Berlin von und für Berliner

Kleinkunstbühnen-Star Fil: Proll-Verbot am Weißen See!

Wo kann man in Weißensee schön essen gehen? Und welche Wasser-Alternative gibt es zum Weißen See? Der Urberliner Fil weiß, wo es langgeht.

Nicole Schulze
8 Min
Der Berliner Comiczeichner und Künstler Fil berichtet über seinen Weißenseer Kiez.

Der Berliner Comiczeichner und Künstler Fil berichtet über seinen Weißenseer Kiez.

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: Imago

Kommt ein West-Berliner nach Ost-Berlin – und findet erst mal alles komisch. Natürlich Ehrensache für den Unterhaltungskünstler Philip Tägert, besser bekannt als Fil. Seine Shows füllen seit Jahrzehnten unter anderem das Mehringhoftheater in Kreuzberg und sind nicht nur witzig, sondern vor allem typischer Berliner Humor.

Viele kennen Fil als Anhängsel der frechen Haifisch-Handpuppe Sharkey oder als Comiczeichner und Erfinder von Didi & Stulle. Aber er hat auch Bücher geschrieben – über sein Leben, seine Erfahrungen, seine Stadt, sein Berlin. All das findet in seinen Bühnenshows statt und sorgt zuverlässig für Lacher; manchmal in erster Linie deshalb, weil man sich in der eigenen Spießbürgerlichkeit ertappt fühlt.

Und selbst davon nimmt Fil sich nicht aus. Nachdem sich der gebürtige Reinickendorfer lange in Prenzlauer Berg wohlfühlte, ist er von dort nach Weißensee geflüchtet, vor der ganzen Saturiertheit, musste aber, wie er in seinem aktuellen Programm (siehe unten) sagt, „feststellen, dass man sich selbst ja mitgenommen hat“. Tja.

Die Berliner Zeitung stellt in loser Folge Berliner Kieze vor. Erschienen sind unter anderem schon Berichte über Kladow und Kreuzberg, ebenso über Friedenau und Gesundbrunnen. Jetzt also Weißensee: Wo kann man essen gehen? Was unternehmen? Wohin führt Fil Menschen von außerhalb, die ihn besuchen?

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Frühstück, Mittag, Kaffee, Abendessen in Weißensee: Hier lässt sich im Kiez genießen

Was die Café-Dichte angeht, kann Weißensee nicht mit Prenzlauer Berg konkurrieren. Und genau das findet Fil nicht schlimm, im Gegenteil: Hier werden keine Kinderwagen von Pollern in Eingangstüren zurückgehalten.

Aber: „Die Prenzlauer-Berg-Kaffeekultur finden die meisten Menschen ja doch ganz schön, und mit denen gehe ich ins Babuschka. Das ist ein russischer Laden, wo der Kaffee wirklich sehr gut ist“, sagt Fil. Untergebracht ist das Café in einer alten Fischräucherei; man kann frühstücken, brunchen und mittagessen.

Das Buttercroissant kostet 3,20 Euro, ein Chai Latte ebenso, für eine Vollkorn-Eierstulle mit Radieschen zahlt man 5,50 Euro, Königsberger Klopse kosten 15,50 Euro, Ratatouille mit Parmesan-Polenta 12,50 Euro.

Babuschka. Behaimstraße 32, 13086 Berlin. Mo–Fr 9–15 Uhr, am Wochenende 10–16 Uhr.

Guten Kaffee kriegen Sie aber auch „in der portugiesischen Bäckerei. Dort ist es absolut cool, und das Gebäck muss man probiert haben, so lecker. Man kann an der Straße sitzen und kriegt echte Street-Vibes“, schwärmt Fil.

Natas Berlin Portugiesische Konditorei. Pistoriusstraße 25, 13086 Berlin. Mo–Fr 9–17 Uhr, am Wochenende 9–18 Uhr.

Wem beim Essen ein schönes, gemütliches Ambiente wichtig ist, der sollte zum Griechen am Mirbachplatz gehen, findet der Künstler: „Der ist zwar nicht billig, aber so schön normal. Man kann einfach eine gute Zeit haben, weil es so nett ist. Essengehen ist ja mehr als die Qualität der Speisen, sondern hat auch viel mit der Atmosphäre zu tun.“

Die kalte Vorspeisenplatte kostet 17 Euro, eine Zwiebelsuppe 8 Euro, für den Lachsfiletsalat zahlt man 19,40 Euro. Eine Portion Gyros oder Souflaki, jeweils mit Zaziki, Salat und Beilage, kostet 15,80 Euro.

Restaurant Platon. Pistoriusstraße 31, 13086 Berlin. Täglich 11.30–23 Uhr.

Oder haben Sie mehr Lust auf Italienisch? Dann besuchen Sie doch mal den Pastaladen. „Der ist sehr winzig, es gibt nur wenige Tische, und deshalb ist es auch nicht so richtig krass gemütlich, aber dafür schmeckt es wirklich gut“, sagt der Weißenseer.

Seit Oktober 2013 gibt es das kleine Restaurant schon. Koch Alberto macht die Pasta frisch, hat das Handwerk bei einer alten Köchin in Parma gelernt und war Chefkoch bei einem Vier-Sterne-Restaurant in seiner Heimat Sardinien.

Kein Wunder also, dass sich unter anderem Sardische Ravioli mit Ziegenkäse und Schaf-Ricotta auf der Speisekarte finden (10,50 Euro). Für Trüffelfans gibt es vielversprechende Tagliolini al Tartufo Infernale für 16,90 Euro. Die Karte ist übersichtlich – und dennoch fällt es schwer, sich zu entscheiden.

Pastaladen. Langhansstraße 149, 13086 Berlin. Di–Fr 10–20 Uhr.

Übrigens: Wenn Sie am Antonplatz vorbeikommen und Hunger haben, sollten Sie einen Stopp am Antongrill (Berliner Allee 40) einlegen. „Das ist einer der besten Läden der Stadt“, sagt Fil, der hier gern mal abends nach einem Auftritt noch etwas isst. „Die sind auch noch so supernett. Das macht’s echt angenehm, da zu essen.“ Der Imbiss hat durchgehend geöffnet

Der Weiße See? Anderswo ist es schöner

„Alle kommen an den Weißen See und stehen dann dort rum und sagen, wie schön sie das finden, und wollen dann baden gehen, obwohl man sich fragt, warum man das denn überhaupt will, da baden. Und alle fühlen sich so wichtig und so cool, halt so voll Großstadt“, beschreibt Fil sein Gefühl in Bezug auf den Namensgeber des Bezirks. Er selbst meidet den Weißen See, „weil man da nur im Kreis läuft“.

Das Strandbad Weißensee (Archivbild): Viele Innenstädter lieben das Baden im See, den Sand, die Natur.

Das Strandbad Weißensee (Archivbild): Viele Innenstädter lieben das Baden im See, den Sand, die Natur.

© Sebastian Wells/OSTKREUZ

Er könne sich zwischen Proll- und Helikoptereltern, neben alles ganz genau wissenden Zugezogenen und „Weißenseer See“-Sagenden einfach nicht wohlfühlen, sagt Fil. Dabei sind Dünkel in jeder Form ihm eigentlich zuwider. Aber am Weißen See ballt sich aus seiner Sicht vieles, was schiefläuft im Kiez wie auch in Berlin.

„Darum habe ich auch das Lied ‚Proll-Verbot am Weißen See‘ geschrieben“, sagt der Künstler. „Das musste einfach mal raus. Das musste gesagt werden. Und jetzt ist es gut.“ Als Alternative zum Weißen See empfiehlt der Berlin-Auskenner daher eine kurze Tramfahrt mit der Linie 27.

„So kommt man zum Faulen See, so heißt auch die Haltestelle. Der ist zwar ein bisschen zugewachsen, aber eben auch schön waldig. Für Kinder gibt es einen Waldspielplatz“, weiß der Künstler, der ausschließlich mit den Öffis unterwegs ist.

Der Faule See liegt in einem Naturschutzgebiet; Baden ist nicht möglich, weil der See eingezäunt ist. Man kann ihn aber vollständig umrunden und sich am vielstimmigen Vogelgesang erfreuen.

Auch der Orankesee mit seinem schönen Freibad ist mit der Straßenbahn von Weißensee schnell zu erreichen (Station Orankestrand) – auch wenn der See offiziell nicht zu Weißensee, sondern zu Hohenschönhausen und somit zu Lichtenberg gehört.

Die 27er-Straßenbahn ist sowieso eine der schönsten Strecken Berlins: Vom Pasedagplatz in Weißensee kann man binnen einer halben Stunde zum Tierpark fahren, und nach einer knappen Stunde ist man am Rathaus Köpenick. Eine kleine Berliner Weltreise.

Spazieren gehen in Weißensee: Besuch auf dem Jüdischen Friedhof

Der Jüdische Friedhof in Weißensee zählt zu den größten und schönsten Deutschlands; er wurde 1880 geweiht. Man kann dort spazieren gehen. Männer sollten ihren Kopf bedecken, am Eingang gibt es Leih-Kippas.

Der Jüdische Friedhof, einer der größten und schönsten Deutschlands, wurde schon 1880 geweiht.

Der Jüdische Friedhof, einer der größten und schönsten Deutschlands, wurde schon 1880 geweiht.

© Jürgen Ritter/imago

„Dort liegt auch mein Urgroßvater“, sagt Fil. „Arthur Becker, Gutsbesitzer und Feind der Todesstrafe. Dem lege ich immer ein Steinchen aufs Grab, das ist ja jüdische Tradition.“ Er ist einer von mehr als 115.000 Berlinerinnen und Berlinern jüdischen Glaubens, die hier beigesetzt wurden. Auch namhafte Verstorbene sind darunter, so wie der bekannte Maler Lesser Ury oder der Verleger Rudolf Mosse.

Man findet prunkvolle Grabstätten und große Gruften ebenso wie verwilderte Stellen und baumbewachsene Wege; 42 Hektar Geschichte, denn natürlich wird auch an die jüdischen Opfer beider Weltkriege erinnert.

Jüdischer Friedhof Weißensee. Herbert-Baum-Straße 45, 13088 Berlin. Von April bis September wochentags von 7.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, freitags nur bis 14.30 Uhr, sonntags von 8 bis 17 Uhr; von Oktober bis März wochentags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr, freitags nur bis 14.30 Uhr, sonntags von 8 bis 16 Uhr. Samstags (Schabbat) ist immer geschlossen.

Geheimtipp: Die Freiluftbühne Weißensee

Was viele nicht wissen: Direkt am Weißen See gibt es ein Freiluftkino; vom Freibad aus gesehen schräg rechts. Dort finden saisonal auch andere kulturelle Veranstaltungen statt – vom Kinderkonzert über Comedy bis hin zum politischen Streitgespräch.

Natürlich ist das schöne Amphitheater in der kalten Jahreszeit geschlossen, aber „im Sommer findet die ganze Zeit irgendwas statt, das Kino ist hammergeil. Ich trete da auch manchmal auf“, sagt Fil. Allerdings gebe es auch „eine Anwohnerin, die sich über Lärm beschwert und um eine Minute nach 22 Uhr die Polizei ruft“.

Deshalb sind die Veranstaltungen von vornherein nicht so laut, was der chilligen Atmosphäre nicht abträglich ist. „Das ist eine voll entspannte Ecke, die Leute sind einfach mega“, sagt der Weißenseer.

Freilichtbühne Weißensee, Große Seestraße 10, 13086 Berlin.

Fils aktuelle Show läuft unter anderem im Kreuzberger Mehringhoftheater.

Fils aktuelle Show läuft unter anderem im Kreuzberger Mehringhoftheater.

© Fil Tägert

Fil live: Hier tritt der Künstler auf

Am Freitag, den 8. März, sowie am Samstag, den 9. März, um jeweils 20 Uhr tritt Fil im Mehringhoftheater in Kreuzberg auf. Für neue Show „Fil: Wege zum Glück und zurück“ gibt es noch vereinzelte Restkarten; bei einigen Anbietern sind die Veranstaltungen aber auch ausverkauft.

Wer Zeit hat und Lust auf herzhaftes Lachen, sollte hingehen, denn im Programm erklärt Fil, warum die Paar-Liebe uns nicht glücklich macht, weshalb er das Heftchen „BVG Plus“ sammelt und wofür das Wort „Schatz“ tatsächlich eine Abkürzung ist.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner