Wenige haben das Ohr an der Masse

Brenda Strohmaier
2 Min

Haben vier Jahre Rot-Grün das Leben in Deutschland verändert? Die "Berliner Zeitung" hat Wähler nach ihren Hoffnungen, Entäuschungen, Erinnerungen gefragt, heute Monika Buckwitz, 58, Friseurmeisterin aus Schöneiche und Inhaberin von vier Salons in Ost-Berlin.Was war für Sie das wichtigste Ereignis in den vergangenen vier Jahren?In meinen Augen ist politisch eigentlich nichts Herausragendes passiert. Ich denke da eher an Affären, an Politiker, die sich nicht an die Gesetze halten, die sie selbst verabschieden. Wenn sie dagegen verstoßen, entschuldigen sie sich, und das war s. Wenn ein Handwerker nicht ganz korrekt handelt, dann wird er gleich so zur Kasse gebeten, dass er sich danach die Kugel geben kann.Wie haben Sie den Wahlabend 1998 erlebt?Wir waren zwar nicht euphorisch, aber erst mal war uns der neue Kanzler sehr angenehm. Wir haben viel Hoffnung in ihn gesetzt. Wir dachten vor allem, dass der Mittelstand nun besser wegkommt. Zudem haben wir gehofft, dass Rot-Grün etwas gegen Schwarzarbeit unternimmt - zum Beispiel die Mehrwertsteuer für Friseurdienstleistungen auf sieben Prozent senkt. Dazu schrieben wir 1999 sogar einen Brief an den Bundeskanzler. Bis heute gab es keine Reaktion.Wie geht s Ihnen nach vier Jahren Rot-Grün?Im Nachhinein waren die Hoffnung doch sehr hoch geschraubt. Uns geht es nicht besser und nicht schlechter. Wir machen mehr Umsatz, aber die Kosten sind gestiegen, die Gewinnspanne ist gesunken. Wir hätten unseren zwanzig Mitarbeitern mehr Lohn gezahlt, doch die Lohnnebenkosten sind zu hoch.Für mich sind Politiker .. in der Regel Schauspieler, Selbstdarsteller. Es gibt wenige, die das Ohr an der Masse haben und wissen, was wirklich passiert.Sie wachen am 23. September als Kanzlerin auf. Was würden Sie als Erstes tun?Ich würde den Mittelstand steuerlich begünstigen, denn gerade die kleinen Betriebe können unglaublich viele Arbeitsplätze schaffen.Aufgezeichnet von Brenda Strohmaier.Meine Jahre mit Gerhard & Joschka - Eine Umfrage der Berliner Zeitung

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