Weinanbaugebiet Saale-Unstrut

Im schönsten Blütengrunde

Im Weingut Thürkind bei Freyburg sitzen die Gäste gemütlich im Hof vor roten Backsteinmauern. Oleander wächst in Töpfen vor einem alten Brunnen, unterm Stuhl schläft ein zottiger Hund, goldig glänzt der Müller-Thurgau im Glas.

Sabine Deckwerth
2 Min
Ein Weinberg in der Nähe von Freyburg.

Ein Weinberg in der Nähe von Freyburg.

© dpa Lizenz

Das ist er in der Tat nicht, dort unten im Süden Sachsen-Anhalts im Burgenlandkreis, im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, wo an die 30 Rebsorten wachsen. Im Weingut Thürkind zum Beispiel, in Gröst, nicht weit von Freyburg entfernt, sitzen die Gäste gemütlich im Hof vor roten Backsteinmauern. Oleander wächst in Töpfen vor einem alten Brunnen, unterm Stuhl schläft ein zottiger Hund, goldig glänzt der Müller-Thurgau im Glas.

Was sind schon 230 Kilometer Autofahrt für diese Idylle! Auf den Feldern ringsum blüht grellgelb der Raps. Dahinter sanfte Weinbergshügel, in denen eine Straußwirtschaft nach der anderen zum Verweilen einlädt. Wer es nicht weiß: Straußwirtschaft wird die Schänke genannt, in der Winzer ihren Wein anbieten. Anderswo sagt man Besenwirtschaft oder Buschenschank. Dem Berliner ist somit vergönnt, was der Süddeutsche zur Genüge kennt: Erst wird gekostet, dann bestellt und schließlich kistenweise mit nach Hause genommen.

Im schönen Blütengrund, nahe dem beschaulichen Örtchen Großjena, wachsen nicht nur die Reben, dort sind auch barocke Felsreliefs zu bewundern. Natürlich huldigten ihre Schöpfer damit dem Wein in allen Facetten. Man glaubt es kaum: Auf der Unstrut können sogar Schiffe fahren. Gerade mal 1,10 Meter ist das Flüsschen dort tief. Die Schifflein haben Namen wie „Unstrutnixe“ oder „Fröhliche Dörte“ und sind schon mehr als 100 Jahre alt. Doch die Unstrut kann auch anders: Im Hochwassermonat Mai 2004 wurde die „Fröhliche Dörte“ von Brechern überspült, um in sieben Meter tiefen Wassermassen zu versinken. Sie wurde geborgen und wieder hergerichtet. Wer mit ihr fährt, bekommt entzückende Ausblicke geboten. Und an Bord – wen wundert’s – gibt es ebenfalls golde-nen Wein. Beim Aussteigen fragt sich niemand mehr, wie die Dörte ihren fröhlichen Namen bekam.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

weltbune Banner