Sprecher. Da die Demonstrationsteilnehmer nach Angaben der Veranstalter mit 23 Sonderzügen und mehr als 800 Bussen nach Berlin reisen, sei auf Ausweichstraßen sowie der Avus mit Staus zu rechnen.Aufgerufen zu der Protestaktion, die die bislang größte Klinik-Demonstration in Deutschland werden soll, hat das Aktionsbündnis "Rettung der Krankenhäuser", dem sich Klinikträger, Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft, Pflegerat sowie Gewerkschaften angeschlossen haben. "Drastische Einsparungen, Budgetdeckelung und Sonderopfer haben in den vergangenen Jahren zu einer Situation geführt, in der die Krankenhäuser die medizinische Versorgung gefährdet sehen", sagte Uwe Slama, der Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). Nach seinen Angaben versorgen in Berliner Kliniken 45 000 Mitarbeiter jährlich mehr als 700 000 Patienten. Das sind 15 000 Beschäftigte weniger als noch vor zehn Jahren, obwohl die Zahl der Patienten in diesem Zeitraum um 50 000 stieg. "Die Weiterbildung von Fachärzten ist kaum noch möglich, weil wir dazu keine Ressourcen mehr haben", sagte Kilian Tegethoff, Vorsitzender des Landesverbandes des Marburger Bundes und Personalrat an der Charité. Ärztekammerpräsident Günther Jonitz wies darauf hin, dass Berlin mit 58 Krankenhausbetten pro 10 000 Einwohner bundesweit am schlechtesten ausgestattet sei. "Leidtragende sind die Patienten", sagte er.Nach BKG-Angaben fehlen den Krankenhäusern insgesamt 250 Millionen Euro. Darüber hinaus sei das Land in den vergangenen Jahren kaum seiner Verpflichtung nachgekommen, Bau- und Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren, so dass der Investitionsstau inzwischen bei 800 Millionen Euro liege.Charité und Vivantes haben ihre Beschäftigten zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. Die Dienstpläne sollen so gestaltet werden, dass die Patienten noch versorgt werden können. In einigen Abteilungen sei dies auch mit einer Wochenendbesetzung möglich, hieß es. Der private Helios-Konzern hingegen will seine Klinik-Mitarbeiter nicht freistellen. Die Demonstration sei "populärer Alarmismus". Die berechtigte Forderung des Aktionsbündnisses nach einem Ende der Deckelung sei mit unangemessen Forderungen zur Tarifpolitik verknüpft, heißt es in einem der Berliner Zeitung vorliegenden internen Rundschreiben von Geschäftsführer Francesco De Meo.------------------------------Keine DurchfahrtKarte: Bis Sonntag zu: Gestern wurde die Straße des 17. Juni zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor gesperrt, heute ist sie ab Ernst-Reuter-Platz von 9 bis 18 Uhr dicht. In dieser Woche nicht mehr passierbar sind zudem Yitzhak-Rabin-Straße und Ebertstraße zwischen Scheidemann- und Behrenstraße.Heute zu: Zusätzlich ist an diesem Donnerstag von 9 bis 12 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr die Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz gesperrt. Zudem sind Wittenbergplatz, Kleiststraße, An der Urania, Hofjägerallee, Unter den Linden und Kapelle-Ufer am Hauptbahnhof von 9 bis 13 Uhr zeitweise nicht befahrbar.Bei der Demonstration starten drei Züge um 12 Uhr am Hauptbahnhof, am Wittenbergplatz sowie am Alexanderplatz und treffen sich am Brandenburger Tor.
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