Zwickau schafft es in die überregionalen Schlagzeilen – und das hat mit einer sehr bekannten Tochter der Stadt zu tun. Das international gefeierte Leipziger Künstlerpaar Rosa Loy und Neo Rauch zeigt unter dem Titel „Perlmutt II“ beim Verein „Freunde Aktueller Kunst“ in Zwickau 25 Werke aus dem eigenen Privatbesitz – darunter ein gemeinsam gemaltes kleinformatiges Bild mit dem Titel „Anlage“ aus dem Jahr 2020.
Es sind nicht die großen Museen in New York, London oder Vicenza, die das Paar für diese Schau gewählt hat, sondern eine kleine Galerie in einer Stadt in Westsachsen. Bereits 2015 stellten Loy und Rauch dort erstmals gemeinsam aus, nun folgt die zweite Auflage. Sie ist zugleich eine Abschiedsausstellung: Klaus Fischer, ein Urgestein der deutschen Kunstszene, gibt den Vereinsvorsitz ab.
Eigens dafür haben Rosa Loy und Neo Rauch ihre Bilder, von denen einige bislang unveröffentlicht waren, der Galerie zur Verfügung gestellt. „Das ist ein Zeichen der Verbundenheit, des Vertrauens und des gegenseitigen Wertschätzens“, sagt Klaus Fischer. Aber warum ausgerechnet Zwickau?
Seit vielen Jahren verbunden: Neo Rauch, Klaus Fischer und Rosa Loy in der neuen Ausstellung „Perlmutt II“ in Zwickau
© Carola Seelig
Kritiker arbeiten sich an Neo Rauch ab
Rosa Loy, 1958 in der Stadt geboren und im Vorort Crossen aufgewachsen, erzählt im Gespräch mit der OAZ, es gehe nicht darum, jemanden zu „belohnen“. Sie und ihr Mann stellten öfter an kleinen Orten aus, die nicht so bekannt sind. „Uns ist es wichtig, dass die Arbeiten überall zu sehen sind.“ In Zwickau spiele durchaus der sehr persönliche Draht zum Kunstvereinschef eine Rolle, aber auch die Nähe zu Leipzig – und vor allem die Verbundenheit mit Sachsen. „Das ist unsere Scholle, das ist unsere Heimat, hier arbeiten wir, dieser Boden nährt uns“, sagte Loy. Es sei „ein Heimspiel“, die Atmosphäre eine andere als anderswo. Zur Eröffnung sei der Raum voll gewesen, viele Freunde seien gekommen. „Ich spüre ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl.“
Der Begriff der Sympathie sei natürlich sehr weit gefasst und habe nicht zwingend etwas mit künstlerischen Kriterien zu tun, ergänzt ihr Mann. „In der Regel sagen wir zu, wenn es sich um kleine Galerien handelt, die einfach so strukturiert sind, dass man sich die Präsentation unserer Bilder darin vorstellen kann.“
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Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass diese großen Häuser nicht gerade Schlange stehen, um ihre Kunst auszustellen, räumt Neo Rauch ein. Er spielt auf die Debatten an, die sich um seine Person in den vergangenen Jahren immer wieder entsponnen. Auf die Kritiker, die sich an ihm abarbeiteten. Man spürt, dass er dieses Kapitel noch nicht wirklich abgeschlossen hat. Aber er hat den Kurs geändert, wie er sich öffentlich äußert – nämlich gar nicht mehr. Warum? „Ich bin meinem Werk in erster Linie gegenüber verantwortlich und sonst niemandem. Ich möchte eigentlich darauf hinarbeiten, dass ich als Maler wahrgenommen werde, ausschließlich als Maler, das ist mein Zuständigkeitsbereich.“
Warum legen sie sich mit dem Geld nicht in die Sonne?
Er habe alles gesagt, und natürlich könne man daran lose anknüpfen und permanent seine Ansichten zur Geltung bringen, sagt der 65-Jährige. „Aber das ruiniert den Nachtschlaf und es hilft niemandem, schon gar nicht meinem Schaffen. Das ist einfach ungut, das ist Gift für die Seele und für den atmosphärischen Raum zwischen mir und der Leinwand.“
Mit ihren Werken sind Rosa Loy und Neo Rauch, die zur „Neuen Leipziger Schule“ zählen, dennoch ganz an der Spitze der internationalen Kunstszene angekommen. Seine Werke hängen im Museum of Modern Art in New York und in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Rosa Loy stellt von der Kohn Gallery in Los Angeles über die Gallery Baton in Seoul bis zur Fondazione Coppola in Vicenza international aus. 2018 zeigten beide in Vicenza unter dem Titel „La Torre“ ihre erste gemeinsame Einzelausstellung in Italien.
Auf die Frage, warum sie sich nicht mit ihrem Geld irgendwo in die Sonne legen würden, denkt Rosa Loy kurz nach. Und sagt dann ganz bestimmt: Es liegt am Arbeitsethos, mit dem beide aufgewachsen seien. „Arbeit gehört zum menschlichen Dasein dazu, ebenso wie Kunst und Kultur ist Arbeit existenziell für die Entwicklung des ganzen Menschen.“ Solange man die Kraft habe, zu arbeiten, sei das „fantastisch“.
Getrennte Ateliers, gemeinsames Mittagessen
Ihr Lebensmittelpunkt sind ihre Ateliers. Beide arbeiten seit den Neunzigerjahren Tür an Tür in der Leipziger Baumwollspinnerei – einer ehemaligen Fädenfabrik in Leipzig-Plagwitz, die nach 1990 sukzessive zu einem Atelierhaus und Galerienareal umgewandelt wurde. Sie gehörten zu den ersten Künstlern, die dort ein Atelier bezogen.
Dass Sachsen, dass Leipzig der Ort bleibt, an dem sie leben und arbeiten, stand nie zur Debatte. „Ich fühle mich einfach wohl, wenn ich von sächsischer Mundart umgeben bin, obwohl ich sie selbst nicht am Leibe habe“, sagt Neo Rauch, der im Harzvorland aufgewachsen ist. Beide stehen früh auf, frühstücken gemeinsam, gehen dann getrennt ins Atelier, essen zusammen Mittag, fahren getrennt nach Hause und treffen sich abends wieder. Wenn einer von ihnen einen Ratschlag braucht, unterstützen sie sich gegenseitig. „Aber nicht inhaltlich, sondern formell, es geht immer nur um fachlich-handwerkliche Aspekte“, erklärt Rosa Loy.
Neo Rauch und Rosa Loy in Zwickau – Einblicke in die Privatsammlung
Rosa Loy und Neo Rauch zeigen unbekannte Werke in Zwickau
Über Politik werde allenfalls kurz beim Mittagessen gesprochen. „Wir sind auch müde, diese merkwürdigen Parteien zu betrachten. So viel Aufmerksamkeit verdienen sie dann doch nicht“, sagte Loy mit Blick auf die aktuelle Regierung. Mehr wolle sie dazu nicht sagen, stattdessen verweist sie auf das Vogelhäuschen vor dem Küchenfenster, an dem regelmäßig ein Eichhörnchen auftaucht. „Das ist viel interessanter“.
Sie spricht lieber über die Zwickauer Ausstellung. An zwei Bildern hängt Rosa Loy besonders: „Morgen“ und „Abend“, die den hinteren Raum „aufspannen“, wie sie es beschreibt. Das eine zeigt eine flache Landschaft, wie man sie aus der Leipziger Umgebung kenne, das andere die hügeligere Gegend um Zwickau. Auch hier zeigt sich wieder die tiefe Verwurzelung in ihrer Heimat.
Hier findet sich Heimat wieder: Die Bilder „Morgen“ und „Abend“ malte Rosa Loy.
© Freunde Aktueller Kunst/Danny Otto
Parallel zur Zwickauer Schau haben die beiden Künstler derzeit viel Arbeit: Rosa Loy stellt ab 26. April in Seoul aus, Neo Rauch plant eine gemeinsame Ausstellung mit Jonathan Meese in der Grafikstiftung Aschersleben, die am 30. Mai unter dem Titel „Feine Herrschaften“ eröffnet wird. Danach kehren sie zurück auf ihre Scholle.
Die Ausstellung „Perlmutt II“ ist noch bis zum 19. Juni 2026 in der Zwickauer Galerie der „Freunde Aktueller Kunst“, Hauptstraße 60, zu sehen. Geöffnet ist Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils von 14 bis 18 Uhr.
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