Spätestens seit ihrer wundersamen Verwandlung von der punkigen Partyprinzessin in die erzkatholische, ewig gestrige Fürstin und nach ihren unqualifizierten Äußerungen zum Aids-Problem in Afrika - O-Ton: "Der Schwarze schnackselt halt gern" - sollte klar sein, dass Gloria von Thurn und Taxis nicht ernst zu nehmen ist. Doch was diese Person, die dank Adelstitel und B-Promistatus jederzeit öffentliches Gehör erhält, nun in einer TV-Talkshow verlauten ließ, stellt einen neuen Höhepunkt des Schwachsinns dar. Und dieser Schwachsinn betrifft uns Jugendliche.Ehen, die wie im Mittelalter von den Eltern arrangiert werden, seien eine gute Sache, meint die Fürstin. Das sehe man ja daran, dass es damals viel weniger Scheidungen gegeben habe. Und deshalb sei eine Wiedereinführung der arrangierten Ehe sinnvoll - im Sinne eines harmonischen Familienlebens.Die Fürstin propagiert hier tatsächlich eine Einschränkung der Grundrechte des Individuums. Wie kann sie eine solch gute Errungenschaft wie das Recht jedes Einzelnen auf Selbstbestimmung seiner privaten Angelegenheiten entwürdigen! Es stimmt: Die Tatsache, dass sich die jungen Leute von heute ihren Partner selbst aussuchen können, führt auch nicht immer zum Glück. Aber lieber fünf Mal geschieden, sieben Kinder mit verschiedenen Frauen und das Gefühl, selbst für die Misere verantwortlich zu sein, als von den Eltern eine Frau ins Bett und an den Tisch gesetzt bekommen, deren Gesicht einen täglich daran erinnert, dass man vielleicht das Glück seines Lebens verpasst.Mit Ideen wie dieser fängt der Angriff auf die Freiheit an, der ganz schnell weitere Kreise ziehen kann. Freiheit ist das höchste Gut, dass es gibt. Sie gilt es zu schützen - auch und besonders, wenn es sich um das Liebesglück der Jugend handelt.Darüber hinaus sollte Frau von Thurn und Taxis wissen, dass auch im Mittelalter die arrangierte Ehe durchaus nicht Sitte war in der normalen Bevölkerung. Nur der Hochadel arrangierte Hochzeiten. Und wohin diese Praxis geführt hat, weiß man auch: Damals war es gang und gäbe, dass Könige und Prinzen mehrere Mätressen hatten. Nicht gerade das, was man sich unter einem harmonischen Familienleben vorstellt. Außerdem führte die Familiengründung untereinander dazu, dass sich körperliche und geistige Erbkrankheiten durch die Stammbäume der Adelsgeschlechter zogen.Auch Gloria von Thurn und Taxis ist Spross eines jener alten Adelsgeschlechter. Doch auch für sie sollte gelten: Erst denken, dann reden.------------------------------Foto: Vivian Yurdakul: "Der Vorschlag einer Fürstin, arrangierte Ehen wieder einzuführen, ist absurd und gefährlich."
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