WELTALL - Am Mittwochmorgen startet erstmals seit 1989 eine Mission zum Nachbarplaneten. Die europäische Raumsonde soll von einer Umlaufbahn aus Oberfläche, Atmosphäre und Wetter erkunden.

Schwierigkeiten bei Start und Landung

Alexander Mäder
3 Min

BERLIN, 7. November. Ursprünglich hätte Venus Express schon vor gut zwei Wochen starten sollen. Doch noch bevor die Raumsonde an die Spitze einer russischen Sojus-Rakete montiert werden konnte, wurde die Prozedur unterbrochen. Isoliermaterial der Raketen-Oberstufe hatte sich gelöst und war auf das Gefährt gerieselt. Einige Bruchstücke waren so groß wie ein DIN-A4-Blatt Papier. Vermutlich habe man beim Reinigen mit einem Luftstrahl zu stark geblasen, sagt der Flugdirektor der Mission, Manfred Warhaut. Der offizielle Bericht der russischen Kollegen stehe zwar noch aus, aber man habe das Problem jetzt im Griff. Venus Express wurde vorsichtig gesäubert und die Elektronik noch einmal getestet. "Jetzt gibt es keine Bedenken mehr gegen einen Start", sagt Warhaut.Die Oberstufe der Rakete wird neun Minuten nach dem Start gezündet, um Venus Express in eine Umlaufbahn 190 Kilometer über dem Erdboden zu bringen. Noch bevor die Sonde die Erde einmal umrundet hat, wird die Oberstufe ein zweites Mal gezündet - und die eigentliche Reise zur Venus beginnt. Wenn die Sonde am 11. April 2006 am Ziel ankommt, wird sie ihr eigenes Triebwerk benutzen: 51 Minuten wird es feuern, um Venus Express in einen Orbit um den Schwesterplaneten der Erde einschwenken zu lassen. 16 Jahre lang hat keine Sonde die Venus besucht.Eine Landung hat die europäische Raumfahrtagentur Esa nicht vorgesehen. Das hätte umfangreichere Vorbereitungen erfordert. Venus Express wurde in nur knapp vier Jahren gebaut - und ist mit 220 Millionen Euro eine vergleichsweise günstige Sonde. Das war möglich, weil man Bauteile und Baupläne von früheren Sonden wieder verwendete. Das Design von Venus Express ähnelt dem der Sonde Mars Express, die seit zwei Jahren den roten Planeten umkreist."Reisen zur Venus sind aber noch etwas schwieriger als zum Mars", sagt Warhaut. Vor allem müsse eine Venus-Sonde höheren Temperaturen und einem heftigeren Beschuss mit kleinsten Teilchen standhalten, weil sie der Sonne näher kommt als die Sonden anderer Missionen. Bei einer Landung müsste das Gefährt Temperaturen von 450 Grad Celsius aushalten und einem Druck, der dem in 900 Meter Wassertiefe entspricht.Von den Schwierigkeiten einer Venus-Mission können die russischen Ingenieure der 60er- und 70er-Jahre ein Lied singen. Damals war der gelbe Planet vor allem ein Objekt sowjetischer Forschung. Im Februar 1961 wurde die erste Sonde Venera-1 auf die Reise geschickt, doch die Funkverbindung riss zwei Wochen nach dem Start ab. Auch die ersten Landeversuche schlugen fehl: Venera-3 zerschellte, Venera-4 wurde in 28 Kilometer Höhe zerstört, ähnlich erging es den beiden folgenden Sonden. Erst Venera-7 setzte am 15. Dezember 1970 weich auf - es war die erste Landung auf einem fremden Planeten. Den Zähigkeitsrekord hält übrigens Venera-13: Die Sonde konnte am 1. März 1982 noch zwei Stunden nach der Landung Daten senden - darunter die ersten Farbfotos der gelb-roten Oberfläche.------------------------------Foto: Sechs Quadratmeter Solarzellen genügen der Sonde Venus Express zur Stromerzeugung, denn sie wird der Sonne nah sein.

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