Wir wollen in Berlin eine Attraktion bauen und brauchen keine Fördermittel, wieso sollen wir also blockiert werden". Dieser Satz könnte von Alexandra Hildebrandt stammen, der rührigen Chefin des Museums am Checkpoint Charlie. Aber niemand in Senat und Bezirken würdigt ihre Anstrengung, mit einem Stück wieder aufgebauter Mauer noch mehr Touristen und damit noch mehr Geld in die Stadt zu locken, vielleicht noch mehr Arbeitsplätze in ihrem Museum zu schaffen. Denn Senat, Bezirk und Öffentlichkeit führen gute Argumente gegen Hildebrandts geschmacklose Gedenkunternehmung an, die schwerer wiegen als das touristische Investitionsvolumen. Und das ist auch gut so.Der eingangs zitierte Satz stammt vom Sprecher des Unternehmens World Wheel Berlin, Dirk Nishen, das am Gleisdreieck ein riesiges Riesenrad bauen will. Daraus spricht die anmaßende Haltung, dass, wer im armen Berlin als "Investor" auftritt, wie an der Lottobude freie Auswahl habe und Zustimmung für jegliches Projekt als selbstverständlich voraussetzen könne. Bedauerlicherweise hat der Regierende Bürgermeister gestern diese Erwartungshaltung bestärkt - ohne sich mit den bedenkenswerten Argumenten gegen einen Riesenradbau an dieser Stelle auseinander zusetzen. Veränderung der Stadtsilhouette? Egal. Blockierung der Ausbauflächen für das Technikmuseum? Dafür ist eh kein Geld da. Und zwanzig Jahre vorauszudenken, das ist einem Kurzzeitpragmatiker nicht gegeben. Seite 19
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