Welt der Weltmeister

Karin Bühler
3 Min

Mit Rudi Völler ist die Sache ganz einfach gewesen. Sonst hätte das mit dem Lied ja nicht geklappt: "Ein' Rudi Völler, es gibt nur ein' Rudi Völler ." Mit Klitschko ist die Sache schwieriger. Denn bekanntlich gibt es nicht nur einen Klitschko, sondern zwei - beide boxen im Schwergewicht. Noch dazu um die WM. Wladimir, der jüngere, ist schon Weltmeister. Er hält die Titel der Verbände IBF und WBO. Witali, der ältere, will am 11. Oktober in Berlin nun Weltmeister des Verbandes WBC werden.Nach dreieinhalb Jahren Pause wegen etlicher Verletzungen sagte er am Donnerstag munter in die Mikrofone: "Ich freue mich sehr, wieder in den Ring zu steigen." Dann stellte der 37-Jährige vor dem Comeback klar: "Ich bin kein Ex-Weltmeister. Ich habe den Titel nie verloren." Auch mit den Weltmeistern ist es nicht so einfach wie mit Rudi Völler. Weltmeister gibt es viele. Beim Verband WBC ist der Nigerianer Samuel Peter Titelträger. Witali Klitschkos Titel ist: Champion Emeritus. Übersetzt bedeutet emerere: "sich ein Recht oder einen Anspruch auf etwas erwerben". Zunächst hat Witali Klitschko also Anspruch auf den Titelkampf gegen Peter, der in Berlin prophezeite: "Das hier wird die einzig echte Weltmeisterschaft werden. Ich werde der Welt zeigen, dass ich der wahre Schwergewichtschampion bin."Zumindest hat der 27-Jährige, ebenso wie Witali Klitschko, nun den Anspruch auf weltweite Sendeminuten. Denn: Je mehr Verbände es gibt, desto mehr Titel sind zu verteilen. Je mehr Kämpfe stattfinden, desto mehr TV-Übertragungen laufen. Je länger gesendet wird, desto kräftiger kassieren Promotoren, Manager und Kämpfer ab. Witali Klitschko fand einen pathetischeren Grund für sein Comeback. Er verwies auf den Traum, mit Wladimir als erstes Brüderpaar auf Erden gleichzeitig Weltmeister zu sein.Eine zweite, weniger pathetische Sichtweise auf das Comeback von Witali Klitschko beschrieb dessen Manager Bernd Bönte mit einem sehr sympathischen Versprecher so: "Ohne RTL wäre das alles nicht nötig, äh, nicht möglich gewesen."------------------------------Champions im SchwergewichtVier Große: Der Champion im Profiboxen muss nicht unbedingt der Beste sein, da es in WBC, IBF, WBO und WBA vier große Weltverbände gibt.WBC: Weltmeister Samuel Peter (Nigeria) kämpft am 11. Oktober gegen den Champion Emeritus Witali Klitschko (Ukraine) in Berlin um den Titel des World Boxing Council. Sitz des 1963 gegründeten Verbandes ist Mexiko.IBF: Weltmeister der International Boxing Federation ist Wladimir Klitschko (Ukraine). Der in den USA ansässige Verband wurde 1983 gegründet.WBO: Titelträger der World Boxing Organisation, die 1988 in Puerto Rico gegründet wurde, ist Wladimir Klitschko.WBA: Der Russe Nikolai Walujew hält den Titel der World Boxing Association, deren Ursprünge ins Jahr 1921 reichen. Geleitet wird der Verband aus Venezuela.------------------------------Foto: Fototermin: Samuel Peter (l.) und Witali Klitschko in Berlin.

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