Weniger Industrie und saubere Abgase sorgen für weniger hohe Konzentration des Luftschadstoffs

"Vom Ozon-Alarm noch weit entfernt"

Susanne Rost
3 Min

POTSDAM/SENFTENBERG. Kein Ausdauersport mehr im Freien, unnötige Autofahrten vermeiden oder zumindest langsam fahren - diese Empfehlungen hatte das Landesumweltamt am Sonntagnachmittag allen Senftenbergern gegeben. Der Grund: In der Kreisstadt von Oberspreewald-Lausitz war der Ozongehalt in der Luft auf mehr als 180 Mikrogramm je Kubikmeter gestiegen. Sobald die Ozonkonzentration diese Schwelle erreicht, muss die Behörde die Bevölkerung davon informieren.Denn etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung reagieren auf den Luftschadstoff, der unter Sonneneinstrahlung aus Abgasen entsteht, empfindlich - beispielsweise mit gereizten Atemwegen und entzündeten Augenschleimhäuten. Ozon greift aber auch Pflanzen an. Als Treibhausgas trägt es zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Bereits viermal in diesem Sommer sei an verschiedenen Stellen in Brandenburg dieser Schwellenwert erreicht worden, sagt Manfred Lotz vom Landesumweltamt. Die höchste Ozon-Konzentration wurde am 21. Juli in Bernau gemessen - 205 Mikrogramm pro Kubikmeter. Allerdings - in den Vorjahren wurde der Schwellenwert deutlich häufiger überschritten als in diesem. "Vom Ozon-Alarm, der bei 360 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft ausgelöst wird, sind wir meilenweit entfernt", sagt Lotz. Allen Prognosen nach werde dieser Wert auch in den nächsten Tagen in Brandenburg nicht erreicht werden - trotz anhaltender Sommerhitze. Ursache der positiven Entwicklung: "Die Autos und Lkw stoßen inzwischen deutlich saubere Abgase aus, deshalb kommt es trotz der Sonne inzwischen nicht mehr zu hohen Ozon-Werten", sagt Lotz. In den letzten sechs Jahren wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes in der Region Berlin-Brandenburg - im Gegensatz zum verkehrs- und industriereicheren Nordrhein-Westfalen - keine Ozon-Konzentrationen mehr gemessen, die über 240 Mikrogramm pro Kubikmeter lagen. 1994 beispielsweise wurde noch an 75 Tagen eine Ozon-Konzentration von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht: "Der durchschnittliche Wert des Ozongehalts ist gestiegen", sagt Lotz. Die Ursache könnte sein, dass der Verkehr und damit die Abgase, auch wenn sie sauberer sind, immer noch zunehme. "Mit der Einführung des 3-Wege-Katalysators für Autos sanken zwar die Stickstoffoxid-Emissionen um 15 Prozent. Dies wurde aber durch die starke Zunahme des Verkehrs, insbesondere des Lkw-Verkehrs wieder kompensiert", heißt es dazu aus dem Umweltministerium. Insgesamt sei aber die Schadstoffbelastung der Luft in den vergangenen Jahren deutlich niedriger geworden.Die EU-Mitgliedsländer haben sich für das Jahr 2010 zum Ziel gesetzt, dass an höchstens 25 Tagen im Jahr der Ozongehalt pro Kubikmeter Luft mehr als 120 Mikrogramm beträgt. Dieses Ziel würde Brandenburg heute noch weit verfehlen: An der Messstation in Senftenberg wurde dieser Wert seit Januar bereits 61-mal erreicht. Einen Zusammenhang mit dem benachbarten Lausitzring halten aber sowohl Landesumweltamt als auch der Betreiber für sehr unwahrscheinlich. "Außerdem gab es am Sonntag bei uns keine Rennveranstaltung", sagte ein Sprecher des Eurospeedway. "An uns kann es nicht gelegen haben.""Die Abgase der Autos sind jetzt sauberer. " Michael Lotz, Landesumweltamt

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