WELTCUP - Deutschlands Schwimmer erwarten keine Spitzenzeiten. Die Wettkämpfe in Berlin stehen allein im Zeichen der Olympiavorbereitung.

Nur eine Chance im Becken

Stefan Osterhaus
3 Min

BERLIN, 16. Januar. Ein wenig besorgt klangen die Sätze dann doch: "Alle Sportler schwimmen aus dem vollen Training, da die Olympia-Qualifikation für alle vorrangig ist", teilte die SG Neukölln vor dem Berliner Kurzbahn-Weltcup mit. "Trotzdem wäre ein zahlreiches Publikum und eine prima Stimmung für alle Schwimmer wünschenswert." Die SG Neukölln ist eine renommierte Adresse, sie wird vertreten von Athleten wie Torsten Spanneberg und Franziska van Almsick. Und doch klingt es fast, als wolle man vor der Veranstaltung an der Landsberger Allee am Wochenende (Finals jeweils um 15 Uhr) die Erwartungen dämpfen. Die Worte haben ihren Grund. Die Athleten der SG Neukölln haben tatsächlich Olympia-Ambitionen, van Almsick sogar auf einen Sieg in Athen. So wird der Olympia-Vorbereitung alles untergeordnet, nicht nur in Neukölln, sondern auch im deutschen Schwimmverband. In der Woche vor dem Weltcup kehrte der Olympiakader von einem Trainingslager aus Südafrika zurück. So sind nicht alle Spitzenathleten beim Weltcup am Start: Hannah Stockbauer, die Sportlerin des Jahres 2003, die Erfolgreichste bei der WM in Barcelona, verzichtet."Es ist alles eine Frage der Prioritäten, und in diesem Jahr darf es keine Diskussion darüber geben, wo diese liegen", sagt Ralf Beckmann, der Cheftrainer der deutschen Schwimmer. Die Europameisterschaften im Mai in Madrid werden lediglich mit einem Team von neun Sportlern besetzt - die anderen bereiten sich derweil auf die Deutschen Meisterschaften im Juni in Berlin vor, denn die sind die einzige Möglichkeit zur Olympia-Qualifikation. "Dort müssen Weltklasse-Zeiten geschwommen werden", sagt Beckmann. Nur eine Chance haben die Schwimmer also - ein radikales Ausleseverfahren, mit dem die Deutschen in den letzten Jahren gut gefahren sind: "Jeder Modus hat seine Vor- und Nachteile", sagt Beckmann. "Ich wage nicht zu behaupten, welches Verfahren das beste ist." In anderen Ländern verfährt man unterschiedlich. Die Niederländer versuchen es mit einer Reihe von Wettkämpfen, in denen Normzeiten unterboten werden müssen. Die US-Amerikaner verfolgen das gleiche Prinzip wie die Deutschen: Ein einziger Wettkampf entscheidet über die Teilnahme an den Sommerspielen.So machen sich die beiden Freistil-Kontrahenten, der Australier Ian Thorpe und Pieter van den Hoogenband aus Holland, in diesem Jahr ausgesprochen rar. Auch der Russe Alexander Popow, der 2003 als Weltmeister reüssierte und die beiden abhängte, ist abgetaucht. Ein Aufeinandertreffen unmittelbarer Gegner wäre schon aus mentaler Sicht nicht gerade günstig. Nur die Brustschwimmer - Ed Moses, Kosuke Kitajima und Oleg Lisogor - stellen sich dem Publikum als unmittelbare Kontrahenten vor. Michael Phelps, der herausragende Schwimmer der WM, trat zwar in New York beim Weltcup an, legt aber nun den Fokus auf die US-Ausscheidung.Für diejenigen, die sich ihrer Form noch nicht sicher sind, bietet sich noch die Möglichkeit, auf Nebenstrecken auszuweichen. So wie Franziska van Almsick, die beim Weltcup an Stelle der Freistil-Distanzen lieber Schmetterling und Rücken schwimmt. "Es geht auch darum, Wettkampfhärte zu demonstrieren", sagt Ralf Beckmann. Man könne zu diesem Zeitpunkt keine Spitzenleistungen erwarten. Doch alle sollen ihre Leistungen "auf hohem Niveau mobilisieren" - dies sind die Indikatoren auf dem Weg nach Athen. Ein Gradmesser für jene, die ohnehin nur eine einzige Chance haben.SPORTIMAGE Scheut keinen Vergleich: der Weltrekordler Kosuke Kitajima aus Japan.

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