Die Wirtschaftskrise zwingt Unternehmen zum Sparen - mit negativen Folgen für die Berliner Hotels: Weil Geschäftsreisende ausbleiben, Kongresse abgesagt oder kleiner abgehalten werden, mussten die ersten Fünf-Sterne-Hotels Personal abbauen.Besonders betroffen ist das Radisson an der Karl-Liebknecht-Straße. Ende 2008 wurde dort zwölf Mitarbeitern gekündigt, weitere 28 Stellen, die freigeworden waren, wurden in den vergangenen Monaten nicht wieder besetzt. Das sagte Hoteldirektor Gaston Gellens der Berliner Zeitung. Er begründete den Abbau damit, dass der Umsatz pro Zimmer im ersten Quartal des Jahres im zweistelligen Bereich eingebrochen sei. "Vor allem Geschäftsreisende bleiben weg", so Gellens. "Es könnte sein, dass wir noch nicht das Ende des Personalabbaus erreicht haben", befürchtet er.Alternative KurzarbeitAuch im Hotel Intercontinental an der Budapester Straße, das erst 2006 seine Veranstaltungskapazitäten mit einem Neubau erweitert hatte, wurden in den vergangenen vier Monaten offene Stellen nicht neu besetzt. Das Hotel hat 390 Mitarbeiter, um die 30 Stellen seien abgebaut worden, so Hoteldirektor Willy Weiland. "Wir denken auch über Kurzarbeit nach." Weiland ist auch Chef des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands. Von der Krise seien vor allem die Fünf-Sterne-Hotels betroffen, sagte er. "Den Zwei- und Drei-Sterne-Häusern geht es ganz gut." Sie beherbergen vor allem Touristen - und die kommen nach Angaben der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) weiterhin nach Berlin. Dagegen schränkten Firmen Reisen aus Kostengründen stark ein. "Da kommen dann weniger Leute als bisher oder sie buchen Hotels niedrigerer Kategorien", so Weiland. Kongresse seien schlechter besucht als im Vorjahr. Christian Tänzler, Sprecher der BTM, sagte, man müsse damit rechnen, dass die Auswirkungen bisher nur der Anfang seien: "Es kann sein, dass uns die Kürzungen im Geschäftsbereich zeitversetzt treffen."Den Hoteliers ist das durchaus bewusst. "Soweit ich weiß, gibt es in Berlin bisher noch in keinem Hotel Kurzarbeit, aber alle machen sich darüber Gedanken", sagte Weiland. Allerdings sei das nicht so einfach, weil Hotels zunächst alle externen Kräfte abbauen müssten. "Bei großen Bällen oder Kongressen geht es aber nicht ohne."Im Grand Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz hat man zwar noch kein eigenes Personal abgebaut, "aber wir greifen weniger auf externe Aushilfen zurück", sagte Sprecherin Kerstin Riedel. Und im Maritim an der Stauffenbergstraße wurden die befristeten Verträge von 14 Mitarbeitern nicht verlängert. "Momentan ist der Bedarf einfach nicht da", so die Sprecherin des Hotels, Britt Winter.Tortenkönig schuldet LöhneAuch Berlins Tortenkönig Manfred Otte, dem das Wiener am Hagenplatz, die Kaffeehäuser Am Roseneck und Neu-Westend sowie das Opernpalais Unter den Linden gehören, merkt, dass es den Hotels nicht mehr so gut geht. "Die bestellen weniger Torten", sagte er.Ottes Mitarbeiter im Opernpalais haben zum Teil gerade erst ihren Dezemberlohn bekommen. Mit der Wirtschaftskrise habe das allerdings nicht zu tun, wiegelt Otte ab. Wie immer in der kalten Jahreszeit fehlten die Umsätze der großen Terrasse. "Es ist mir leider wieder nicht gelungen, Reserven anzusparen, um die Leute pünktlich zu bezahlen", sagte er. Die Miete müsse er rechtzeitig zahlen, sonst drohe der Rausschmiss. Von Mai an, wenn auf der Terrasse wieder mehr los sei, könne er die Löhne wieder pünktlich bezahlen, sagte Otte. Von einer Pleite sei er jedenfalls weit entfernt.------------------------------Hauptstadt der KongresseRekord: So viele Kongresse, Tagungen und Konferenzen wie 2008 gab es in Berlin noch nie. 104 600 Veranstaltungen mit 8,15 Millionen Teilnehmern wurden abgehalten.Platz 2: Berlin belegte im Ranking der Internationalen Congress & Convention Association 2007 hinter Wien Platz 2. 123 Großkongresse mit mehreren Tausend Teilnehmern hat es hier gegeben. In der Wertung werden Veranstaltungen internationaler Verbände erfasst.Tagungshotels: Neben Kongresszentren verfügt Berlin über 160 Tagungshotels, die 54 Prozent der verfügbaren Veranstaltungsfläche anbieten.Etat: Die Berlin Tourismus Marketing GmbH bekommt vom Land für die Vermarktung Berlins als Kongressstadt 500 000 Euro pro Jahr. Derzeit gibt es Verhandlungen über eine Aufstockung des Zuschusses.Werbetour: Die BTM hat vorige Woche in Frankfurt, Düsseldorf und München für Berlin als Kongressstadt geworben. Im Mai gibt es eine Präsentation in New York, zu der amerikanische Top-Entscheider eingeladen werden.------------------------------Foto: Hauptattraktion des Radisson-Hotels in Mitte ist das riesige Aquarium in der Lobby. Geschäftsreisende bleiben trotzdem aus.
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