Am Oberrhein wird an diesem Wochenende noch gebadet, bis zu 31 Grad sind drin. Trotzdem ist der Winter gerade das Wetterthema Nummer eins. Im tropischen Pazifik ist das Meer 3 Grad wärmer als normal, US-Forscher halten den stärksten El Niño seit Beginn ihrer Datenreihe für wahrscheinlich.
Was das für Deutschland heißt, ist unbequemer, als viele Schlagzeilen versprechen. Einen Eiswinter kann niemand seriös ankündigen. Wahrscheinlicher ist ein Winter, der ständig die Richtung wechselt.
Plus 3 Grad: Der Pazifik steuert auf einen Allzeitrekord zu
Mitte September lag die Wassertemperatur im entscheidenden Messgebiet laut dem Klimaforschungsinstitut IRI der Columbia University 3,0 Grad über dem Normalwert. In 50 bis 150 Metern Tiefe ist das Wasser stellenweise bis zu 8 Grad zu warm.
Dieser Wärmevorrat unter der Oberfläche ist der Treibstoff für die nächsten Monate. Die US-Klimabehörde NOAA rechnet für Oktober bis Dezember mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einem Ereignis, das jeden El Niño seit 1950 übertrifft.
Die legendären Vorgänger von 1997/98 und 2015/16 kamen im maßgeblichen Index auf rund plus 2,4 Grad. Die Rekordschwelle liegt bei plus 2,5.
Warum ein warmer Pazifik unser Winterwetter durcheinanderwirbelt
Normalerweise treiben die Passatwinde das warme Oberflächenwasser nach Westen, Richtung Indonesien. Alle paar Jahre erlahmen sie, und die Wärme schwappt zurück vor die Küste Südamerikas.
Fischer in Peru tauften das Phänomen einst nach dem Christkind, weil es oft um Weihnachten auftrat. Die zusätzliche Wärme verändert die großen Luftströmungen rund um den Globus, bis hinauf in die Arktis.
Jahrhundertwinter wegen El Niño? Das sagt der Wetterdienst
Der Deutsche Wetterdienst bremst die Erwartungen deutlich: Aus einem starken El Niño allein lasse sich kein kalter Winter in Europa ableiten. Mitteleuropa liegt zu weit weg, das Signal kommt nur über Umwege an.
Zwei Muster tauchen allerdings immer wieder auf. Der Frühwinter verläuft oft mild, nass und stürmisch, weil kräftiger Westwind ein Atlantiktief nach dem anderen heranführt.
Später kann El Niño den Polarwirbel stören, den Ring aus eisiger Luft hoch über der Arktis. Gerät er ins Taumeln, bricht Kaltluft nach Süden aus, dann auch bis zu uns.
Ein Super-El-Niño macht den Winter also nicht kalt. Er macht ihn launisch.
Schneechaos in München, minus 19,5 Grad im Allgäu: Die Blaupause von 2023/24
Wie das aussieht, zeigte zuletzt der Winter 2023/24, ebenfalls ein El-Niño-Winter. Anfang Dezember versank München im Schnee, der Flughafen stellte den Betrieb ein.
Am 20. Januar 2024 fiel das Thermometer in Leutkirch im Allgäu auf minus 19,5 Grad, im Norden legte Glatteis den Verkehr lahm. Wenige Wochen später war der Februar mit 6,6 Grad im Schnitt eher ein kühler April.
Am Ende stand einer der mildesten Winter seit Messbeginn. In Erinnerung blieben trotzdem die Chaostage.
Der Polarwirbel dreht schon jetzt ungewöhnlich schnell
Für einen milden Start spricht auch ein Blick nach oben. In rund 30 Kilometern Höhe hat sich der Polarwirbel laut wetter.net früh und kräftig aufgebaut: Mitte September wurden dort 10,4 Meter pro Sekunde gemessen, üblich wären 8,1.
Ein starker Wirbel hält die Kälte im Norden gefangen. Ob er im Januar oder Februar kippt, kann heute noch kein Modell sagen.
Weiße Weihnachten 2026: Die ehrliche Antwort
Wer jetzt Schnee unterm Weihnachtsbaum verspricht, rät. Eine belastbare Tendenz für den Hochwinter erwarten Meteorologen frühestens im November.
Wer auf einen Eiswinter wettet, steckt das Geld besser in Winterreifen. Die Faustregel „von O bis O“, Oktober bis Ostern, gilt auch in diesem Jahr, eine einzige Glatteisnacht reicht für kilometerlange Staus.
Die nächste offizielle El-Niño-Einschätzung der NOAA erscheint am 8. Oktober.
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