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Wer klaut wessen KI? China und USA mitten im Technologiekrieg

Kurz sah es so aus, als ob China auf eine offene KI setzt, die weltweit für jeden zugänglich ist. Doch nun, da Washington China KI-Klau vorwirft, macht auch China zu.

Frank Sieren
Frank Sieren
4 Min
US-Präsident Donald Trump trifft Chinas Staatschef Xi Jinping am 15. Mai 2026 in Peking. „China klaut unsere KI“, lautet inzwischen der Vorwurf aus Washington.

US-Präsident Donald Trump trifft Chinas Staatschef Xi Jinping am 15. Mai 2026 in Peking. „China klaut unsere KI“, lautet inzwischen der Vorwurf aus Washington.

© White House Press Office/apaimages/imago

Die Idee war gut. KI soll „Open Weight“ sein. Ein KI-Modell also, dessen trainierte Modellgewichte (Weights) global frei verfügbar sind. Für jeden zugänglich, etwa so wie Luft. Zunächst hat Peking eine Bresche dafür geschlagen. Warum?

Während die wirtschaftsliberalen USA ursprünglich eher auf geschlossene KI-Systeme setzen, hat sich das autoritäre China eher für Open Weight und Open Source entschieden. Der Grund für den Widerspruch: In den USA hat am Ende die Privatwirtschaft das Sagen. Sie verdient mit geschlossenen Modellen mehr Geld.

In China setzt sich in dieser Frage eher der Staat durch. Die offenen Modelle dienen der volkswirtschaftlichen Entwicklung besser, weil alle schnell davon profitieren beim Umbau Chinas in eine KI-Gesellschaft. Dafür hat Peking zunächst auch in Kauf genommen, dass Nachbarn wie Indien und Rivalen wie die USA sich bedienen und gut trainierte chinesische Modelle lokalisieren.

Dahinter verbirgt sich eine selbstbewusste Vorstellung. China ist so schnell und so billig, dass man schon drei Schritte weiter ist, wenn die anderen noch das bisher Erreichte lokalisieren. Und so war es erstmal auch: US-Unternehmen greifen zunehmend auf in China entwickelte KI-Modelle zurück. Sie sind oft billiger und besser.

Wenn aus Lernen plötzlich „KI-Diebstahl“ wird

Chinesische Open-Source-Modelle können 60 bis 90 Prozent günstiger sein als die führenden Modelle von Anthropic und OpenAI. Und sie sind genauso sicher. Das chinesische GLM 5.2 von Z.ai erreichte bei einem vielbeachteten Benchmark für Cybersicherheit ein Ergebnis, das nur einen Prozentpunkt hinter dem des US-amerikanischen Anthropics Claude Opus 4.8 lag – und das zu etwa einem Fünftel der Kosten.

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Doch die Amerikaner haben auch Modelle, die besser arbeiten als die aus China. Die werden wiederum von Chinesen systematisch abgegriffen. China klaut unsere KI, lautet der US-Vorwurf nun. Einen besseren Beleg dafür, dass die Amerikaner die chinesische KI-Innovationskraft ernst nehmen, gibt es kaum.

Der Fachbegriff für „klauen“ lautet „Wissensdestillation“. Es geht darum, einzigartige Trainingslogiken herauszufiltern. Damit spart man jeweils Entwicklungsaufwand und -kosten. Es geht weniger um Daten, sondern vor allem um Denkweisen. Das und anderes sei „KI-Diebstahl“, findet US-Finanzminister Scott Bessent.

Die KI-Anwendung Manus. Chinas Regierung legte ihr Veto gegen die zwei Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des chinesischen Start-ups durch Meta ein.

Die KI-Anwendung Manus. Chinas Regierung legte ihr Veto gegen die zwei Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des chinesischen Start-ups durch Meta ein.

© Thomas Fuller/imago

Anthropic zum Beispiel beschuldigt chinesische Unternehmen, über mehr als 24.000 „betrügerische Konten“ und 16 Millionen automatisierte Anfragen die eigenen Modelle mit Claude-Ausgaben trainiert zu haben. Washington kündigte bereits Sanktionen gegen Firmen an: Ausländische Staatsangehörige dürften keinen Zugriff auf die fortschrittlichsten KI-Modelle des US-Entwicklers Anthropic haben.

Jetzt zieht auch Peking die Grenzen hoch

Nun macht Peking auch zu. Man ist zum Beispiel besorgt darüber, dass Mythos von Anthropic Software-Schwachstellen ausnutzen und die US-Regierung das Modell gegen chinesische Interessen einsetzen könnte. Erst kürzlich verbannte Alibaba Anthropics KI-Modell Claude. Aus Angst vor Überwachung dürfen Chinas Alibaba-Mitarbeiter das US-amerikanische Claude nicht mehr nutzen.

Die Regierung legte ihr Veto gegen die zwei Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des chinesischen KI-Start-ups Manus durch den Facebook-Konzern Meta ein. Manus-CEO Xiao Hong und der Chefforscher Ji Yichao dürfen China nicht verlassen. Auch andere KI-Führungskräfte privater Firmen wie Alibaba und DeepSeek dürfen China nicht verlassen.

Das Konzept des Open Weight hat also einstweilen gegen den Nationalismus verloren. Für den Fortschritt der Menschheit wäre Open Weight besser gewesen.

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