Weil neben dem Kanzleramt Hecken gepflanzt werden, zieht das Theaterzelt 40 Meter weiter

Verrücktes Tipi

Karin Schmidl
3 Min

Der Plan existiert schon länger. Auf der Grünfläche neben dem Kanzleramt im Tiergarten, auf der seit sieben Jahren das Theaterzelt Tipi steht, sollen Hecken auf begrünten Stufen gepflanzt werden. Jetzt kommen die Hecken, und das Tipi wird verrückt - um knapp 40 Meter nach Süden, auf einen speziell hergerichteten, ehemaligen Parkplatz am Haus der Kulturen der Welt. "Bloß gut, dass wir vom Haus der Kulturen ausreichend große Flächen gepachtet haben", sagte Anna Jacobi, die Sprecherin des Tipi, am Freitag. Einen völlig neuen Standort zu finden wäre schwierig - als "Tipi am Kanzleramt" habe man sich schließlich etabliert.Am vergangenen Wochenende endete die Saison, seither spielen Bauarbeiter die Hauptrolle auf dem Gelände. Sie räumen Büro- und Küchencontainer aus, bauen Vorzelte ab, schleppen Mobiliar und Geschirr in andere Zelte. Das Viermaster-Hauptzelt mit den prägnanten Zacken und dem Namenszug darüber wird ab Montag abgebaut und in einer Riesenbadewanne gereinigt, bevor es dann auf der anderen Seite des Hauses der Kulturen der Welt wieder aufgestellt wird.Das Tipi, in dem 552 Besucher Platz finden, war im Juni 2002 zum zehnjährigen Jubiläum der Bar jeder Vernunft neben dem Kanzleramt errichtet worden - mit ausdrücklicher Genehmigung des damaligen Nachbarn Gerhard Schröder. Zuvor war an dieser Stelle die Logistikzentrale für den Bau des Kanzleramtes untergebracht. Noch früher stand dort ein anderes Theaterzelt - das Tempodrom von Irene Moessinger, die sich später mit ihrem Neubau am Anhalter Bahnhof verhob. Das Tipi, das zunächst mit einer Pachtdauer von neun Monaten startete, wurde zum ständigen Veranstaltungsort. Die Liste der Künstler ist lang: Tim Fischer, Gayle Tufts, Rainald Grebe oder Dieter Hildebrandt sind nur einige Namen. Die Mixtur aus Spektakel und Essen kommt an, das Zelt verzeichnet jährlich gut 100 000 Gäste.Die nächste Premiere ist für den 1. September angekündigt, dann soll der Berliner Künstler René Marik mit seiner schrägen Puppen-Show KasperPop auftreten. "Wir müssen uns also beeilen mit dem Umzug", sagt Tipi-Sprecherin Jacobi. Eile ist auch geboten, weil bis zur neuen Saison noch einiges verändert wird am neuen Ort. Die Sprecherin: "Der Eingangsbereich wird größer, es wird mehr Toiletten geben und der Biergarten soll schöner werden."Neu wird auch eine Raucherlounge sein, für die der Bierbar-Container extra aufgestockt wird. Und weil man im Tipi Zelte so mag, werden auch alle Kassen-, Büro- und Küchencontainer mit Zeltplanen überzogen. Unverändert bleibt der Theaterinnenraum. Von der Lottostiftung erhält das Tipi 365 000 Euro für den Umzug. Jacobi: "Ohne das Geld wäre der Umzug unmöglich, schließlich erhalten wir keine staatlichen Subventionen."------------------------------Karte: Gäste des Tipi müssen ab September einige Meter weiter laufen.Foto: Mit viel Körpereinsatz, Wasser und einem garantiert milden Putzmittel reinigt eine Tipi-Mitarbeiterin das Vorzelt.

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