Alfred Bauer holt die amerikanische Schauspielerin Shirley MacLaine 1971 am Tempelhofer Flughafen ab.
Das Foto erschien 2001 im Berliner Nicolai-Verlag in einer von dem Filmhistoriker Wolfgang Jacobsen herausgegebenen Chronik anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Berlinale.
Alfred Bauer: Eng an Joseph Goebbels angebunden
Darin enthalten sind auch Hinweise auf Alfred Bauers beruflichen Werdegang. Demnach gehörte der 1911 geborene Filmhistoriker und Jurist nach einer Promotion über Filmrecht im Jahre 1938 der Reichsfilmkammer an und war dort zuständig für den Einsatz von Regisseuren, Schauspielern und Kameraleuten in Filmproduktionen und hatte auch Einfluss darauf, wer vom Kriegseinsatz freigestellt wurde oder an die Front musste. Dass er ganz unmittelbar der Reichsfilmintendanz angehörte und dabei wohl eng an Propagandaminister Joseph Goebbels angebunden war, geht nun aus Dokumenten hervor, die die Wochenzeitung Die Zeit für einen Beitrag in ihrer aktuellen Ausgabe auf Hinweise eines Privatforschers zusammengetragen hat. Demnach sei es Bauer in der Nachkriegszeit gelungen, seine Biografie zu schönen und seine tiefe Verstrickung mit dem NS-Apparat herunterzuspielen. Vielmehr sei Bauer, so legt der Beitrag in der Zeit nahe, „ein eifriger SA-Mann“ gewesen.
Wie es aussieht, steht der neuen Berlinale-Leitung unter Carlo Chatrian und Marietta Rissenbeek, die am Mittwoch der Presse ihr erstes Programm vorgestellt haben, kurz vor Beginn der 70. Festspiele ein handfester historischer Skandal ins Haus. Zumindest stellt sich die Frage, warum die Biografie Bauers trotz der keineswegs verborgenen Nähe zum NS-Regime nicht genauer untersucht worden ist. Bis heute wird in seinem Namen ein Silberner Bär für neue Perspektiven der Filmkunst verliehen.
Berlinale 2020: Starke deutsche Präsenz
Vermutlich kein weiterer Alfred-Bauer-Preis bei der Berlinale
Erst Konsequenzen im Fall Bauer haben am Mittwochabend bereits die Deutsche Kinemathek, der Bebra-Verlag und die Ernst-Reuter-Stiftung gezogen. Sie haben vorerst eine geplante gemeinsame Veröffentlichung über Alfred Bauer im Rahmen der Ernst-Reuter-Hefte verschoben. Der Zeit-Artikel, heißt es in einer Mitteilung, habe sie dazu veranlasst, die auch in der geplanten Publikation bereits herangezogenen Dokumente mit weiteren Quellen für eine vertiefte Bewertung heranzuziehen. Derer Ergebnisse sollen weiterhin in der Reihe der „Ernst-Reuter-Hefte“ erscheinen.
Eine Berlinale-Sprecherin teilte am Abend mit, den Alfred-Bauer-Preis in diesem Jahr nicht zu vergeben. Eine herausgehobene Position Bauers im Nationalsozialimus sei dem Festival bislang nicht bekannt gewesen.
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