Weil die öffentlichen Sommerbäder geschlossen haben, zahlt sich Privatengagement aus

Geschäft mit der Sonne

Claudia Fuchs
3 Min

Am Montag hat das Telefon von Bernd Barnewski etwa 50 Mal geklingelt. Die Anrufer wollten stets nur das Eine wissen: Hat das Sommerbad Orankesee noch geöffnet? - Bernd Barnewski, der das kleine Bad in Hohenschönhausen seit 2002 von den Bäderbetrieben gepachtet hat, gab jedes Mal dieselbe Antwort: "Solange es warm ist, haben wir geöffnet. Wenn das Wetter mitspielt, auch bis zum 28. September."Michael Schenk würde eine solche Antwort sicher auch gern geben - kann es aber nicht. Schenk ist Vorstand der Berliner Bäderbetriebe, und die sind alles andere als flexibel bei der Öffnung der Bäder: Am Montag, als der Sommer nach Berlin zurückkehrte, machte das landeseigene Unternehmen 14 seiner Sommer- und Freibäder zu. Nur fünf Bäder blieben offen. Die Entscheidung über das Ende der Sommersaison wurde bereits im Frühjahr getroffen und vor zwei Wochen endgültig bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt musste der Personalrat des fast 810 Mitarbeiter starken Unternehmens den neuen Dienstplänen zustimmen. Auf das Wetter kann nun keine Rücksicht mehr genommen werden - das Personal wird in den Schwimmhallen gebraucht. Die sind seit Montag offen.Ohne Besucher keine EinnahmenSo viel Unflexibilität wäre der Tod für die kleinen Pächter. Für sie ist der Betrieb des jeweiligen Bades Lebensgrundlage: Ohne Besucher keine Einnahmen. Alle privat gepachteten Bäder - Grünau, Jungfernheide, Lübars, Orankesee, Plötzensee, Tegel, Wendenschloss und Weißensee - sind deshalb nach wie vor offen. "Der Sommer war ohnehin schlecht", begründet Simona Hügli, die das Freibad Jungfernheide in Charlottenburg betreibt. Das Bad ausgerechnet jetzt zu schließen wäre dumm, sagt sie. "Besseres Wetter geht ja kaum." Hügli kann es sich auch leisten, "ihr" Personal ohne lange Planung einzusetzen: Außer ihr arbeiten auch ihr Mann und ihre Mutter im Freibad. Andere Mitarbeiter werden stundenweise bezahlt und bei schlechtem Wetter notfalls nach Hause geschickt.Ähnlich sieht es auch bei Bernd Barnewski in Hohenschönhausen aus: Seine Mitarbeiter sind in der Regel Studenten, die tageweise bezahlt werden. "Da kann ich auch mal morgens Bescheid sagen, dass ich jemanden brauche." Und selbst wenn im Laufe des Tages das Wetter schlecht wird - Barnewski hat auch dann eine Lösung: "Ich betreibe auch zwei Restaurants in Berlin und Kleinmachnow. Dann werden eben die Leute dorthin geschickt." So viel Flexibilität erfordert allerdings auch viel Zeit: Barnewskis Arbeitstag dauert häufig von 8 bis 20 Uhr. Ähnlich wie der von Oliver Schulz, der das Strandbad Weißensee gepachtet hat: Er nutzt das schöne Wetter ab heute Abend sogar für Theateraufführungen in der kleinen Bar des Bades (bis Freitag, jeweils 19 Uhr).Flexibilität endet beim GeldBei den Bäderbetrieben wäre so etwas unmöglich. "Unsere Flexibilität endet beim Geld", sagt Vorstand Michael Schenk. Vor einigen Jahren noch hätte deutlich flexibler auf das Wetter reagiert werden können. "Damals hatten wir noch Saisonkräfte. Jetzt müssen wir mit unserer Mannschaft aus den Sommerbädern in die Hallenbäder wechseln." Und sein Unternehmen brauche nun mal drei bis vier Wochen, um die neuen Dienstpläne vorzubereiten. Im Übrigen, so Schenk, hätten die Bäderbetriebe ja verschiedene Zielgruppen, denen sie laut Gesetz das Baden und das Schwimmen ermöglichen müssten. "Wir haben die Schulen, die Schwimmvereine und die Öffentlichkeit", sagt Michael Schenk. Und fügt hinzu: "Die ersten beiden Zielgruppen versorgen wir zurzeit."

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