Verdächtig gemacht haben sich die Intendanten Albert Kost (Komische Oper) und Bernd Wilms (Maxim Gorki Theater). Von diesen zwei war in den vergangenen Tagen nicht zu vernehmen, dass sie aufgrund der finanziellen Situation, in der ihre Häuser sind oder bald sein könnten, entweder die Stadt verlassen oder ihr Theater schließen müssen oder beides. Alle anderen Intendanten der großen Opern- und Schauspielhäuser der Stadt haben hingegen die künstlerischen Ausdrucksmittel der Drohung, Warnung und Klage begabt eingesetzt - wenn s dem Effekt diente, dann sogar mit Blick auf Szenarien, von denen nicht ernsthaft die Rede sein konnte. Georg Quander etwa malte aus, was passieren würde, wenn man der Staatsoper ein Drittel der Mittel sperrte. Das las sich dann wie "Berliner Opern droht das Aus", obwohl die einzige Grundlage für eine solche Bedrohung ein - umgehend abgelehnter - CDU-Antrag war, wonach mittels einer Haushaltssperre die Opern zu Sparvorschlägen gezwungen werden sollten. Eins ist klar: Wer jetzt nicht aufschreit, muss fürchten, als Letzter an die Reihe zu kommen, sollten einmal Verbesserungen in Sicht sein (was sie nicht sind). Da nun aber jeder nach Kräften aufschreit, wird es für das Publikum immer schwieriger, die notwendigen Differenzierungen zu treffen. Nicht alle Bühnen sind gleichermaßen arm dran. Der einen wurde etwas versprochen, der anderen nicht. Die eine könnte sparen, die andere nicht. Man kann sie vor lauter Aufschreierei schon nicht mehr auseinander halten. Fast vergisst man, dass das Elend einer Kulturpolitik geschuldet ist, die sich nicht koordinieren kann und Transparenz für ein Spruchband auf einer staatsfeindlichen Demo hält. Wir haben es zu tun mit einer völlig hemmungslos gewordenen Konkurrenz zwischen den politischen Instanzen, zwischen Kulturverwaltung und Abgeordnetenhaus, zwischen dem Land Berlin und dem Bund. Die Kälte, mit der die verschiedenen Gremien einander begegnen, ist von neuer Tiefkühlqualität. Die Grobheit, mit der etwa Klaus Wowereit (SPD), Vorsitzender im Kulturausschuss, auf Sparplänen besteht, die Jahre alt und völlig an der - tarifrechtlichen - Realität vorbei sind, ist ein Schlag ins Gesicht jedes Kulturarbeitnehmers. Die Art, wie Christa Thoben vom Theaterdirektor bis zum Staatsminister jeden mit den gleichen faden Argumenten abblitzen lässt, und umgekehrt die Weise, wie die Abgeordneten selbst der eigenen Partei Thobens Autorität untergraben, das alles hat mit Kunst und Kultur nichts mehr zu tun, nur noch mit Blindstellen vor dem, was ist: ein Loch, das gefüllt werden muss. Mit Ideen und Geld.
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